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Willkommen bei der AG Sammlung Deutscher Drucke

In der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) kooperieren sechs Bibliotheken, um eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums vom Beginn des Buchdrucks bis in die Gegenwart aufzubauen, zu erschließen, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und für künftige Generationen zu bewahren.

Dadurch entsteht eine verteilte Nationalbibliothek, in der die beteiligten Bibliotheken für einzelne Zeitsegmente verantwortlich sind.

1450 - 1600 Bayerische Staatsbibliothek München (Notendrucke bis 1800) (Vorsitz)
1601 - 1700Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
1701 - 1800Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
1801 - 1870Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
1871 - 1912 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (Landkarten und Zeitungen: 1801 - 1912, Notendrucke: 1801 - 1945)
1913 ff.Deutsche Nationalbibliothek

Letzte Änderung: 01.06.2019

Buch des Monats Juni 2019:
Die heilige Bibel nach S. Herrn D. Martini Lutheri Deutscher Dolmetschung und Erklärung : vermöge des Heil. Geistes im Grund-Text, Richtiger Anleitung der Cohaerentz ... gründ- und deutlich erörtert und mit Anführung Herrn Lutheri deutschen und verdeutschten Schrifften also abgefasset daß der eigentliche Buchstäbliche Verstand und gutes Theils auch der heilsame Gebrauch der Heil. Schrifft fürgestellet ist / mit grossem Fleiß und Kosten ausgearbeitet und verfasset von D. Abraham Calovio. - Franeker, Niederlande : Verlag Van Wijnen, 2017. – 3 Lederbände in Holzkassette
Erworben von der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig, aufgenommen in die Klemm-Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums unter der Signatur VI, 483 – 1-3

Bach-Bibel Die heilige Bibel nach S. Herrn D. Martini Lutheri Deutscher Dolmetschung und Erklärung : vermöge des Heil. Geistes im Grund-Text, Richtiger Anleitung der Cohaerentz ... gründ- und deutlich erörtert und mit Anführung Herrn Lutheri deutschen und verdeutschten Schrifften also abgefasset daß der eigentliche Buchstäbliche Verstand und gutes Theils auch der heilsame Gebrauch der Heil. Schrifft fürgestellet ist / mit grossem Fleiß und Kosten ausgearbeitet und verfasset von D. Abraham Calovio. - Franeker, Niederlande : Verlag Van Wijnen, 2017. – 3 Lederbände in Holzkassette
Erworben von der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig, aufgenommen in die Klemm-Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums unter der Signatur VI, 483 – 1-3

Jetzt ist Johann Sebastian Bachs persönliches Exemplar der Heiligen Schrift für jeden zugänglich. Das Unikat der berühmten, sogenannten Bach-Bibel ist im niederländischen Verlag Van Wijnen in getreuer Kopie des dreibändigen Originals erschienen.

Die Bach-Bibel ist auch bekannt als die Calov-Bibel. Der deutsche Theologe Abraham Calovius (1612-1686) bearbeitete die dreibändige Ausgabe, die über den Schrifttext Martin Luthers hinaus einen umfangreichen Bibelkommentar in Form von Erklärungen und Deutungen durch Calov enthält, die dieser den theologischen Schriften Luthers entnahm. Es handelt sich um das Exemplar, das Teil der Bibliothek von Johann Sebastian Bach war. Es enthält zahlreiche Notizen, Korrekturen und Unterstreichungen von Bachs eigener Hand. Das Original befindet sich heute in der Concordia Seminary Library's Special Collections, St. Louis, Missouri, USA.

