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Gemeinsamer Jahresbericht der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke für das Jahr 2007

Im Gegensatz zu anderen Ländern verfügt Deutschland über keine in Jahrhunderten gewachsene Nationalbibliothek, die das deutsche Schrifttum umfassend sammelt. Die heutige Deutsche Nationalbibliothek begann ihre Sammeltätigkeit erst 1913. Um diese historisch bedingte Lücke zu schließen, übernehmen seit 1989 die folgenden Bibliotheken in der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) die Aufgaben einer Nationalbibliothek für jeweils ein bestimmtes Zeitsegment:

1450-1600Bayerische Staatsbibliothek, München (BSB)
1601-1700Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel (HAB)
1701-1800Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB)
1801-1870Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt/Main (UB Frankfurt)
1871-1912Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (SBB-PK)
Ab 1913Deutsche Nationalbibliothek (DNB)

Diese sechs Bibliotheken bilden somit gemeinsam eine verteilte Nationalbibliothek. Jede der Partnerbibliotheken erwirbt die in Deutschland erschienene bzw. deutschsprachige Literatur in ihrem Zeitsegment, erschließt sie und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Letzteres geschieht in zunehmendem Maße auch online durch Digitalisierungsprojekte. Seit 01.04.2005 führt die AG SDD zusammen mit dem HBZ und der Verbundzentrale des GBV das DFG-Projekt Zentrales Verzeichnis Digitaler Drucke (ZVDD) durch. Auf dieses Projekt soll jedoch im Rahmen eines Abschlussberichts an anderer Stelle eingegangen werden.

In den Jahren 2006 und 2007 hatte die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen den Vorsitz in der AG SDD. Turnusgemäß wechselte dieser am 01.01.2008 zur UB Frankfurt. Dieser Bericht wurde durch die UB Frankfurt erstellt und basiert auf den Jahresberichten der sechs Partnerbibliotheken. Da für das Jahr 2006 kein gemeinsamer Jahresbericht veröffentlicht wurde, fließen hier auch die Zahlen von 2006 ein.

Herausragendes Ereignis: Königliche Gartenbibliothek zu Herrenhausen

Das herausragende Erwerbungsereignis des Jahres 2007 war der gemeinsame Ankauf der Königlichen Gartenbibliothek zu Herrenhausen durch die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (Frankfurt/M.), die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (Hannover) und die Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Weimar).

Die königliche Gartenbibliothek ehemals zu Schloss Herrenhausen bei Hannover stammt ursprünglich aus dem welfischen Königshaus und sollte im Oktober 2005 auf einer Auktion bei Reiss in Königstein versteigert werden. Ihr Gesamtwert wurde auf 3,3 Mio EUR geschätzt. Die Gartenbibliothek enthält Werke vom 17.-20. Jahrhundert mit einem deutlichen Schwerpunkt auf dem späten 18. und 19. Jahrhundert. Inhalt ist Literatur zu Botanik und Gartenbau.

Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst bat das Land Hessen 2005 um Amtshilfe, damit diese kulturhistorisch einmalige Sammlung nicht durch eine Auktion zerschlagen werde. Der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst ließ daraufhin die Sammlung auf die »Blaue Liste« des schützenswerten nationalen Kulturgutes setzen. Danach sagte das Auktionshaus Reiss die bereits fest geplante Versteigerung ab. Die Gartenbibliothek sollte zwischen Hannover und Frankfurt als Sondersammelgebietsbibliothek für Botanik und SDD-Bibliothek für 1801-1870 aufgeteilt werden. Da die notwendige Summe aber von Frankfurt nicht allein aufgebracht werden konnte, wurde auch Weimar am Ankauf beteiligt.

Die Herrenhäuser Gartenbibliothek wurde damit auf drei Standorte verteilt: Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (Hannover) übernahm die Unikate und Druckwerke mit eindeutigem Bezug zu Hannover. Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (Frankfurt) erwarb Druckwerke mit dem Schwerpunkt Botanik. Knapp die Hälfte der Titel fällt dabei auch in den SDD-Sammlungszeitraum 1801-1870. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Weimar) kaufte Druckwerke, die in ihr Sammlungsprofil nach den Brandverlusten passten. Damit blieb die Herrenhäuser Gartenbibliothek vollständig der Öffentlichkeit erhalten.

