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Gemeinsamer Jahresbericht der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke für das Jahr 2015

Die im Jahr 1989 gegründete Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) verfolgt das Ziel, auf der Grundlage der reichen historischen Bestände von sechs deutschen Bibliotheken durch antiquarische Ankäufe retrospektiv eine verteilte deutsche Nationalbibliothek für den Zeitraum 1450 bis heute zu schaffen (www.ag-sdd.de). Die nach Zeitsegmenten chronologisch gegliederte Sammeltätigkeit verteilt sich wie folgt auf die Partnerbibliotheken innerhalb der AG SDD:

Partnerbibliotheken der AG SDD
ZeitsegmentBibliothek
1450-1600Bayerische Staatsbibliothek, München (BSB)
darüber hinaus: Notendrucke bis 1800
1601-1700Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel (HAB)
1701-1800Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB)
1801-1870Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main (UB Frankfurt)
1871-1912Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (SBB-PK)
darüber hinaus:Landkarten und Zeitungen seit 1801
Notendrucke von 1801 bis 1945
Ab 1913Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig und Frankfurt am Main (DNB)


Die AG SDD ist auch in der Tradition einer dezentralen Erwerbungspolitik für die Gewährleistung einer umfassenden Literaturversorgung von Wissenschaft und Forschung entstanden. Wie die in den 1950er Jahren aufgebauten Sondersammelgebiete dies für die moderne Forschungsliteratur sicherstellen sollten, ist die AG SDD mit dem Sammelauftrag gegründet worden, als dezentrale Deutsche Nationalbibliothek die gravierenden Lücken in der nationalen gedruckten Überlieferung, die aufgrund des Fehlens einer historisch gewachsenen Nationalbibliothek in Deutschland entstandenen sind, zu schließen.
Dabei haben sich für die AG SDD in den mehr als 25 Jahren ihres Bestehens aufgrund der umfassenden Erschließung und Digitalisierung der historischen Bestände in öffentlichem Besitz die Rahmenbedingungen der retrospektiven Bestandsergänzung gewandelt. Im Grunde relativiert sich das ursprünglich angestrebte Ziel, in den beteiligten Bibliotheken die gesamte deutsche Buchproduktion einer Epoche im Original bereitzuhalten, indem die Bibliotheken nun im Regelfall auf den Ankauf verzichten, wenn sich der Zugriff auf digitale Kopien in guter Qualität und mit gesicherten Verfahren (persistente URLs) in öffentlichem Besitz darstellen lässt und wenn zugleich mindestens ein Original in deutschem Bibliotheksbestand nachweisbar ist. Ausnahmen davon betreffen bestimmte für die Jahrhunderte spezifische Sammelschwerpunkte, den Kanon bestimmter Autoren sowie regionales Schrifttum. Hier werden auch bei Besitz in anderen Beständen und verfügbaren digitalen Kopien ggfs. weitere Originale erworben. Die aufgrund dieser veränderten Erwerbungsgrundsätze frei werdenden Mittel setzen die Bibliotheken in vertretbarem Maß für den Ankauf von Exemplaren ein, die bedeutende und für die Sammlungsforschung interessante Provenienzen enthalten sowie für Exemplare mit aussagekräftigen materiellen Merkmalen (annotierte, durchschossene Exemplare, Sammelbände u.ä.).

Jahresbericht 2015

Der Vorsitz der AG SDD lag im Berichtsjahr bei der Bayerischen Staatsbibliothek München. Dieser Gesamtbericht wurde von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel erstellt, die den Vorsitz zum Jahresanfang 2016 übernommen hat. Die Angaben basieren auf den Jahresberichten der sechs Partnerbibliotheken.

Erwerbungsausgaben

Übersicht der Erwerbungsausgaben
Bibliothek20142015
BSB München152.864235.631
HAB Wolfenbüttel194.863191.316
SUB Göttingen156.75199.359
UB Frankfurt104.46691.748
SBB-PK Berlin94.22489.865
DNB136.944126.700
Summe840.112834.619

Tab. 1: Übersicht der Erwerbungsausgaben 2014 und 2015 in EUR

Der BSB München standen 2015 dank der erneuten großzügigen Förderung durch die Carl Friedrich von Siemens Stiftung für die antiquarische Bestandsergänzung umfängliche Mittel zur Verfügung. Zusammen mit Restmitteln aus dem Vorjahr konnten im Rahmen der SDD insgesamt 130 Werke für rund 235.600 Euro angekauft werden. Dabei sind die Erwerbungen im Bereich der Inkunabeln besonders erwähnenswert. Hier gelang es, die umfangreiche Sammlung der BSB mit acht seltenen Ausgaben für rund 78.000 Euro zu ergänzen. Das Hauptaugenmerk für die Erwerbungen zum 16. Jahrhundert liegt auf Titeln, die nicht oder nur bibliographisch im VD 16 verzeichnet sind. Knapp 42 % der aus dem Handel übernommenen Werke erfüllen dieses Kriterium. Zu bemerken ist jedoch auch, dass sich die Angebote seltener Drucke aus dem 16., besonders aber aus dem 15. Jahrhundert zunehmend in ausgesprochen hochpreisige Zonen hin entwickeln Im Erwerbungsergebnis der BSB schlägt sich dies auch in einem im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheren Durchschnittspreis nieder (2015: 1.812 Euro/ 2014: 1.076 Euro). Insgesamt gestaltet sich die Vielfalt des antiquarischen Angebots für das Münchener Erwerbungssegment positiv, so dass die Bestandsergänzung in einem weiten Bereich der Fächer und Gattungen möglich ist.


Die HAB Wolfenbüttel verfügte wie im Vorjahr neben den regulären Haushaltsmitteln auch über Sondermittel des Landes Niedersachsen und konnte im Rahmen der SDD insgesamt 352 Werke für rund 191.000 Euro erwerben. Wie in den vergangenen Jahren unterstützte auch die Familie Wittchow-Aschoff-Stiftung 2015 den Erwerb von Barockdrucken. Mit vergleichbar hohen Mitteln konnten insgesamt rund 15 % mehr Titel als im Vorjahr in den Bestand eingebracht werden. Der deutlich niedrigere Durchschnittspreis (2015: 543 Euro / 2014: 647 Euro) ist auf den Erwerb einiger umfangreicher Sammelbände, aber auch auf eine spezielle Angebotsstruktur für Drucke des 17. Jahrhunderts zurückzuführen. So wurden nur sehr vereinzelt Stücke aus dem Hochpreisbereich angeschafft, da ein entsprechendes Angebot fehlte. Vorrangiges Auswahlkriterium ist nach wie vor die Seltenheit der Werke, auch 2015 ist es gelungen annähernd 50 % bislang nicht im VD 17 nachgewiesene Titel in die Wolfenbütteler Bestände einzubringen. Seit einigen Jahren bemüht sich die Bibliothek auch mittels eines vom Land Niedersachsen bewilligten Sonderetats Bestandslücken in Hinblick auf die internationale Buchproduktion der Barockzeit zu schließen und das Profil der SDD um zentrales Schrifttum zu ergänzen.


