Gemeinsamer Jahresbericht der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke für das Jahr 2005

1. Allgemeines

Seit nunmehr 16 Jahren verfolgt die Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke ein großes Ziel: den möglichst lückenlosen Nachweis des gedruckten deutschen Kulturgutes von den Anfängen bis in die Gegenwart. Was eigentlich Aufgabe einer Nationalbibliothek gewesen wäre, kann in Deutschland mit seiner über Jahrhunderte gewachsenen, stark fragmentierten und immer wieder erschütterten Territorialstruktur nur durch eine gemeinsame Anstrengung mehrerer Partner erreicht werden. Anfänglich fünf, jetzt sechs Bibliotheken mit besonders reichen Beständen haben deshalb zunächst mit Unterstützung durch die VolkswagenStiftung (1990 - 1995) ein kooperatives Erwerbungsprojekt zur Vervollständigung bereits vorhandener Bibliotheksbestände begründet. Schon damals war es kein Geheimnis, dass eine Annäherung an das Ziel nur durch kontinuierliche und geduldige Ankaufstätigkeit und auch dann keinesfalls kurzfristig möglich wäre. So ist die antiquarische Bucherwerbung bis heute die Kernaufgabe der Arbeitsgemeinschaft geblieben, auch wenn ihr inzwischen neue Aufgaben (s.u. Punkt 4) zugewachsen sind. Die Partner der AG SDD sind jeweils für einen Zeitabschnitt zuständig, für den sie Ankäufe tätigen:

1450 - 1600 Bayerische Staatsbibliothek München
1601 - 1700 Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
1701 - 1800 Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
1801 - 1870 Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
1871 - 1912 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
1913 ff. Deutsche Nationalbibliothek


Für die Jahre 2006 und 2007 hat turnusgemäß die SUB Göttingen den Vorsitz der AG übernommen und auf der Basis der Berichte aus den Partnerbibliotheken den gemeinsamen Jahresbericht verfasst.

2. Erwerbung und Finanzsituation

2.1. Finanzielle Situation

Übersicht der verausgabten Mittel 2005 in Euro

Bibliothek %
2005 2004 + / -
BSB München 253.169 285.571 +11,35%
HAB Wolfenbüttel 178.590,74 190.085 -6,5%
SUB Göttingen 146.531 149.801 -2,18%
UB Frankfurt 102.414,34 114.998 -10,94%
SB Berlin 94.961,95 132.774 -28,48%
DNB 146.170 32.589 +348,52%
Ausgaben gesamt 921.837 905.818 +1,77%

Übersicht Durchschnittspreise 2005

Bibliothek Durchschnittspreis in Euro
BSB München 1.180,00
HAB Wolfenbüttel 345,00
SUB Göttingen 347,95
UB Frankfurt 149,32
SB Berlin 82,00
DNB k.A.

Hinter der in der Gesamtberechnung nur leicht veränderten Summe der eingesetzten Finanzmittel verbergen sich z. T. starke Veränderungen, die einer knappen Erläuterung bedürfen. Während von der SUB Göttingen nur unwesentlich weniger ausgegeben wurde als im Vorjahr, fiel an der HAB Wolfenbüttel das Budget schon deutlich kleiner aus als noch 2004. Hervorzuheben ist, dass hier zu den verfügbaren Mitteln in nicht geringem Umfang Spendengelder und Umwidmungen beigetragen haben. Mit einem Minus von fast 11 % stand in der UB Frankfurt ebenfalls spürbar weniger Geld zur Verfügung, das zudem zu einem großen Teil erst in den letzten Monaten des Jahres frei- und ausgegeben wurde. Prozentual bewegten sich die Etatkürzungen an der BSB München etwa in der gleichen Größenordnung. Der deutlich stärkere Rückgang der verausgabten Mittel in der SB Berlin ist vor dem Hintergrund eines überdurchschnittlich hohen Ansatzes für 2004 zu sehen, der durch den Einsatz von Sondermitteln für ein herausragendes Einzelstück bedingt war. Ohne diese Sonderausgabe wäre der Abschwung zum Kassenergebnis für 2005 weit weniger kräftig erschienen. Einzig an der DNB Leipzig stand im Berichtsjahr ein Mehrfaches des Vorjahresetats zur Verfügung. Dieses Ergebnis erklärt sich vor allem aus dem massiven Einsatz von Sondermitteln für die Erwerbung der besonders seltenen Künstlerbuch-Edition "Entwerter/Oder". Ohne diesen Glücksfall der Bestandsergänzung in Leipzig hätten sich die allgemeinen Mittelkürzungen und Sparauflagen in der Gesamtbilanz der AG SDD mit einem deutlichen Minus voll ausgewirkt.