Buch des Monats Mai 2019:
Katharine Schäffner: Sechs Zeichnungen in dekorativem Stil. - München : Georg D. W. Callwey, [1910]. - 1 ungezähltes Blatt, 6 ungezählte Blätter Tafeln
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin, Signatur: 50 MC 1192 : KD)

Abbildung aus Katharine Schäffner: Sechs Zeichnungen in dekorativem Stil. Katharine Schäffner: Sechs Zeichnungen in dekorativem Stil. - München : Georg D. W. Callwey, [1910]. - 1 ungezähltes Blatt, 6 ungezählte Blätter Tafeln 
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin, Signatur: 50 MC 1192 : KD)

Eine Mappe Originalgraphik sind die Sechs Zeichnungen in dekorativem Stil, von herausragender Druckqualität und in einer derart modernen Gestaltung, wie man sie bei SDD nicht unbedingt erwarten würde.
Die Künstlerin, Katharine Schäffner (1884-1908) ist eher unbekannt, sie war erst in Prag und dann in München tätig, bevor sich ihre Spur verliert. Selbst das Allgemeine Künstlerlexikon weiß nicht mehr zu berichten.
Außer diesem Werk ist von ihr noch 1908 die Mappe „Eine neue Sprache?“ erschienen und ein Beitrag in „Das vergnügte Büchel“ (beide wie diese bei Callwey in München).

Buch des Monats April 2019:
Homöopathischer Hausarzt : für die deutschen Bürger der Vereinigten Staaten nach den besten vaterländischen Werken und eigenen Erfahrungen bearbeitet. – Allentaun an der Lecha : zu haben bei Jakob Behlert ; Philadelphia : gedruckt bei J. G. Wesselhoeft, 1837. – VIII, 352 Seiten
(Erworben von der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg, Frankfurt am Main, Signatur: W 3184)

Titelblatt: Hering, Constantin: Homöopathischer Hausarzt Hering, Constantin: Homöopathischer Hausarzt : für die deutschen Bürger der Vereinigten Staaten nach den besten vaterländischen Werken und eigenen Erfahrungen bearbeitet. – Allentaun an der Lecha : zu haben bei Jakob Behlert ; Philadelphia : gedruckt bei J. G. Wesselhoeft, 1837. – VIII, 352 Seiten
(Erworben von der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main, Signatur: W 3184)

Constantin Hering (1800-1880) studierte in Dresden und Leipzig Medizin. Während seiner Mitarbeit an einer Studie, die die "Irrlehre" der Homöopathie beweisen sollte, wurde er zum begeisterten Anhänger der Hahnemann’schen Methoden. 1826 promovierte er an der Universität Würzburg, 1827 nahm er an einer Expedition nach Surinam teil, wo er neben zoologischen Studien auch als Arzt arbeitete und wanderte schließlich 1833 nach Nordamerika aus. Dort gründete zusammen mit seinem Kollegen Johann Georg Wesselhoeft, der auch als Buchhändler, Verleger und Apotheker tätig war, 1835 in "Allentaun an der Lecha" (d.i. Allentown am Lehigh River, Pennsylvania), die "North American Academy for Homoeopathic Healing", die weltweit erste Institution, die sich der homöopathischen Ausbildung widmete.

Herings "Homöopathischer Hausarzt" ist ein Klassiker der homöopathischen Literatur, der bis heute immer wieder aufgelegt wird. Die amerikanische Erstausgabe erschien 1835 unter dem Titel "The Homoepathist or Domestic Physician". Die vorliegende Ausgabe ist die einzige deutschsprachige, die in den USA erschienen ist und wendet sich ausdrücklich auch an Personen, die von der Homöopathie "noch nichts wissen, oder wol gar Böses davon gehört haben". Über ein ausführliches Register findet man zu den entsprechenden Arzneien, die aber nicht namentlich benannt, sondern durch Nummern bezeichnet sind, unter denen man diese in bestimmten Apotheken in Philadelphia, New York, Baltimore und Allentown bekommen kann.

Hering starb 1880 in Philadelphia und hinterließ eine international bekannte Paracelsus-Bibliothek.

Interessant ist auch die Provenienz des vorliegenden Exemplars: Neben dem handschriftlichen Besitzvermerk des Arztes Adolph Straube findet sich auch ein Stempel der "Dr. Willmar Schwabe Bibliothek". Das Unternehmen Dr. Willmar Schwabe ist heute einer der weltweit führenden Hersteller hochwertiger pflanzlicher Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel.