Von den insgesamt 742 Nummern des Auktionskatalogs wurden 362 von der UB Frankfurt erworben. Dies entspricht 405 Titeln und 926 physischen Einheiten für einen Gesamtwert von 1,21 Mio EUR. Diese konnten weitgehend durch die Einwerbung von Drittmitteln aufgebracht werden. Es beteiligten sich: Hessische Kulturstiftung, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Landesbank Hessen-Thüringen, Polytechnische Gesellschaft e.V., Stiftung der Polytechnischen Gesellschaft, Stadt Frankfurt am Main und die Kulturstiftung der Länder.

Da es sich bei dem Vorgang des Ankaufs der Herrenhäuser Gartenbibliothek um einen einmaligen Vorgang handelt (für die UB Frankfurt der größte Ankauf einer Teilsammlung seit mehr als 100 Jahren) wurden die Ausgaben und Zugänge im Sinne der Vergleichbarkeit mit den Vorjahren bei den folgenden Zahlen zur Sammlung Deutscher Drucke nicht berücksichtigt.

Finanzielle Situation

Tab. 1: Übersicht der Erwerbungsausgaben 2006 und 2007 in EUR

2007

2006

BSB München168.942159.673
HAB Wolfenbüttel162.774172.367
SUB Göttingen143.118144.102
UB Frankfurt104.99471.790
SBB-PK Berlin110.42286.066
DNB124.84387.115
Summe815.093721.113

In der BSB München war der Etat 2006 für die Erwerbungen im Bereich Sammlung Deutscher Drucke (SDD) gegenüber dem Vorjahr empfindlich gekürzt worden (2005: 253.169 EUR). 2007 konnte durch interne Umschichtungen im Bereich Handschriften und Altes Buch wieder mehr in SDD-Erwerbungen investiert werden.

Die Erwerbungsmittel der HAB Wolfenbüttel für SDD wurden jährlich weiter gekürzt. Dies spiegelt die Reduktion des Gesamtetats der HAB wider. Daraus ergibt sich das Problem, dass hochpreisige Titel im Zeitsegment 1601-1700 nur noch in Einzelfällen berücksichtigt werden können. Außerdem wurde mit weniger als 400 erworbenen Titeln für das 17. Jahrhundert ein Tiefststand im Zugang seit Bestehen der AG SDD erreicht.

Trotz angespannter Gesamthaushaltslage blieb der SDD-Erwerbungsetat der SUB Göttingen mit 150.000 EUR stabil.

An der UB Frankfurt stand 2006 bis zum Sommer nur ein geringer Teil des Etatansatzes zur Verfügung, der dann mehrfach aufgestockt wurde. Dies führte dazu, dass zum Ende des Jahres 2006 nicht mehr alles verausgabt werden konnte. Der Restbetrag wurde in das Berichtsjahr 2007 übertragen. In 2007 erfolgte die endgültige Etatzuweisung wesentlich früher, was die Situation deutlich verbesserte. Neben den Mitteln für Erwerbung wurden weitere 16.418 EUR für die Bestandserhaltung ausgegeben. Der Etat für SDD erreichte damit den höchsten Stand seit der Zusammenlegung von Stadt- und Universitätsbibliothek mit der Senckenbergischen Bibliothek zur Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg am 1.1.2005.

Für die SBB-PK kam es 2006 durch eine verspätete Verabschiedung des Bundeshaushalts zu einem mehrmonatigen Bestellstopp. Trotzdem gelang es letztlich ebenso viele Einheiten wie im Vorjahr zu erwerben. Im Berichtsjahr 2007 waren höhere Ausgaben möglich (+28,3%), da sich die Karten- und die Musikabteilung wieder verstärkt auf das Erwerbungsgeschäft konzentrieren konnten. Dafür sanken sie im Bereich Historische Drucke in Folge der internen Reorganisation etwas ab.

Bei der DNB erfolgen Ausgaben nur für Lückenergänzungen vor 1993 und Ergänzungen der Exilsammlungen. Die Ausgaben richten sich hier vorrangig nach dem Angebot.

Wie in den Vorjahren zeigt sich, dass die durchschnittlichen Ausgaben pro bibliographische Einheit (BE) umso höher sind, je weiter man in die Vergangenheit zurückgeht (s. Tab. 2). Die durchschnittlichen Ausgaben liegen dabei meist deutlich unter dem Durchschnittspreis antiquarischer Käufe, da die Partnerbibliotheken eher im kostengünstigeren Preissegment erwerben.