Im Mittelpunkt des SDD-Erwerbungsgeschehens der SUB Göttingen stand eine umfangreiche Schenkung (223 Werke). Das antiquarische Angebot hingegen stagnierte eher und der Zugang durch Kauf war deutlich rückläufig. Der Durchschnittspreis für die Erwerbungen von Werken des 18. Jahrhunderts sank in den letzten Jahren und liegt mittlerweile auf dem Niveau der Jahre 2005 bis 2009 (2015: 350 Euro). Das ist vor allem auf ein fehlendes Angebot von besonders seltenen und hochwertigen Stücken in diesem Zeitsegment zurückzuführen.

Im Jahr 2015 stand der UB Frankfurt am Main für den Zeitraum 1801–1870 mit rund 98.000 Euro eine etwas unter dem Volumen der Vorjahre liegende Summe für Kauf und Bestandserhaltung zur Verfügung. Damit wurden 587 Titel erworben. Das Erwerbungsgeschehen ist zwar insgesamt noch als stabil einzuschätzen, in den vergangenen Jahren ist jedoch ein stetiger Rückgang an Erwerbungen zu konstatieren.

Die SBB-PK musste wie im Vorjahr aufgrund einer verzögerten Mittelfreigabe und eines erneut rückläufigen Etats in der antiquarischen Erwerbung eine strenge Schwerpunktsetzung verfolgen. Einzelne hochpreisige Ankäufe waren nur zum Jahresende möglich. Insgesamt wurden in allen Sammelsegmenten 892 Werke dem Bestand zugeführt, was einem Rückgang von rund 17 % entspricht.

Die DNB Leipzig und Frankfurt am Main ist in der Arbeitsgemeinschaft für das Erwerbungssegment ab 1913 zuständig. Ist damit der jährliche Gesamtzuwachs der DNB (2015: rund 1,14 Mio. Medieneinheiten) zugleich als Ergebnis im Rahmen der SDD zu bewerten, so sind in diesem Kontext die retrospektive Bestandsergänzung allgemein sowie besonders die Erwerbungen für die Exilsammlungen der Jahre 1933–1945 von Bedeutung. Der Zugang in diesen Bereichen umfasst 6.574 Einheiten, die für rund 126.700 Euro erworben wurden. Das Erwerbungsergebnis liegt damit im guten Mittel der vergangenen Jahre.

Erwerbungen und Antiquariatsmarkt

Die Arbeitsgemeinschaft kann auch nach mehr als 25 Jahren intensiver antiquarischer Erwerbung eine insgesamt positive Bilanz ziehen. Auf der Grundlage der vielfältigen antiquarischen Ressourcen war der breite Ausbau der vorhandenen historischen Bestände bis auf wenige Ausnahmen auch im Jahr 2015 sehr gut möglich. Bemerkenswert ist, dass das Marktangebot nach wie vor eine ausreichende Anzahl von seltenen Titeln, die bislang ohne Nachweis in den nationalbibliographischen Verzeichnissen VD 16 und VD 17 waren, hervorbringt. Nicht ganz so gut war das Angebot zum 18. Jahrhundert sowie im Bereich besonders hochwertiger und kostbarer Drucke, hier stellten mehrere Bibliotheken ein eher eingeschränktes Angebot fest. Auch im Bereich des Angebots von historischen Karten berichtet die SBB von einem zunehmend geringeren adäquaten Angebot.
Dies und auch die Tatsache sinkender Durchschnittspreise in einigen Erwerbungsabschnitten können jedoch nicht in Hinblick auf einen Preisrückgang für Antiquaria gedeutet werden: Bei den errechneten Durchschnittspreisen handelt es sich um statistische Werte, die sich aus dem Zusammenspiel der in den Sammlungen vorhandenen Bestände und Angebote im Handel ergeben. Die besonders hoch bewerteten Spitzenstücke sind in großer Zahl bereits in den für die AG SDD ausgewählten bedeutenden Altbestandsbibliotheken vorhanden und sollten auch gar nicht das Erwerbungsprofil dominieren.

Übersicht über den Gesamtzugang
BibliothekBibliographische Einheiten (BE)Physische Einheiten (PE)
2014201520142015
BSB München142130131112
HAB Wolfenbüttel310356247226
SUB Göttingen348510348505
UB Frankfurt735576740611
SBB-PK Berlin1.1138921.063882
DNBKeine AngabenKeine Angaben

1.009.281*

7.471**

1.138.482*
6.574**

* Gesamtzuwachs 2014 bzw. 2015. Die DNB ist eine Institution mit zwei Standorten: Leipzig und Frankfurt am Main. Die Standorte weisen einen gemeinsamen Zuwachs aus, inklusive der Online-Publikationen
** Zuwachs in der retrospektiven Bestandsergänzung und den Exilsammlungen der Jahre 1933–1945

Tabelle. 2: Übersicht über den Gesamtzugang einschließlich Bestandsübernahmen und Geschenken 2014 und 2015


Übersicht über die durchschnittlichen Ausgaben je bibliografischer Einheit in EUR
BibliothekJahrJahr
20142015
BSB München1.0761.812
HAB Wolfenbüttel647543
SUB Göttingen450350
UB Frankfurt155161
SBB-PK Berlin165102
DNB18*19*

*Durchschnittspreis je physischer Einheit für retrospektive Bestandsergänzungen sowie Erwerbungen für die Exilsammlungen.

Tabelle 3: Übersicht über die durchschnittlichen Ausgaben je bibliografischer Einheit in EUR


Die Übersichten über die Anzahl der Erwerbungen in den beteiligten Bibliotheken und die ermittelten Durchschnittspreise spiegeln das Gefüge der Buchproduktion vergangener Jahrhunderte, heutiger Preisstruktur für alte Drucke und den vorhandenen Erwerbungsmitteln in den beteiligten Bibliotheken wider: So sind Drucke des 15. und 16. Jahrhunderts im Ankauf erheblich teurer als die anderer Epochen. Auch die Drucke des 17. Jahrhunderts liegen im Kostenrahmen deutlich höher. Die Anzahl der Erwerbungen nimmt damit in den jüngeren Zeitabschnitten, die zugleich eine zunehmend steigende Buchproduktion vorweisen können, kontinuierlich zu.