Preisbildungsprozesse auf dem antiquarischen Markt sind eine sehr komplexe Angelegenheit und haben nicht zuletzt durch die Möglichkeiten der neuen Medien in den letzten Jahren spürbare Veränderungen durchlaufen. Versucht man, das Ganze in den Blick zu nehmen, wird man mit allgemeinen Schlussfolgerungen über einheitliche Entwicklungen des Marktes vorsichtig sein müssen. Wohl ist verschiedentlich die oft beklagte Verteuerung der Ware deutlich zu bemerken, nicht zuletzt dann, wenn es um Erwerbungen aus dem Ausland, insbesondere dem englischsprachigen Raum geht. Auf der anderen Seite beweist die AG SDD seit Jahren, dass eine verantwortungsbewusste Kaufpolitik unter Ausnutzung aller Optionen auch unter den gegenwärtigen Bedingungen immer noch genügend Handlungsspielraum für sinnvolle Bestandsergänzungen bietet. Dass mit mehr Geld mehr gekauft werden könnte, ist ebenso wenig von der Hand zu weisen wie die Gefahr, dass schwindende Etats eben diesen Spielraum - und damit die Weiterführung des Sammlungsauftrages - gefährden könnten.
Von den Partnern werden bezüglich der Preisentwicklung unterschiedliche Erfahrungen berichtet: Scheint im einen Fall die Statistik beim Blick auf mehrere Jahre eine gewisse Preisstabilität zu zeigen, wird in einem anderen beobachtet, dass die Wahrnehmung von hochpreisigen Angeboten prozentual gesehen einen immer höheren Mitteleinsatz verlangt: Teure Stücke steigen demnach schneller im Preis als weniger spektakuläre Bücher. Im moderaten Anstieg der erzielten Durchschnittspreise spiegelt sich also vor allem das Kostenbewusstsein der zuständigen Kollegen wider, die ihre Kaufentscheidung zwischen sachlichen und fachlichen Erwägungen einerseits, monetären Möglichkeiten und erfahrungsgestützten Angebotsbewertungen andererseits treffen.
Nicht für alle, aber doch für einen Teil der Partner ist dabei durch Internetrecherchen die Prüfung von Verfügbarkeit und der Vergleich von Angeboten deutlich erleichtert worden. Sind mehrere Exemplare desselben Druckes gleichzeitig verfügbar, entsteht eine klassische Konkurrenzsituation zu Gunsten des Kaufinteressenten. Möglicherweise kehrt sich der Effekt bei Spitzenstücken um: Wird ein Angebot weltweit publiziert, wird sich das Verkaufsergebnis schnell an den Vorstellungen jener orientieren, die mehr ausgeben können oder wollen als andere.

2.2. Erwerbungsergebnisse

Übersicht über die 2005 von der AG SDD erworbenen Titel (Originalausgaben und Sekundärformen)

Bibliogr. Einheiten Physische Einheiten Sekundärformen
Bibliothek 2005 2004 2005 2004 2005 2004
BSB München 214 249 188 200 -- --
HAB Wolfenbüttel 518 557 397 440 8 36
SUB Göttingen 425 449 463 471 1 2.916
UB Frankfurt 623 869 663 928 27 794
SB Berlin 1.624 1.418 1.610 1.434 -- --
DNB 2.570 1.726 k.A. 1.726 -- --
Gesamt 5.974 5.268 ca. 5.891 5.199 36 3.746