Tab. 2: Übersicht über die durchschnittlichen Ausgaben je Bibliografischer Einheit (BE) in EUR

2007

2006

2005

BSB München9039621.180
HAB Wolfenbüttel419380345
SUB Göttingen346375348
UB Frankfurt126136149
SBB-PK Berlin1007682
DNBk.A.k.A.k.A.

Im Zeitraum der SBB Berlin stiegen die durchschnittlichen Ausgaben zwar an, blieben aber unter denen von Frankfurt. Der zu beobachtende starke Preisanstieg im Bereich der Karten im antiquarischen Handel hält weiterhin an (496,36 EUR/BE). Die durchschnittlichen Ausgaben für den Zeitraum 1801-1870 blieben relativ gering, was am mehrfachen kostengünstigen Einkauf von Konvoluten lag. Für das 18. Jahrhundert blieben die durchschnittlichen Ausgaben relativ stabil, was aber eher an der Auswahl der Erwerbungen als am Angebot lag. Die Ausgaben je bibliographischer Einheit stiegen dagegen in der HAB Wolfenbüttel weiter an, was bei der insgesamt teilweise starken Preissteigerung für alte Drucke des 17. Jahrhunderts unvermeidbar ist. Auf Grund des geschrumpften Erwerbungsetats können hier nicht mehr alle hochpreisigen Angebote erworben werden. Für das 15./16. Jahrhundert sind die durchschnittlichen Ausgaben am höchsten und es kommt hinzu, dass die Palette an passenden Angeboten für das 15. Jahrhundert bei relativ hohen Preisen außerordentlich schmal ist.

Erworben wird auf Buchauktionen und im Antiquariatshandel. Der Ankauf von Privatpersonen spielt nur eine untergeordnete Rolle. Das ZVAB gewinnt bei nahezu allen Partnerbibliotheken immer mehr an Bedeutung. Die DNB stellte 2006 einen Teil ihrer SDD-Desideratenliste auf die Homepage der Bibliothek.1 Die Reaktion darauf blieb aber eher verhalten. Auf den Auktionen vertreten sich die SDD-Bibliotheken gegenseitig und nehmen auch Gebote für andere Bibliotheken wahr. Seit 2006 wird zudem die Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Weimar) auf den größeren Buchauktionen von den SDD-Bibliotheken mit vertreten.

Tab. 3: Übersicht über den Zugang (incl. Geschenke) in 2006 und 2007 im Bereich SDD

Bibliografische Einheiten (BE)

Physische Einheiten (PE)

2007

2006

2007

2006

BSB München187166167121
HAB Wolfenbüttel392454286344
SUB Göttingen419386499436
UB Frankfurt846530908552
SBB-PK Berlin1.7261.6851.6151.584
DNB*k.A.k.A.306.725333.268

* Im Sinne des gesetzlich festgelegten Sammelauftrags der DNB ist der jährliche Gesamtzuwachs gleichzeitig ein Zuwachs für die SDD und wird deshalb auch so aufgeführt.

Verteilung nach Fachgebieten

Die Fächerschwerpunkte in den Erwerbungen der BSB München für SDD bildeten Theologie und Musik (41 Notendrucke). Im 17. Jahrhundert stellen Gelegenheits- und Kleinschriften, Flug- und Streitschriften aus dem 30-jährigen Krieg einen hohen Anteil. Dies wirkt sich auch auf die Fachverteilung in diesem Zeitsegment aus: Theologie, Politik, Geschichte und Philosophie spielen die Hauptrolle. Auch im 18. Jahrhundert sind Religion und Geschichte am stärksten unter den Ankäufen vertreten. Wie in der Vergangenheit überwogen für 1801-1870 die Fächer Germanistik, Geschichte und Theologie. Die teuersten Titel waren im Bereich Biologie zu finden. Bei der SBB Berlin standen Musik, Theater, Tanz und Film an der Spitze der Erwerbungen. Darin spiegelt sich die rege Erwerbungsaktivität der Musikabteilung. Literarische Texte in den germanischen Sprachen, Theologie, Archäologie und Geschichte lagen ebenso wie technische und medizinische Literatur unter den top ten. Die teuersten Titel kommen aus dem Bereich der Atlanten, Kunst und Photographie.