Erworben wird im in- und ausländischen antiquarischen Buchhandel, wobei eine Zunahme der Ankäufe aus dem Lagerhandel zu verbuchen ist. Nach wie vor intensiv beteiligen sich die Bibliotheken an den deutschen Buchauktionen. Hier vertreten sich die Bibliotheken gegenseitig und nehmen auch gern Gebote für andere Bibliotheken und Institutionen an (s. Tabelle 4):

Regionale Zuständigkeiten auf Auktionen
AuktionshausOrtVertretung durch
BassengeBerlinSBB
Hartung & HartungMünchenBSB
Jeschke Van VlietBerlinSBB
Ketterer KunstHamburgHAB
Klittich-PfankuchBraunschweigHAB
Nosbüsch & StuckeBerlinSBB
Reiss & SohnKönigstein/TsUB Frankfurt
VenatorKölnSUB Göttingen
Zisska & LacherMünchenBSB

Tabelle 4: Regionale Zuständigkeiten auf Auktionen

Ein erstmals 2014 veranstaltetes Treffen der AG SDD mit Vertretern des Verbands Deutscher Antiquare (VDA) konnte im Berichtsjahr wiederholt werden. Neben der Erarbeitung eines Leitfadens für den gemeinsamen Geschäftsverkehr dient die Zusammenkunft dem Austausch über Fragen der Erwerbung,  Erschließung und Erhaltung alter Drucke.

Regelmäßig gelangen auch Drucke aus Privatbesitz, immer wieder auch als Geschenke oder Spenden, in die Sammlungen. So konnte die SUB Göttingen im Berichtsjahr die Schenkung einer umfangreichen Sammlung von Kleinschrifttum entgegennehmen.

Verteilung nach Fachgebieten

Die Erwerbungsergebnisse spiegeln die für bestimmte Epochen typischen Schwerpunkte der Buchproduktion wider. So dominieren theologische Werke im 15./16. Jahrhundert (über 42 % Gesamtzugang) und 17. Jahrhundert (rund 30 % Gesamtzugang), während sich im 19. Jahrhundert naturwissenschaftliches und medizinisches Schrifttum sowie die Schöne Literatur im Erwerbungsprofil durchsetzen. Für das 17. Jahrhundert gestalten neben der Theologie auch historische und politische Schriften mit einigen umfangreichen Sammelbänden annähernd 60 % des Zugangs. Die Erwerbungen zum 18. Jahrhundert stehen an der Schwelle und weisen Schwerpunkte bei theologischen Werken sowie bei den Philologien und der Medizin auf. Im Zeitraum von 1801 bis 1870 dominieren eindeutig die Werke der deutschsprachigen Literatur, vorrangig belletristische Titel, auf den Plätzen zwei und drei Geschichte, Archäologie und Theologie. Auch im Erwerbungssegment von 1871 bis 1912 liegt im Jahr 2015 – bezogen auf die Summe der verausgabten Mittel – der klare Schwerpunkt im Bereich der deutschen Literatur, Belletristik und Kinder- und Jugendliteratur. Der umfangreichste Teil der Mittel für eine Fachgruppe floss hier wie in den vergangenen Jahren in die Sparte Geografie, Reisen, Atlanten.

Systematische Verteilung der Erwerbungen
DBS-FachgebietBSB
(1450-1600)
HAB
(1601-1700)
SUB
(1701-1800)
UB Ffm
(1801-1870)
SBB-PK
(1871-1912)
BEPEBEPEBEPEBEPEBEPE
Allgemeines11111111303488
Philosophie33118893388
Psychologie0000000000
Religion u. Theologie56489587655364674540
Erziehung, Bildung,
Unterricht
1155984433
Soziologie, Gesellschaft,
Statistik
2211770000
Politik, Öffentl.
Verwaltung, Militär
1211221522191944
Wirtschaft, Arbeit,
Tourismusindustrie
1111156121233
Recht1287799192044
Natur, Naturwissenschaften allgemein0074002311
Mathematik0042444411
Physik, Astronomie3333111100
Chemie, Alchemie0033003300
Geowissenschaften,
Bergbau
0000001111
Biologie111214101154
Medizin,
Veterinärmedizin
86983635304099
Technik, Grundlagen003167332928
Agrar- und Forstwissenschaften,
Haushalts- u. Ernährungswissenschaften,
Lebensmitteltechnologie
0022111226281515
Architektur, Bildende
Kunst, Photographie
0011119111319
Musik, Theater, Tanz,
Film
44220012125556
Sport, Spiele0000336666
Allgem. u. Vergleichende
Sprach- u. Literaturwissenschaften
4291101133
Englische Sprach- u. Literaturwissenschaften0000264991412
Deutsche Sprach- u. Literaturwissenschaften0034264239146148153145
Romanische Sprach- u. Literaturwissenschaften00541917202333
Klassische Sprach- u.
Literaturwissenschaften
131288214444
Slawische u. baltische
Sprach- u. Literaturwissenschaften
0000002233
Sprach- u. Literaturwissenschaften sonstiger Sprachen0033112222
Archäologie, Geschichte5510618202989934851
Geographie, Heimat- u. Länderkunde, Reisen,
Atlanten, Volks- u. Völkerkunde
22997723231313
Sonstiges22000000120128
Summe130112352222284270554587573574

*Bei Sammelbänden erfolgt die Fachzuteilung jeweils nach dem ersten Band.

Tabelle 5: Systematische Verteilung der Erwerbungen (Kauf) auf die Fachgebiete der Deutschen Bibliotheksstatistik in bibliografischen (BE) und physischen (PE) Einheiten im Berichtsjahr 2015 (für die DNB liegen hierzu keine Angaben vor)