Buch des Monats März 2018:
Historiographus [d. i. Johann Gottfried Schnabel], Sonderbarer Bericht von dem beym Anfange des vorigen Seculi im Böhmer-Walde und zwar in einem Bären-Bau [...] gefundenen Wunder-Knaben [...], Erfurt 1747.
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2019 A 2 Rara)

Buchblock mit der Titelei Historiographus [d. i. Johann Gottfried Schnabel], Sonderbarer Bericht von dem beym Anfange des vorigen Seculi im Böhmer-Walde und zwar in einem Bären-Bau [...] gefundenen Wunder-Knaben [...], Erfurt 1747. 
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2019 A 2 Rara)

Eine Erzählung, die „doch mehr als eine Erdichtung zu seyn scheint“ – als solche schätzte 1774 der Göttinger Ökonom und Naturhistoriker Johann Beckmann den 1747 erstmals veröffentlichten „Sonderbaren Bericht“ über einen zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einer böhmischen Bärenhöhle aufgefundenen Jungen ein. Das Vorwort des unter dem Pseudonym „HistorIoGraphuS“ auftretenden Autors nennt das Werk allerdings eine „Wunder-Geschicht“ im Sinne aufklärerischer Ideale, die exemplarisch zeigen soll, dass „die vernünfftige menschliche Seele, in Ermangelung behöriger Education des Cörpers in ein thierisch degeneriren, und dennoch wieder in gute Ordnung gebracht werden kann“.

Der „Bericht“ erzählt entsprechend von einem geistig und körperlich verwarlosten, aber mit Bärenkräften ausgestattetem Jungen, dessen „gute Ordnung“ unter der Obhut eines philanthropen Grafen wiederhergestellt wird. Sein Wunsch nach einem Toilettenbesuch, seine Freude an prächtigen Gewändern und ein wundersamer Schatzfund in unmittelbarer Nähe der Bärenhöhle deuten dabei schon früh auf eine adlige Abstammung des Jungen hin. In dreifacher Anspielung auf seinen Fundort und seine Kräfte wird der Junge auf den Namen „Ignatius Augustinus Samson“ getauft. Als junger Mann tritt er eine abenteuerliche Grand Tour durch Europa an, die ihn nicht nur einen Löwen im Harz erlegen lässt, sondern unter anderem auch an die Höfe von Paris und Madrid, zum Pabst und an den Wiener Kaiserhof führt. Schließlich trifft er auf seine leiblichen Eltern, ein deutsches Fürstenpaar. Diese erkennen in dem „Wunder-Knaben“ dank eines Muttermals schließlich ihren „geliebten Sam-Sohn“ wieder, und die ganze Geschichte löst sich inklusive kaiserlicher Gnadenbekundungen, einem Offizierspatent und einer Hochzeit in allgemeines Wohlgefallen auf.

Ähnlich abenteuerlich stellt sich auch die Biographie des Autors dar: Hinter dem mit den Majuskeln I|G|S versehenem Pseudonym „HistorIoGraphuS“ verbirgt sich wohl Johann Gottfried Schnabel (1692 – ca. 1744 oder 1748), Vielschreiber und unter anderem Verfasser eines vierbändigen Bestsellers des 18. Jahrhunderts, der Sozialutopie „Wunderliche FATA einiger See-Fahrer“ (1731–1743) – besser bekannt unter dem Titel „Die Insel Felsenburg“ in der 1828 veröffentlichten Bearbeitung durch Ludwig Tieck (1773–1853). Der in Sandersdorf bei Bitterfeld geborene und früh verwaiste Schnabel besuchte die Lateinschule der Franckeschen Stiftungen in Halle, absolvierte anschließend eine Barbierlehre und diente als Feldscher während des Spanischen Erbfolgekriegs unter anderem unter Prinz Eugen – über den er 1736 auch eine Biographie veröffentlichte. 1724 wurde er Hofbarbier bei den Grafen zu Stolberg, später gräflicher Kammerdiener und Hofagent. Ab 1731 gab er die Zeitung „Stolbergische Sammlung Neuer und Merckwürdiger Welt-Geschichte“ heraus und verdingte sich als Schriftsteller, Lotterieeinehmer und Kommissionsbuchhändler. Schnabels genaues Todesdatum ist unbekannt.