Tab. 4 Systematische Verteilung der Erwerbungen 2006 und 2007 auf die Fachgebiete in PE

BSB
(1450-1600)

HAB
(1601-1700)

SUB
(1701-1800)*

UB Ffm
(1801-1870)

SBB
(1871-1912)

2007

2006

2007

2006

2007

2006

2007

2006

2007

2006

Allgemeines Buch5301131279701614
Philosphie2421141124881214
Psychologie2000022155
Theologie5243911351035091364494
Pädagogik44329182422730
Gesellschaft684514143163
Politik713529671313108
Wirtschaft002261114385152
Recht1281271814291175
Naturwissenschaften1130574705
Mathematik0014101111663
Physik, Astronomie3012143610420
Chemie, Alchemie00123344344
Geowissenschaften0000304030
Biologie0004322713416
Medizin, Tiermedizin221544273757367534
Technik00101372495889
Land- und Hauswirtschaft2224382840404530
Architektur, Kunst00238517152563
Musik, Theater462061133735359
Sport, Spiele000012158915
Allgem. Literaturwiss.00110011510
Englische Philologie000076714311
Deutsche Philologie654529665321685250183
Romanische Philologie00211130209917
Klassische Philologie1417157423412
Slawische Philologie00000012310
Sonstige Philologie0002439506
Geschichte3119119759145667293
Geographie, Reisen0033121722175974
Sonstiges0200000004
Summe1671212823444994369025501.1011.063

* incl. Geschenke und Bestandsübernahmen

Tab. 5 Systematische Verteilung der Erwerbungsausgaben 2007 (in EUR) auf die Fachgebiete (incl. Mikroformen)

DBS-Fachgebiet

HAB
(1601-1700)

SUB
(1701-1800)

UB Ffm
(1801-1870)

SBB
(1871-1912)

Allgemeines Buch04.9777.3151.114
Philosophie8.1782.4321.367779
Psychologie00140548
Theologie34.13020.6274.4711.407
Pädagogik2.0881.6443.487166
Sozialwissenschaften2.4703.576251248
Politik14.5821.9321.847478
Wirtschaft9633.7551.322205
Recht3804.0873.382338
Naturwissenschaften3.6651.0992700
Mathematik2.4823.0581.2961.235
Physik, Astronomie9.0021.8991.593161
Chemie, Alchemie17.4711.445586179
Geowissenschaften01.115815114
Biologie064611.452307
Medizin, Tiermedizin14.5828.5466.5844.237
Technik4095.8622.7446.996
Land- und Forstwirtschaft2.01716.2016.6703.188
Architektur, Kunst3.4254.8794.6155.677
Musik, Theater4.98710752638.919
Sport, Spiele03263.579789
Allgem. Literaturwiss.350015388
Englische Philologie01.405256132
Deutsche Philologie27.16319.40020.45413.641
Romanische Philologie1.1624.594939437
Klassische Philologie31854195109
Slawische Philologie0010132
Sonstige Philologie05521.6250
Geschichte9.15123.35412.1568.197
Geographie, Reisen3.7865.0595.1862.0702
Summe162.761143.118105.277110.423

(Für die BSB München und die DNB liegen hierzu keine Daten vor.).

Ausgewählte Erwerbungen

1450-1600 BSB München

Herrnsheimer, Peter : Almanach für Mainz auf das Jahr 1492, [Mainz, Peter von Friedberg, 1491]
Seltenes Inkunabel-Einblattkalender-Fragment mit bisher nur zwei weiteren Nachweisen

Missale Ratisbonense. [Nürnberg: Georg Stuchs, ca. 1486 - 1491]
Bibliographisch bisher nicht nachweisbares Missale in Schwarz-Rot-Druck.

1450-1800 BSB München

[Herxheimer, Bernhard] : Faßnacht küchlin, oder warnung Büchli. o.O. und Dr. [1554]
Eine der - mindestens - drei Druckvarianten der Schrift zu kirchlichen und religiösen Themen in deutschen Versen. Wegen der teilweise kritischen Darstellung wurde der Autor mitsamt seiner Familie aus seiner Heimatstadt Landau in der Pfalz verwiesen.