Verteilung der Erwerbungsausgaben in EUR auf die Fachgebiete der Deutschen Bibliotheksstatistik
DBS-FachgebietHAB
(1601-1700)
SUB
(1701-1800)
UB Ffm
(1801-1870)
SBB-PK
(1871-1912)
Allgemeines 2506.4242.966485
Philosophie3.4722.991557882
Religion und Theologie55.24113.0477.0581.591
Erziehung, Bildung, Unterricht5.7511.3311.273155
Soziologie, Gesellschaft, Statistik9502.64100
Politik, Öffentl. Verwaltung, Militär11.4787701.673230
Wirtschaft, Arbeit, Tourismusindustrie2402.4571.831270
Recht 2.2561.8111.824185
Natur, Naturwissenschaften allgemein4.0560570160
Mathematik1.8602.91038975
Physik, Astronomie3.3591101250
Chemie, Alchemie4.36804650
Geowissenschaften, Bergbau0018035
Biologie1752.0034.144333
Medizin, Veterinärmedizin13.47910.1325.006790
Technik, Grundlagen6.4006.6061.1553.762
Agrar- u. Forstwissenschaften., Haushalts- u.
Ernährungswissenschaft, Lebensmitteltechnologie
4.7916.5964.3651.137
Architektur, Bildende Kunst, Photographie5.0004503.7734.962
Musik, Theater, Tanz, Film1.62501.1769.572
Sport, Spiele01.9601.0102.448
Allgem. u. Vergleichende Sprach- u. Literaturwissenschaft1.2500240135
Englische Sprach- u. Literaturwissenschaft07668111586
Deutsche Sprach- u. Literaturwissenschaft26.60013.67127.97715.172
Romanische Sprach- u. Literaturwissenschaft1.4554.4652.185129
Klassische Sprach- u. Literaturwissenschaft2.37512150557
Slawische Sprach- u. Literaturwissenschaft00333240
Sprach- u. Literaturwissenschaft sonstiger Sprachen5.7391.44024096
Archäologie, Geschichte9.60112.03211.4847.974
Geographie, Heimat- und Länderkunde, Reisen,
Atlanten, Volks- und Völkerkunde
19.5444.6255.92230.217
Sonstiges0007188
Summe191.31599.35989.23789.865

Tabelle 6: Verteilung der Erwerbungsausgaben in EUR auf die Fachgebiete der Deutschen Bibliotheksstatistik im Berichtsjahr 2015 (für die BSB und die DNB liegen hierzu keine Angaben vor)


Ausgewählte Erwerbungen

1450-1600 BSB München

  • Pius II.: De duobus amantibus Euryalo et Lucretia. [Köln um 1471].
    Äußerst seltene und frühe Kölner Ausgabe dieser in der Renaissance beliebten Liebesgeschichte; bislang weltweit nur mit drei Exemplaren und nicht in Deutschland nachgewiesen.
  • Hector Mithoff d. Ä.: Schreibkalender auff das Jahr […] M.DL.XXXVII. Erfurt [1536].
    Einziges nachweisbares Exemplar dieses Schreibkalenders mit astronomischen Anweisungen für das Jahr, Planetenaspekten, Wetterprognosen und Verhaltensregeln für die einzelnen Monate.; bislang weltweit und im VD 16 nicht nachweisbar.

Notendrucke bis 1800

  • Aus dem Wiener Verlag von Artraria konnte eine Stimmen-Ausgabe der drei Quartette Ignaz Pleyels (Benton 307-309, ca. 1789) erworben werden, die bislang nicht im Bestand nachgewiesen war.

1601-1700 HAB Wolfenbüttel

  • [Johann Beer:] Der deutsche Kleider-Affe/ durch und durch Mit kurtzweiliger Einfalt und einfältiger Kurtzweil/ allen Curieusen Liebhabern zur Declaration. Leipzig 1685.
    Seltene Erstausgabe der satirischen Schrift, in welcher der deutsche Schriftsteller und Komponist Johann Beer (1655-1700) französische Modetorheiten und die deutschen Versuche, sie zu imitieren, verspottet. Im VD 17 bislang nur ein nicht vollständiges Exemplar nachgewiesen.
  • Caspar Plautz: Extract und Augßzug [!] Der grossen un[d] wunderbarlichen Schifffarth/ Buelii Cataloni. Linz 1624.
    Bislang unbekannte Druckvariante der deutschen Übersetzung der Nova Typis transacta navigatio von Caspar Plautz (1556-1627) aus dem Jahr 1624. Beschrieben wird die Missionierung Amerikas durch die Benediktiner auf der zweiten Reise von Christoph Columbus. Die abenteuerlichen auf Tatsachen und Fiktion basierenden Geschichten, illustriert in Kupferstichen von Wolfgang Kilian, liefern eine Fülle kultur- und naturgeschichtlicher Informationen über die Karibik.
  • Johann Scheffler: Bonamici Advocat Wieder den sogenannten Peregrin Rechtsohn […] Ist eine Erläuterung vieler Glaubens-Scrupel so wol den Catholischen als Uncatholischen dienlich. Glatz 1676.
    Seltene Streitschrift von Johann Scheffler (1624-1677). Der zum katholischen Glauben konvertierte, aus Breslau stammende Scheffler brachte eine Fülle solcher Werke im Kampf gegen den seiner Meinung nach erstarrten Protestantismus hervor. Diese Kontroversschrift bislang ohne Nachweis im VD 17.

1701-1800 SUB Göttingen

  • Erworben werden konnten zwei Einzelhefte – weitere Jahrgänge sind in beiden Fällen nicht erschienen – von jeweils äußerst seltenen Zeitschriften des späten 18. Jahrhunderts. Beide Zeitschriften sind nicht im KVK nachgewiesen:
  • [Anonym:] Journal für junge Leute. Augsburg 1791.
  • [Anonym:] Stralsundsches Wochenblatt. Stralsund 1780.
  • Carcastro d’Oros: Die Neueste Entdeckung Wie und auf was Art man im Lotto-Spiel sein Glück Oder Unglück Eingermassen einsehen […] könne. [Ohne Ort] 1764.
    Der Verfasser dieser in keiner anderen Bibliothek nachweisbaren kleinen Schrift legt dar, dass es sinnlos sei, die richtigen Zahlen beim Glücksspiel durch Träume, Sterndeutung, Kartenlegen oder gar durch das Werfen von Geldstücken in einen Wunschbrunnen zu ermitteln. Die einzig richtige Methode zur Ermittlung der Glückszahlen sei nämlich die „alt-hergebrachte Art der Caballistischen Ausrechnung“, die der Autor dann mit zahlreichen Beispielen ausführlich erläutert.
  • Hans Caspar Fries: Instituens Arithmetica Tigurina, oder Selbst lehrende Rechen-Kunst, Zürich 1702.
    Das kleine praktische Rechenbuch des Züricher Kaufmanns Hans Caspar Fries war bislang nur in einer Schweizer Bibliothek nachgewiesen.

1801-1870 UB Frankfurt

  • Jacob Grimm und Wilhelm Grimm: Kinder- und Haus-Märchen / gesammelt durch die Brüder Grimm. Kleine Ausg. [ohne Ill.], Berlin 1825.

    Laut Auktionskatalog „bibliographisch nicht nachweisbare Druckvariante“ der ersten Ausgabe der sog. Kleinen Ausgabe ohne Illustrationen. Ein Kuriosum, denn eigentlich sollte diese Ausgabe auf Wunsch der Brüder Grimm ausdrücklich mit Abbildungen erscheinen, war doch der reich illustrierten englischen Ausgabe ein großer Erfolg beschieden.