Der Buchblock des vorliegenden Bandes im Oktavformat wurde nachträglich in einen etwas zu kleinen Einband aus rot gefärbtem Pergament mit Goldprägung eingehängt. Die Ausführung des Frontispiz, die mittelmäßige Papierqualität sowie das verhältnismäßig schlechte Lektorat lassen auf eine kostengünstige Herstellung des Drucks schließen. Zudem sind die letzten vier Seiten des Bandes in einer deutlich kleineren Type gedruckt – ganz offensichtlich, um einen sonst zusätzlich benötigten Druckbogen einzusparen. Das Exlibris auf dem fliegenden Vorsatz belegt, dass der Band Teil der Privatbibliothek des Idsteiner Sonder- und Heilpädagogen Max Kirmsse (1877–1946) war. Laut datiertem Besitzeintrag gelangte der vorliegende Band 1927 in Kirmsses Sammlung. Seinem Arbeits- und Interessenschwerpunkt enstprechend sammelte Kirmsse vor allem historische Literatur zu verschiedenen Themenfeldern der „Disability Studies“; der überwiegende Teil seiner Büchersammlung befindet sich heute in der UB Marburg sowie im Heilpädagogischen Archiv am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin.

Diese über die Sammlung Deutscher Drucke erworbene Erstausgabe von Schnabels Werk aus dem Jahr 1747 war nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit in keiner Bibliothek mehr nachgewiesen.

Buch des Monats Februar 2019:
Wilhelm Taudpheus: Eigentliche Vorstellung der neuen fliegenden Brück zu Mannheim Welche auß gnädigstem Befehl deß […] Herrn Carl Ludwigs/ Pfaltzgrafen bei Rhein [...] Wilhelm Taudpheus/ ein geborner Pfältzer 1618. und Bürger in Bacherach/ im Monat Julio deß 1669. Jahrs/ verfertigt […] Zu Bacherach im Gülden Schiff zu finden bey dem Autor. Und zu Mannheim bey Ludewig Serv/ Und zu Heydelberg im Ritter St. Georg, - 1 Bogen, mit Kupferstich
(Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Einbl. Xb FM 340)

Titelblatt  "Eigentliche Vorstellung der neuen fliegenden Brück zu Mannheim" Wilhelm Taudpheus: Eigentliche Vorstellung der neuen fliegenden Brück zu Mannheim Welche auß gnädigstem Befehl deß […] Herrn Carl Ludwigs/ Pfaltzgrafen bei Rhein [...] Wilhelm Taudpheus/ ein geborner Pfältzer 1618. und Bürger in Bacherach/ im Monat Julio deß 1669. Jahrs/ verfertigt […] Zu Bacherach im Gülden Schiff zu finden bey dem Autor. Und zu Mannheim bey Ludewig Serv/ Und zu Heydelberg im Ritter St. Georg, - 1 Bogen, mit Kupferstich  
(Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Einbl. Xb FM 340)

Die Geschichte der Mannheimer Rheinbrücken beginnt mit der sogenannten „Fliegenden Brück“ im Jahr 1669. Es handelt sich hier um eine fest installierte Gierfähre, bei der die Strömung des Flusses ausgenutzt wird. Die Fähre, von einem Seil geführt, pendelt zwischen den Stationen hin und her. Der Konstrukteur und Erbauer der Fähre war Wilhelm Taudpheus, ein Pfälzer aus Bacharach.
Der erworbene großformatige Einblattdruck ist ein seltenes Denkmal dieser für die Stadt Mannheim konstruierten Fährverbindung, welche als Wunder angestaunt, beschrieben und besungen wurde. Der Detail getreue Kupferstich zeigt vor dem Stadtpanorama von Mannheim mit der Festung Friedrichsberg die Gierfähre auf dem Rhein. Im Vordergrund warten Kurfürst Karl Ludwig und sein Gefolge auf die Ankunft der Fähre für eine erste Probefahrt.