Himmelsbrief. o. O., o. J.
Seltene Ausgabe von (ca.) 1570 des bekannten religiösen Kettenbriefs (Copey oder Abschrifft dess Brieffs, so Gott selbs geschrieben hat, und auff S. Michaels Berg…). Einblattdruck mit koloriertem Holzschnitt und handschriftlichem Zensurvermerk.

1450-1800 BSB München / Notendrucke

Mozart, Wolfgang Amadeus: Ariette »Lison dormoit« avec variations pour le clavecin ou piano forte, No. ! (KV 264/315d), Wien: Artaria, 1787

Palschau, Johann Gottfried: Concerto I. per il cembalo concertato accompagnato da due violini, violetta e basso. Riga: Hartknoch, 1771

Telemann, Georg Philipp: Six Quatuors à Violon, Flute, Viole our Violon de Celle et Basse Continue … Nouvelle edition [u.a.] Paris: Le Clerc - Ve Boivin, ca. 1740.- 5 Stimmbücher

1601-1700 HAB Wolfenbüttel

Andreas Engel: Historische Beschreibung. Darin nicht allein gehandelt wird/ von Wundern des Him[m]els Firmament/ Sondern auch von Lufft/ Fewer/ Erd vnd Wasser/ darauß zu sehen/ was in jeder Element/ sonderlich geschehen ist. [Frankfurt am Main]: Brachfeld, 1601
Bislang bibliographisch unbekannte Ausgabe des Wunderbuchs von Andreas Engel, das
zuerst 1597 als Wider Natur und Wunderbuch erschien. Der Autor berichtet u.a. von Sonnen-, Mond-, Stern- und Feuerzeichen, Kometen, Heuschrecken, Erdfällen und Blutregen, Tier- und Menschenmonstern und zahlreichen anderen wunderlichen Erscheinungen.

Georg Neumark: Des Christlichen Frauenzimmers Geistliche Perlen-Krohne. Nürnberg: Hoffmann, 1693
Eine bislang bibliographisch unbekannte Ausgabe von Georg Neumarks Erbauungsschrift, die bisher ohnehin nur in einem Exemplar der Ausgabe von 1675 nachgewiesen war. Im schmuckvollen zeitgenössischen Silbereinband mit »Reimseufzern«, Gebeten, Historien - ein »Seelenschmuck, einer jeden ... Weibsperson«. Mit handschriftlicher Widmung von Helene Gräfin von Bünau, Dresden 1899.

Johann Scheffler: Der Catholisch gewordene Bauer Und Lutherische Doctor. Glatz: Schubarth, 1675
Eine der zahlreichen, heute allesamt kaum in deutschen Bibliotheken erhaltenen antilutherischen Streitschriften aus der Feder des unter dem Pseudonym Angelus Silesius bekannt gewordenen schlesischen Dichters Johann Scheffler. In dieser als Dialog gestalteten Schrift greift Scheffler in der Rolle des Bauern u.a. den lutherischen Theologen Johannes Musaeus an. Bisher war nur ein Exemplar in ausländischem Bibliotheksbesitz bekannt.

1701-1800 SUB Göttingen

Die Reise zur Messe oder Auszüge aus dem Tagebuch eines Reisenden : Für Vereh¬rer der Tugend, der Freundschaft, und Liebe. Elberfeld: Comptoir für Litteratur, 1799
Fiktive Reisebeschreibung des Autors zur Messe nach Frankfurt am Main.

[Schmidt, Jacob Friedrich] : Karoline : Eine Wochenschrift. Königsberg: Driest, 1761
Einziger Jahrgang der sehr seltenen Zeitschrift.

Stegmann, Ernst Philipp Heinrich: Erholungs-Stunden in Ostindien. Kopenhagen, Leipzig: Schubothe, 1799.

1801-1870 UB Frankfurt

Bechstein, Johann Matthäus [Begründer] : Abbildungen der wichtigsten deutschen Holzpflanzen = Wynobrazenj neyzáleÿézitÿéegssjch zdegssjch Stromÿêu a Keÿérÿêu : ... in deutscher und böhmischer Sprache. Hrsg. von F. G. Rietsch. Taf. 1 - 50 in 2 Bdn. Prag: Haase, 1826
Johann Matthäus Bechstein (1757-1822) war ein bedeutender deutscher Forstbotaniker und Ornithologe. Diese Ausgabe erschien in 25 Lieferungen mit 50 altkolorierten Kupfertafeln. Der Text ist in deutscher und tschechischer Sprache.