  • Carl Wilhelm Gropius, George Gropius und Ferdinand Gropius: Masken-Anzüge zu Polter-Abenden und Bällen. Eine Folge origineller Kostüme, Berlin 1831.

    Die Gebrüder Gropius, allesamt Maler, Verleger, Buch- und Kunsthändler, prägten über Jahrzehnte das Berliner Kulturleben. Nicht nur die ausgefallenen Verkleidungen sind in diesem Band beeindruckend originell, auch die Art und Weise, wie diese präsentiert werden: Eine lithografierte Tafel in leuchtendem Kolorit zeigt die perfekte Ausführung des Kostüms, ergänzt durch eine zweite Tafel, auf der die zugrunde liegende Konstruktion zu sehen ist.

  • Neue Experimente des Herrn Garnerin: mit gnädigster Erlaubniß; den 15ten September auf der Pfingstweide um halb 7 Uhr = Nouvelles experiences de Mr. Garnerin, [Frankfurt am Main] 1805. Einblattdruck.

    Der Einblattdruck, der wahrscheinlich auch als Plakat Verwendung fand, lädt für den 15. und 16. September 1805 zur Vorführung einer Ballonfahrt des französischen Luftfahrtpioniers André Jacques Garnerin (1769-1823) auf die Frankfurter Pfingstweide ein und stellt eine willkommene Ergänzung der etwa 2.600 Bände umfassenden Luftfahrtsammlung der UB Frankfurt am Main dar.

1871-1912 SBB-PK Berlin

  • Der Zauberkünstler. Monatsschrift für Salon-Magie und alle verwandten Fächer. Zeitschrift für Künstler und Dilettanten, Altona a/d Elbe 1897.

    Trotz des damals blühenden Zaubergewerbes ist nur dieses eine Heft erschienen, das bisher in der ZDB nicht nachgewiesen war. Es ergänzt hervorragend die bereits vorhandene Sammlung von Zauberliteratur aus dem SDD-Zeitraum.

  •  Reisen in die fünf Weltteile [Kartenspiel], Nürnberg 1804.

    Johann Georg Klinger ist in der Kartographie vor allem durch seine Globen bekannt, war aber auch in der Spielzeugproduktion tätig. Das hier angesprochene Spiel besteht aus einer Kombination von kleinen Kontinentkarten, mehreren Kärtchen mit Volkstypen der Kontinente und einem Spielplan. Zudem publizierte Klinger ein kleines Begleitheft von 114 Seiten, in dem alle Darstellungen erläutert werden. Das Spiel zeigt, wie durch die Reisen von James Cook und die Werke von Georg Forster und anderen der Blick des gebildeten Publikums nun auf die ganze Welt gerichtet ist.Entzückende Kleinigkeiten, die tatsächlich ins Portemonnaie passen, sind Fromme's Wiener Portemonnaie-Kalender, hier konnten die Jahrgänge 1876 und 1880 erworben werden.

Notendrucke von 1801 bis 1945

  • Partiturerstausgabe der als „Bauernkantate“ bezeichneten weltlichen Bachkantate "Mer hahn en neue Oberkeet" (BWV 212).
    Das vom ersten Kustos der Berliner Musikabteilung Siegfried Wilhelm Dehn (1799-1858) herausgegebene Werk war bisher ein empfindlicher Kriegsverlust innerhalb des historischen Notenbestandes.

1913ff. DNB

Exil-Sammlungen 1933-1945:

  • Erich Kästner: Der tägliche Kram. Chansons und Prosa 1945-1948 - 1.-6. Tsd., Zürich 1949.
    Der Buchumschlag wurde von Kästners langjährigem Illustrator, Walter Trier (1890-1951), gestaltet, der 1936 mit seiner Familie in London Zuflucht vor der nationalsozialistischen Verfolgung fand.

Deutsches Musikarchiv:

  • Schellackplatten aller Musikrichtungen und Kleinkunst aus dem Zeitraum 1897 bis zum Ende der Schellackära 1958, darunter sehr seltene Exemplare und Einzelstücke seltener Labels.

Grafische Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums

  • Entwürfe von Frank Hugo, 1918, Aquarellierte Federzeichnungen über Bleistift. Zwei Karikaturen für die "Meggendorfer Blätter". Dort erschienen unter den Titeln: "Zu genau" und "Normaler Verbrauch".
  • Plakat Leipziger Reklamemesse 1920, Farblithographie, Aktiengesellschaft für Kunstdruck.
  • Plakat "SCHILLER´S DEUTSCHE SENDUNG", Ludwig Hohlwein, 1934, Farblithographie, Chromolithographische Kunstanstalt AG, München.