Der stolze Pfälzer Bürger Taudpheus feiert in einem Gedicht mit 11 Strophen seine Konstruktion und rühmt die große Tragfähigkeit der Fähre:
„Auf einmal kann sie tragen
Mehr als vierhundert Mann,
Pferd und geladene Wagen,
Als ich bezeugen kann,
Man sitzet oder stehet
Und ruhet, wie man will,
Die Brücke doch fort gehet,
Der Reisend bleibet still.“

Dieser Einblattdruck in seiner Vollständigkeit mit Kupferstich und Textstrophen ist bisher nur in einem Mannheimer Museum nachzuweisen.

Buch des Monats Januar 2019:
Nicolas de Nicolay: Beschreibung Dero Reiß und Schifffahrt in die Türckey […] Jetzt auffs new neben angehengter Summarischer anzeigung etlicher Namhafften Türckischen Geschichten, so etliche Jahren hero seind vorgelauffen […]. – Köln : Johann von Mertzenich, 1593. – 11 unbedruckte Seiten, 312 Seiten, 61 ungezählte Blätter Holzschnitt-Tafeln.
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/4 It.sing. 177 m)

Kostümholzschnitt aus Nicolas de Nicolay: Beschreibung Dero Reiß und Schifffahrt in die Türckey Nicolas de Nicolay: Beschreibung Dero Reiß und Schifffahrt in die Türckey […] Jetzt auffs new neben angehengter Summarischer anzeigung etlicher Namhafften Türckischen Geschichten, so etliche Jahren hero seind vorgelauffen […]. – Köln : Johann von Mertzenich, 1593. – 11 unbedruckte Seiten, 312 Seiten, 61 ungezählte Blätter Holzschnitt-Tafeln. 
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/4 It.sing. 177 m)

Im 16. Jahrhundert wurden Berichte von Reisen in den Orient mit großem Interesse wahrgenommen und gelesen. Einen der größten Erfolge stellten die „Navigations et Peregrinations Orientales“ des französischen Geographen Nicolas de Nicolay (1517-1583) dar. Erstmals 1567/1568 im Druck erschienen, erfuhren die „Navigations“ zwischen 1567 und 1593 etliche Übersetzungen, darunter allein fünf in deutscher Sprache. Erworben werden konnte die selten vorliegende, letzte deutschsprachige Übersetzung aus dem Jahr 1593.

Der Gelehrte Nicolas de Nicolay trat 1542 in den militärisch-diplomatischen Dienst des französischen Königs und unternahm zahlreiche Reisen innerhalb Europas sowie in Nordafrika und im östlichen Mittelmeerraum. Im Jahr 1551 begleitete er den Gesandten Gabriel D’Aramamont nach Konstantinopel an den Hof Süleymans des Prächtigen und fand dort die Gelegenheit, Land und Leute zu studieren.

Abgefasst und zum Druck kamen die „Navigations“ hingegen erst über zehn Jahre später und unter dem Eindruck der geänderten politischen Konstellation nach der Auflösung der französisch-türkischen Allianz im Jahr 1559. Eingeteilt in vier Bücher, beschreibt Nicolay in seinem Werk die Seereise über Algier, Malta und Tripolis bis nach Konstantinopel und schildert seine Beobachtungen von Land und Sitten der Türken, Perser und Griechen. 61 beigefügte Kostümholzschnitte, in der Erstausgabe erstellt von Lyon Davent, illustrieren den Text. Darüber hinaus werden im 4. Buch die Perser und ihr Reich sowie angrenzende Länder, die von Nicolay nicht bereist wurden, mit Rückgriff auf antike und zeitgenössische Quellen thematisiert.

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