Ibn-al-Baitar : Große Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel / von Abu Mohammed Abdallah Ben Ahmed aus Malaga, bekannt unter dem Namen Ebn Baithar. Aus dem Arabischen übers. von Joseph v. Sontheimer. Stuttgart, 1840 - 1842
Al-Baithar, Wesir von Damsakus, gilt als der beste Pflanzenkenner im 13. Jahrhundert in der arabischen Welt. Dies ist die erste Übertragung seines Arzneimittellexikons in eine westliche Sprache.

Mann, William B. : Das Leben und das Bekenntniß sowie die schauderhaften Verbrechen des Anton Probst, des Mörders der Familie Deering : nebst einer wahrheitsgetreuen Geschichte vieler der scheußlichsten und geheimnißvollsten Morde, die hier und in andern Ländern begangen wurden. Philadelphia: Barclay, 1866
Beschrieben wird die Lebensgeschichte von Anton Probst aus Baden. Probst wanderte nach Amerika aus und nahm schließlich bei der Familie Deering eine Stellung an. Diese Familie soll er auf brutalste Weise ermordet haben. Das Buch zeigt Anton Probst und seine Taten auch in Bildern. Außerdem ist das Protokoll der Gerichtsverhandlung wiedergegeben. Die Tat ging als »Philadelphia Massaker« in die Geschichte ein.

1871-1912 SBB-PK Berlin / Abteilung Historische Drucke

Beleuchtungskörper-Gesellschaft <Berlin>: Special-Musterbuch für Nernstlampen-Beleuchtungskörper / Beleuchtungskörper-Gesellschaft mbH. - Berlin, 1903.

Lang, August: [Turntafeln] A. Lang's Turntafeln : Illustrationen, frei bearbeitet nach J. C. Lion & August Ravenstein. - Chicago, Ill. : Shober, 1876.
Äußerst seltener deutsch-amerikanischer Druck zur Turnbewegung des 19. Jahrhunderts in den USA.

Steiner, Rudolf: Bilder okkulter Siegel und Säulen / [Rudolf Steiner]. - Berlin : »Besant-Zweig« der »Theosoph. Ges.«, 1907
Auf dem Titelblatt aufgeklebt: Als Ms. für die Angehörigen der freien Hochschule für Geisteswiss., Goetheanum, Klasse I, gedr.

1801-1912 SBB-PK Berlin / Kartenabteilung

Das Rheinthal von Bingen bis zum Lurley = The valley on the Rhein from Bingen to Lurley. - s.l. ; 1830. - 1 Faltpanorama mit Erl. - 17 x 75 cm.

1871-1912 SBB-PK Berlin / Kinder- und Jugendbuchabteilung:

Marine-Struwwelpeter : grausige Geschichten in lustigen Versen / nach berühmten Mustern von Victor Laverrenz. Mit 30 Ill. von L. Stutz. Kiel: Lipsius & Tischer, 1901

1801-1912 SBB-PK Berlin / Musikabteilung

Mozart, W. A.: (KV 175) Concerto pour Piano-Forté, avec accompagnement d'orchestre, Oeuvre 7, Offenbach, André (PN 1558), ca. 1801, Solistimmen und 11 Orchesterstimmen
Früheste bekannte Ausgabe.

1913ff. DNB

Brecht, Bert: Du, der du, sitzend im Buge des Botes, … / Spruch von Bert Brecht. Musik Hans Holewa. [Braunpause] . [Stockholm?] : Mai 1939. - [3] Seiten : Noten
Hans Holewa, der 1937 nach Schweden emigrierte, vertonte 1939 einen Spruch von Bert Brecht für Singstimme und Klavier.

Kredel, Fritz: The Typophiles welcome Fritz Kredel. - [New York]: [Typophiles], [1938]
Anlässlich Kredels Ankunft im Exil in den USA erschienene Willkommensschrift, die von verschiedenen Verlagen in New York und Chicago im Auftrag der Gesellschaft »The Typophiles« in kleiner Auflage herausgegeben wurde. Darunter ein persönlicher Gruß von Georg Salter vom 4. Oktober 1938.