Erschließung

Die SDD-Neuerwerbungen, Originale wie Reproduktionen und Digitalisate von Ausgaben der jeweiligen Zeitsegmente, werden stets in den Datenbanken der Bibliotheksverbünde nachgewiesen und in die lokalen OPACs der beteiligten Bibliotheken übernommen. Zeitschriften und Schriftenreihen werden in der ZDB nachgewiesen. Damit stehen diese Titelaufnahmen über das Internet weltweit zur Verfügung. Eine wesentliche Ergänzungen stellt die zusätzliche Meldung der Neuzugänge in fachspezifischen Datenbanken dar: Inkunabeln werden im BSB-Inkunabelkatalog 1 , im Inkunabel-Census für die Bundesrepublik Deutschland des 15. Jahrhunderts 2 bzw. auch im Incunabula Short Title Catalogue (ISTC) 3 verzeichnet. Die Drucke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts sind in den entsprechenden nationalbibliografischen Verzeichnissen VD 16 4, VD 17 5 und VD 18 6 nachgewiesen. Die Erschließung der Musikdrucke erfolgt zusätzlich im Répertoire International des Sources Musicales 7, die bibliografischen Daten von Karten und Atlanten der SBB-PK fließen in die IKAR-Altkartendatenbank (Landkartendrucke vor 1850) 8 ein, Globen werden in die virtuelle Globensammlung der KTA aufgenommen und dort auch bildlich dargestellt.
Alle Neuerwerbungen des Zeitraums 1450–1600 werden in die Datenbank des Bibliotheksverbund Bayern B3Kat eingearbeitet. Die Einblattdrucke der BSB, die bislang in einer eigenen, nach Ablauf des DFG-Projekts nur noch wenig erweiterten und technisch nicht mehr weiter entwickelten SISIS-Datenbank zu Einblattdrucken vorlagen, wurden im Berichtsjahr ebenfalls in den Verbundkatalog B3Kat eingespielt. Dabei wurden die in der eigenen Datenbank vorhandenen, nicht vollständig in das Datenformat des Verbundkatalogs überführbaren ausführlichen Beschreibungen stets als pdf-Dateien bei der Aufnahme angereichert. Sie sind nun mit weiteren Aufnahmen für Einblattdrucke, vor allem auch vollständig mit den Erwerbungen der letzten zehn Jahre zusammen nachgewiesen. Die zum Zeitraum 1601–1700 erworbenen Titel werden zunächst in der VD 17-Datenbank nach dem Standard der nationalbibliographischen Aufnahmen erschlossen und dann per Skript in den GBV übertragen. Der Umstieg im GBV auf RDA erfolgte im Januar 2016, bis zur Einführung der RDA im VD 17 erfolgt die primäre Katalogisierung der SDD-Neuerwerbungen in der VD 17-Datenbank weiterhin nach RAK-WB. Für die Erstellung der elektronischen Neuerwerbungsliste 9 wurde zusammen mit dem GBV ein neues Verfahren entwickelt. Damit einher geht auch ein verbessertes Layout. Das Update findet zwei- bis dreimal im Jahr statt. Die Erwerbungen aus dem Zeitraum 1701–1800 sind im GBV nachgewiesen und zu einem großen Teil mittlerweile auch im VD 18 digital verfügbar. Die zu dem zeitlichen Abschnitt 1801–1870 erworbenen Titel werden im HEBIS-Verbundsystem erfasst. Seit 2004 lassen sich jeweils rücklaufend monatliche fachspezifische Neuerwerbungslisten aufrufen 10. Bei monographischen Neuerwerbungen, die dies unter Gesichtspunkten der Bestandserhaltung zulassen, werden Titelblatt und – sofern vorhanden – Inhaltsverzeichnis gescannt und als Kataloganreicherung im OPAC mit angezeigt. Bei den Erwerbungen aus der Zeit 1871–1912 werden in der SBB die Daten zu Verlagseinbänden erfasst. Eine Sammlung grundlegender Informationen wie Buchbindereien, Materialien und Gestaltungsdetails erfolgt mittlerweile im Erwerbungsgeschäftsgang im Bibliothekskatalog auf Exemplarebene. Bisher wurden ca. 2.600 Verlagseinbände erfasst 11. Darüber hinaus werden in einem Wiki detailliert Verlagseinbände erfasst und mit Abbildungen dokumentiert 12. Die Daten sind sowohl für die Einbandforschung als auch für die Bestandserhaltung von Interesse, denn in der SBB werden auch industriell gefertigte historische Verlagseinbände umfassend erhalten. Insbesondere für den SDD-Bereich ist die Überlieferung des gesamten Produkts "Buch" – also auch dessen Einband – von Bedeutung. Die aktuell erworbenen und katalogisierten Titel im Bereich Kinderbuch können auf der Homepage der Abteilung in der Rubrik "Recherche und Ressourcen" unter "Neuerwerbungen" 13 eingesehen werden.
In der DNB erfolgen die Erschließung und der Nachweis des Neuzugangs sowie der retrospektiven Erwerbungen im PICA-ILTIS-System. Ein zentraler und einheitlicher Zugang zu allen Beständen und Dienstleistungen der DNB besteht über das Portal der Bibliothek. Der Katalog wird ständig weiter entwickelt, um die Recherche zu optimieren und weitere Serviceleistungen anzubieten 14. Die seit mehreren Jahren von der DNB betreute Einführung des internationalen Erschließungsstandards Resource Description and Access (RDA) im deutschsprachigen Bibliothekswesen erreichte mit dem Ende des Jahres 2015 seinen vorläufigen Abschluss. Alle Partner haben begonnen, ihre Erschließung auf den neuen Standard umzustellen. Der erste RDA-Datensatz in der Deutschen Nationalbibliothek wurde pünktlich am 1. Oktober 2015 erfasst und eröffnete die im Zeitplan vereinbarte dreimonatige Übergangsphase bis zum 1. Januar 2016. Dem Umstiegsprozess voraus ging eine breit aufgestellte und sehr aufwendige Schulungsphase. Im Sommer 2015 wurden bei fast allen Projektpartnern die Schulungen der RDA-Trainerinnen und -Trainer durchgeführt. Alle Arbeits- und Schulungsunterlagen wurden für den Schulungszeitraum stabil gehalten und werden erst im Jahr 2016 aktualisiert. Bereits im ersten Implementierungsschritt konnten Vereinbarungen zu Sondermaterialien getroffen und in eigenen Schulungsunterlagen umgesetzt werden. Es sind dies die Bereiche Musik, Karten, juristische und religiöse Schriften und Alte Drucke. Die Planungen für die Weiterarbeit mit und am Standard RDA haben begonnen. Hierzu gehören zurückgestellte Aufgaben aus dem Implementierungsprojekt, aber auch Daueraufgaben wie die Regelwerksbetreuung und -weiterentwicklung sowie die Mitarbeit in den internationalen Gremien.

Digitalisierung

Die BSB führt kontinuierlich die digitale Bereitstellung von Drucken des 15. und 16. Jahrhunderts weiter. Die Digitalisate der Inkunabelausgaben werden sowohl im Bibliotheksverbund Bayern B3Kat und im lokalen Katalog der BSB nachgewiesen, darüber hinaus in Europeana, der DDB und zvdd. Die Digitalisierung der im VD 16 nachgewiesenen Drucke befindet sich in der Schlussphase. Sie wird in der BSB betreut und unter steter Verbesserung des objektbezogen optimalen technischen Verfahrens und in Zusammenarbeit mit Google fortgeführt. Hier ist vor allem die Volltextgenerierung durch Google zu erwähnen, aber auch die von der BSB angebotene Bildähnlichkeitssuche. URN und URL der Digitalisate (jeweils mit der Angabe der Bibliothek sowie der Signatur als Hinweis auf die exemplarspezifischen Besonderheiten) sind im VD 16, im Bayerischen Verbundkatalog B3Kat und im lokalen Katalog der BSB verzeichnet. Über die VD 16-Nummer werden auch Digitalisate anderer Projekte und Bibliotheken kontinuierlich ergänzt. Mit Abschluss des Projekts Ende 2015 enthalten über 42.000 VD 16-relevante Titel Links auf Digitalisate.

Die HAB engagiert sich bei den verschiedenen, meist DFG-geförderten Projekten und in Eigenleistung besonders in der Digitalisierung von Drucken des 17. Jahrhunderts. Die Daten werden über verschiedene Portale wie das zvdd, das VD 17 und den GBV nachgewiesen und können über eine OAI-Schnittstelle 15 heruntergeladen werden. Mittlerweile sind rund 2.000 SDD-Erwerbungen innerhalb der diversen Digitalisierungsprojekte der HAB 16 digitalisiert. Mit den 2012 begonnenen von der DFG geförderten Digitalisierungsprojekten der im VD 17 nachgewiesenen Werke ("Mainstream-Literatur", "Unica") wird die Digitalisierung der SDD-relevanten Werke zügig vorangehen.

