Buch des Monats Januar 2026:
Franz Xaver Weis: XII Deutsche Lieder Beim Clavier zu singen. Dem Hochwohlgebohrnen Herrn Geheimen Rath und Hofkanzler des Souvrainen Maltheser Ordens in Deutschland von ITTNER mit wahrer Hochachtung gewiedmet von F. X. Weis. Fürstlich Fürstenbergischen Kam[m]ersänger. II. Theil. Reis fl: 1.36. Augsburg in der Gombartischen Musik Handlung [1798]. (Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: 4 Mus.pr. 2025.381)
Der nur über zwei Generationen existierende Musikverlag von Johann Carl Gombart in Basel und Augsburg (1789-1836) zählte über viele Jahrzehnte hinweg zu den großen Unbekannten der Musikbibliographie.
Mit qualitätsbewussten Schwerpunkten auf Kammermusik, Klaviermusik und Liedkompositionen aus dem regionalen Umfeld, dem Mannheimer Komponistenkreis und wenigen Erstveröffentlichungen von Mozart, Beethoven und Carl Maria von Weber setzte der Verlag eigene Akzente. Erst mit der 1999 publizierten Verlagsgeschichte von Hans Rheinfurth wurde das Verlagsprogramm dank akribischer sammlerischer und archivalischer Arbeit zu großen Teilen rekonstruiert und mit einem alphabetischen Katalog von 970 Nummern detailliert beschrieben. Für die Bayerische Staatsbibliothek konnten zu den über 100 bereits im Bestand nachgewiesenen Gombart-Drucken im Januar 2025 für die Sammlung Deutscher Drucke elf Gombart-Musikdrucke des 18. Jahrhunderts hinzuerworben werden, die dem Nachlass des Musikwissenschaftlers und Sammlers entstammen.
Darunter befindet sich auch die Ausgabe „XII Deutsche Lieder beim Clavier zu singen“ von Franz Xaver Weis, der 1789 als einer der ersten Sänger (Bariton) - und Schüler von Anton Raff, dem Uraufführungsinterpreten von Mozarts „Idomeneo“ - in die Fürstenbergische Hofmusik in Donaueschingen aufgenommen wurde und bei Gombart zwischen 1797 und 1807/8 vier Liedersammlungen und eine Canzone veröffentlichte.
Als Widmungsträger ist Joseph Albrecht (Albert) von Ittner (1754-1825) genannt, der als Jurist und Diplomat neben dem Staatsdienst auch selbst als Schriftsteller wirkte. Die vertonten Gedichte von Christian Friedrich Daniel Schubart, Ludwig Christoph Heinrich Hölty, Gottfried August Bürger, Friedrich von Matthisson und anderen Autoren stellte F. X. Weis zu einem thematisch geordneten Liederzyklus zusammen, der die ausschließlich männlichen Perspektiven auf die Beziehung zu Frauen erforscht. Auf Ehe und Familie („Ehlicher guter Morgen“ und „Ehliche gute Nacht“), folgt die „Schilderung der Freundin“. Das derbe und mit Rauschphantasien geladene „Trinklied im Winter“, dessen Strophenschlüsse für dreistimmigen Chor vertont sind, mündet in das Lob, das der Totengräber seinem Spaten ausspricht. „Männer Keuschheit“ und „Schwermut“ (über die Enttäuschungen der Liebe) leiten über in zwei freudige und erwartungsvolle Ansprachen an die jeweilige Verlobte, die unterschiedlichen ständischen Milieus Rechnung tragen („Der fröhliche Soldat an sein Liebchen“ und „Theon an Wilhelmine“). Nach einem Dialog über die wohl paritätisch verteilte „Weiber- und Männertreu“ und „An Hanchen“ (ein Gedicht, das auch mit anderen Frauennamen verbreitet wurde) schließt der Liederkreis mit einer neutralen Betrachtung über den verwitterten, namenlosen Grabstein – ein frühes Gedicht von Friedrich von Matthisson, das nicht nur die Verstorbene, sondern auch ihren toten Freund beklagt.
Entgegen dem nicht vollständig getilgten Hinweis „II.Theil“ im gestochenen Titelblatt ist der Zyklus mit 12 Liedern vollständig enthalten. Möglicherweise sahen Weis und Gombart in dieser Liedersammlung aber das Pendant zu den ein Jahr zuvor (1797) publizierten „XII deutschen Liedern“, die Weis der Gattin seines Dienstherren, der Fürstin Caroline zu Fürstenberg, gewidmet hatte.