Ein Konvolut Tarnschriften, darunter seltene Ausgaben wie zum Beispiel:
Lyons' Tee : Rot Etikett ; net weight 10 grammes = Lyon's Tea. - 1939 [Probetüte mit Teebeutel].
Enthält unter anderem: Mann, Thomas: Deutsche Erziehung, Mann, Heinrich : Die deutschen Soldaten, Misch, Carl : Die toten Zeitungen.

Erschließung

Die Erwerbungen der AG SDD werden ab Erscheinungsjahr 1501 in den Partnerbibliotheken sowohl im lokalen OPAC als auch im jeweiligen Verbund-OPAC nachgewiesen. Zeitschriften werden darüber hinaus in der ZDB verzeichnet. Am 01.03.2007 begann auch die DNB mit der Katalogisierung von Zeitschriften und Schriftenreihen in der ZDB.

Inkunabeln werden im BSB Inkunabelkatalog, im Inkunabel-Census für die Bundesrepublik Deutschland und darüber im Incunabula Short Title Catalog (ISTC) nachgewiesen. Die Einblattdrucke werden in der Datenbank der Einblattdrucke der frühen Neuzeit der BSB München erfasst. Die Drucke des 16. bzw. 17. Jahrhunderts werden im VD 16 bzw. VD 17 beschrieben. Karten und Atlanten der SBB Berlin werden bis 1850 in der IKAR-Datenbank aufgeführt, alle weiteren im OPAC.

In der HAB Wolfenbüttel und der UB Frankfurt werden Neuerwerbungslisten (HAB Wolfenbüttel, UB Ffm) bereitgestellt. Seit Oktober 2007 werden die SDD-Neuerwerbungen der BSB München im Geschäftsgang nach der Katalogisierung zur Digitalisierung gegeben. Leider ist in der SUB Göttingen inzwischen ein beträchtlicher Rückstau in der Katalogisierung der Neuanschaffungen auf Grund von Sonderarbeiten (z.B. ZVDD) entstanden.

In der SBB Berlin werden neuerdings Informationen zu Bucheinbänden in einem Kommentarfeld in PICA hinterlegt. Von einer Referendarin wurde eine virtuelle Ausstellung der vorhandenen Globen erarbeitet.2

Seit März 2007 ist der Bestand der Anne-Frank-Shoah-Bibliothek der DNB im gemeinsamen Internetkatalog der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken (AGGB) recherchierbar.

Öffentlichkeitsarbeit und Benutzung

2007 ging die neue Homepage der AG SDD online (www.ag-sdd.de). Die AG war durch eine Posterpräsentation auf der IFLA in Durban und durch einen Stand auf dem Germanistentag in Marburg vertreten. Hierfür wurden auch die Flyer und Plakate der AG SDD aktualisiert.
In zahlreichen Vorträgen und Publikationen wurde auf die Tätigkeit der AG SDD durch die Partnerbibliotheken hingewiesen. SDD-Erwerbungen wurden zudem als Exponate in diversen Ausstellungen gezeigt.

Bestandserhaltung

In der DNB wurden 36.900 Bände überwiegend extern gebunden, 102.000 Bände (1913-1990) wurden für insgesamt 790.000 EUR entsäuert. Der Bestand an Mikrorollfilmen wurde auf mögliche Schäden durch das »Essigsäure-Syndrom« gesichtet. Bei 91% der Filme waren anfängliche bis deutliche Schäden zu erkennen. 2008 sollen deshalb die Acetat-Mikrorollfilme dupliziert werden.

Fazit und Ausblick

2009 wird die AG SDD ihr 20-jähriges Jubiläum feiern. Hierfür ist im Oktober 2009 im Rahmen der Buchmesse Frankfurt am Main ein Symposium zum Thema »Nationale Verantwortung für kulturelle Überlieferung« geplant.

Die Verfasserin


Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
60325 Frankfurt am Main
069-798-22365/-29101

______________________________________________________

1 Für die Deutsche Nationalbibliothek: www.d-nb.de/aktuell/ausschreibungen/gedr_veroeff.htm und für das Deutsche Musikarchiv: www.d-nb.de/aktuell/ausschreibungen/emil_berliner.htm

2 http://karten.staatsbibliothek-berlin.de/de/projekte/globensammlung.html

Letzte Änderung: 01.03.2012

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