Ein großer Teil der Erwerbungen aus dem Zeitraum 1701–1800 sind aufgrund der Teilnahme der SUB Göttingen am VD 18 bereits online verfügbar: Bis Ende 2015 wurden etwa 6.000 der insgesamt knapp 17.500 seit 1990 erworbenen Drucke digitalisiert und können nun online eingesehen oder heruntergeladen werden.

In der UB Frankfurt am Main wurde im Juni 2015 damit begonnen, die SDD-Neuzugänge vollständig digital zu erschließen und frei im Netz verfügbar zu machen. Im Rahmen des Webangebots "Digitalisierte Dokumenten und Sammlungen der Universitätsbibliothek Frankfurt, das auf der Visual Library (VL)-Plattform der Firma semantics basiert, wurde für SDD eine eigene Präsenz 17 eingerichtet, die den gängigen VL-Recherchekomfort bietet. Bis Mitte März 2016 wurden insgesamt 617 Titel digitalisiert. Die sukzessive retrospektive Digitalisierung des vor 2015 erworbenen SDD-Bestands wurde inzwischen ebenfalls in die Wege geleitet.

Da sich die SBB PK umfänglich an den Digitalisierungsprojekten VD 16-18 beteiligt, ist eine großflächige Digitalisierung in ihrem eigenen SDD-Segment ebenso wie aus urheberrechtlichen Gründen nicht darstellbar und findet lediglich punktuell statt (Digital on demand und Schutzdigitalisierung).

In der DNB erfolgt die Digitalisierung von Beständen vorwiegend nach den Kriterien der Bestandserhaltung oder um vergriffene Werke bereitzustellen, die vor 1966 erschienen sind. Alle Digitalisierungsaktivitäten basieren auf der Digitalisierungsstrategie der Deutschen Nationalbibliothek 18. Von den zahlreichen Aktivitäten der DNB im digitalen Bereich können an dieser Stelle nur in Auswahl einzelne im SDD-Kontext einschlägige Maßnahmen und Projekte erwähnt werden. So wurden seit 2012 mehr als 400.000 Audio-CDs des Deutschen Musikarchivs in ein sicheres Massenspeicherumfeld migriert. Die Digitalisierung der Frankfurter und Leipziger Fortsetzungskarteien der DNB konnte abgeschlossen und damit die Informationen der vier zerfallsgefährdeten Karteien digital gesichert werden: Auf 620.000 Karten mit 1,24 Mio. Seiten sind alle in der DNB eingegangenen Einzellieferungen von Zeitschriften und Zeitungen von 1913 bis 1996 verzeichnet. Im Juli 2015 wurde der Dienst zur Recherche und Lizenzbeantragung für vergriffene Monografien produktiv. Bis zum Jahresende hatten sich neben der DNB zwölf weitere Institutionen für VW-LiS registrieren lassen. Vier von diesen stellten in diesem Zeitraum insgesamt 931 Lizenzanträge. Die DNB beantragte Lizenzen für 500 Titel aus den Sammlungen Deutsches Exilarchiv 1933 - 1945, Erster Weltkrieg sowie dem Projekt Digitalisierung beschädigter Medien, die nach Verstreichen der sechswöchigen Widerspruchsfrist für alle 500 Titel erteilt wurden. Somit wurden 2015 insgesamt 1.431 Lizenzen bei der VG WORT beantragt, 1.408 Lizenzen wurden bis zum 31. Dezember erteilt. Der Zuwachs im Bereich der Sammlung von Netzpublikationen ist nach wie vor auf einem stabilen hohen Niveau. Die Gesamtzahl lag Ende 2015 bei über 2,1 Mio. Einheiten. Im Rahmen der Pflichtablieferung von Netzpublikationen wurden auch erstmals Digitalisate einer anderen Institution übernommen, die Sammlung Ponickau der ULB Halle mit 10.351 Werken und insgesamt 8 TB Datenvolumen. Damit sollen u. a. Erfahrungen für einen künftigen Workflow gewonnen werden. Das Projekt zur Sammlung layoutgetreuer, elektronischer Ausgaben gedruckter Tageszeitungen konnte 2015 weitergeführt werden. Derzeit werden rund 1.200 Titel gesammelt und damit mittlerweile alle E-Paper, die in Deutschland im PDF-Format erscheinen. Nur noch rund 70 Zeitungen im Bundesgebiet bieten kein solches digitales Äquivalent. Der Bestand wächst jährlich um etwa 350.000 Ausgaben mit etwa 15 Millionen Seiten und sieben Terabyte Datenvolumen. Ende 2015 waren etwa 980.000 E-Paper-Ausgaben über den Katalog recherchierbar und in den Lesesälen abrufbar.

Bestandserhaltung

Die an der Arbeitsgemeinschaft beteiligten Bibliotheken sorgen in der notwendigen Breite für bestandserhaltende Maßnahmen an den erworbenen Originalwerken aus den verschiedenen Epochen. Die Werkstätten für Restaurierung und Bestandserhaltung in den Einrichtungen begutachten und betreuen die erworbenen Materialien. Neben restauratorischen Maßnahmen wird etwa durch das Einbringen von Drucken in geeignete Schutzbehältnisse aus konservatorischer Sicht Vorsorge betrieben.
Die dauerhafte Sicherung der im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags gesammelten Materialien ist für die Deutsche Nationalbibliothek eine Aufgabe von grundlegender Bedeutung und daher in der gesetzlichen Grundlage explizit verankert. Ziel ist neben der eigentlichen Bewahrung der Objekte immer auch die Gewährleistung ihrer dauerhaften Nutzbarkeit. Maßnahmen der Bestandserhaltung beziehen sich auf die Erhaltung der Unversehrtheit der vorhandenen Medienwerke und Sammlungen. Ein großer Fokus der Bestandserhaltung liegt in präventiven Mengenverfahren. So konnte die Massenentsäuerung nach einer Ausschreibung neu beginnen, im Berichtsjahr wurden ca. 13 Tonnen Bibliotheksgut (ca. 34.273 Bände) entsäuert. Ein weiterer Aspekt der Bestandserhaltung sind systematische konservatorische Sicherungsmaßnahmen an verschiedenen Bestandsgruppen mit unterschiedlichen Schadensbildern, die in der Konservierungswerkstatt der DNB durchgeführt wurden. Ein besonderes Projekt, das in Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister durchgeführt wurde, war die Konservierung des Koffers Walter Meckauers, die auch ein großes Medieninteresse weckte. Der jüdische Schriftsteller hatte seinen Koffer mit Kurzgeschichten auf seinen Exil-Stationen mitgenommen. Dieser wurde mitsamt den Schriftstücken dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 überlassen. Im Rahmen einer Modellprojektförderung durch die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes konnte dieses außergewöhnliche Stück mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kulturstiftung der Länder für die Nachwelt erhalten werden.


Benutzung und Öffentlichkeitsarbeit

Die von der AG SDD angeschafften Originale werden im Rahmen der Benutzungsordnung der jeweiligen besitzenden Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Besondere Neuerwerbungen werden über die Website der AG SDD (www.ag-sdd.de) vorgestellt. Die erworbenen seltenen Originale werden regelmäßig auch in Ausstellungen der beteiligten Bibliotheken und auch anderer Einrichtungen präsentiert. So wurde beispielsweise die Ausstellung "Form folgt Fuß. Georg Herrmann von Meyer (1815-1892) und die Schuhreform" im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt von der UB Frankfurt am Main mit SDD-Leihgaben unterstützt. Zahlreiche SDD-Erwerbungen der SBPK waren im Rahmen der Ausstellung "Das Kinderbuch erklärt den Krieg. Der Erste Weltkrieg in Kinder- und Jugendbüchern" im Museum Schloss Corvey (April bis Juli 2015) und in der Stadtbibliothek Haltern (November 2015 bis Januar 2016) zu sehen.
In der DNB fanden zum Kontext der AG SDD folgende Ausstellungen statt:

  • "… mehr vorwärts als rückwärts schauen …" – Das deutschsprachige Exil in Brasilien 1933–1945 // "… olhando mais para frente do que para trás …" – O exílio de língua alemã no Brasil 1933–1945. Eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek, 20. Februar – 30. April 2015
  • "Wir brauchen einen ganz anderen Mut!" Stefan Zweig – Abschied von Europa. Das Deutsche Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek präsentiert eine Ausstellung des Österreichischen Theatermuseums Wien. Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main, 24. November 2015 – 24. März 2016

Die an der Arbeitsgemeinschaft beteiligten Bibliotheken berichten auch regelmäßig in Publikationen und auf Veranstaltungen über den Fortgang der Erwerbungen und die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft. Dazu gehörten im Jahr 2015 folgende Aktivitäten:

  • Im Januar 2015 fand im Rahmen der Werkstattgespräche der HAB unter dem Titel "Neue Bücher für die alte Sammlung" eine Informationsveranstaltung zu den Aufgaben der AG SDD und dem Fortgang der Erwerbungen speziell zum 17. Jahrhundert statt.
  • "Wir letzten Kinder Ostpreußens. Zeugen einer vergessenen Generation". Buchvorstellung mit Freya Klier. In Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main, 27. Februar 2015
  • "An allen Fronten. Die Kriegskorrespondentin Erika Mann", Vortrag von Irmela von der Lühe, Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main, 16. Juni 2015
  • Tag der Musik des Deutschen Musikrates: "Erbe schützen – Vielfalt erleben – Zukunft bauen". Führungen im Deutschen Musikarchiv. Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig, 21. Juni 2015
  • Gesprächsrunde der Referenten und Referentinnen der AG SDD mit Vertretern antiquarischer Verbände im September 2015 in Frankfurt am Main. Zu den Themen gehörten Verbesserungen im gemeinsamen Geschäftsverkehr und aktuelle Fragen zur antiquarischen Erwerbung (Kulturgutschutz etc.).

Publikationen

  • Claudia Bubenik: Es gibt immer noch ein Buch… . Die Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke feiert ihr 25-jähriges Jubiläum mit einem Festakt und einer Ausstellung in der Schatzkammer der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bibliotheksforum Bayern 1 (2015), S. 52-55
  • Claudia Bubenik: "Happy Birthday SDD!" 25 Jahre Sammlung Deutscher Drucke. In: Bibliotheksmagazin 1 (2015), S. 44-49
  • Den Krieg sammeln – Die Weltkriegssammlung 1914/18 der Deutschen Nationalbibliothek [Elektronische Ressource]. Im Auftrag der DNB erstellt von Johannes Jacobi und Yvonne Jahns. – Erweiterte und korrigierte Fassung, Stand: 30. Nov. 2015. – Leipzig ; Frankfurt am Main DNB 2015 urn:nbn:de:101-2015111600
  • Christian Rau: Nationalbibliothek im geteilten Deutschland [Elektronische Ressource]. Eine Projektskizze zur Erforschung der Geschichte der Deutschen Bücherei in der SBZ/DDR (1945 – 1989/90 ; die Deutsche Bücherei und die SED: Selbstbehauptung oder Verflechtung? In: Dialog mit Bibliotheken 27 (2015) 2, S. 38-41. – urn:nbn:de:101-20151001234
  • Petra Feuerstein-Herz: Original oder digitale Kopie? Antiquarische Bestandsergänzung und universaler Sammelauftrag in digitalen Zeiten. In: Aus dem Antiquariat (N.F. 13 (2015) Nr. 5, S. 201-206).

Die Verfasserin:

Dr. Petra Feuerstein-Herz ist Leiterin der Abteilung Alte Drucke, Herzog August Bibliothek, 38324 Wolfenbüttel, Tel.: 05331 808 324, E-Mail: feuerstein@hab.de

Anmerkungen

1 http://www.bsb-muenchen.de/index.php?id=181&type=0
2 http://www.bsb-muenchen.de/index.php?id=789&type=0
3 http://www.bl.uk/catalogues/istc/index.html
4 http://www.bsb-muenchen.de/literatursuche/spezialbestaende/alte-und-seltene-drucke/16-jahrhundert-vd-16/
5 http://www.vd17.de/index.php?article_id=0&wWidth=1008&wHeight=900
6 http://vd18.de/
7 http://opac.rism.info/
8 http://ikar.staatsbibliothek-berlin.de/
9 http://dbs.hab.de/sdd/sddlist.htm
10 http://www.ub.uni-frankfurt.de/ne/fachlist.html?print=no&tf=99&monat=00000&fach=sdd
11 http://sbb.berlin/7mujfa
12 http://einbandforschung.gbv.de/Verlagseinband
13 http://staatsbibliothek-berlin.de/die-staatsbibliothek/abteilungen/kinder-und-jugendbuecher/recherche-und-ressourcen/neuerwerbungen/
14 https://portal.dnb.de/opac.htm
15 Vgl. http://oai.hab.de/?verb=Identify
16 http://hab.de/de/home/bibliothek/digitale-bibliothek-wdb.html
17 http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/sdd
18 http://www.dnb.de/digitalisierungsstrategie

Letzte Änderung: 17.03.2017

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