Bezogen auf die Gesamtzahl der im Berichtsjahr für die Sammlungen beschafften Originalausgaben konnte das Vorjahresergebnis leicht übertroffen werden. Im Einzelfall konnten wie in der Staatsbibliothek zu Berlin auch deutliche Steigerungsraten (hier 14,5%) erzielt werden. Der Ankauf von Mikroformen bzw. digitalen Versionen spielte eine wesentlich geringere Rolle als noch 2004.
Soweit es im Rahmen der oben erwähnten Spielräume möglich war, konnten die Partner durchaus auch gezielt Erwerbungsschwerpunkte setzen. So kann etwa für die BSB München das Fehlen eines Nachweises im Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts ein wichtiges Kriterium für einen Ankauf sein. 20% der Anschaffungen aus 2005 sind hier echte Ergänzungen. An der HAB Wolfenbüttel wiederum stand die Orientierung an den in Gerhard Dünnhaupts Personalbibliographien gelisteten Werken im Vordergrund, ferner wurden weitere wichtige Autoren des 17. Jahrhunderts wie Eberhard Weigel und Herman Conring bevorzugt berücksichtigt.

Fach BSB
München
HAB
Wolfenbüttel
SUB
Göttingen
UB
Frankfurt
SBB-SPK
Berlin
Allgemeines, Buch, Bibliothek 3 0 10 26 50
Philosophie 7 27 16 2 18
Theologie 73 97 92 5 216
Erziehung, Bildung 2 2 19 52 12
Gesellschaft 9 3 10 31 26
Politik 4 21 11 8 20
Recht 8 27 5 12 14
Psychologie 0 0 1 0 1
Naturwissenschaft 1 6 11 23 11
Mathematik 1 4 19 14 4
Physik, Astronomie 5 13 14 12 7
Chemie, Alchemie 0 5 6 4 8
Biologie 2 2 3 38 25
Medizin 9 37 47 84 30
Architektur, Kunst 0 7 7 10 35
Sport, Spiele 0 1 0 7 5
Wirtschaft 0 0 4 22 32
Land- u. Hauswirtschaft 0 0 32 58 61
Technik 0 0 12 13 142
Allg. Lit.wiss. 0 1 0 1 25
Deutsche Phil. 3 48 59 146 155
Englische Phil. 0 0 1 9 22
Romanische Phil. 0 6 13 23 46
Klassische Phil. 17 4 4 1 10
Slawische Phil. 0 1 0 1 10
Sonstige Phil. 0 1 3 3 7
Geschichte 7 19 51 60 160
Geographie, Reisen 4 6 10 18 175
Volkskunde 0 0 0 0 2
Musik 30 1 3 7 281
Sonstiges 3 0 0 0 0
Gesamt 188 339 453 690 1.610

Die Differenzierung nach Fachgebieten entspricht weitgehend den in den Vorjahren erzielten Ergebnissen. Der Anteil an theologischer Literatur erreichte auch 2005 die erwartete Größenordnung, einzig im Ergebnis der UB Frankfurt spielt dieses Fach nur eine untergeordnete Rolle. Hier lag der Erwerbungsschwerpunkt erkennbar auf der Germanistik, für die Werke der Trivialliteratur und Volksdichtung beschafft werden konnten. Die Fachverteilung der Berliner Ergebnisse spiegelt dagegen deutlich auch die Erwerbungstätigkeit der Musik- bzw. Kartenabteilung wider. Musikalien sind auch bei den Neuzugängen in der BSB München ein Schwerpunkt ¹.

3. Ausgewählte Erwerbungen

15. Jahrhundert (BSB München)

[Andreas de Escobar]: Modus confitendi. Ohne Ort, Drucker und Jahr [Leipzig, Konrad Kachelofen, um 1487].
Mit rot und grün eingemalter Initiale, teilweise rubriziert. Klassische katholische Beichtanweisung, erlassen von dem spanischen Großpönitentionar Escobar in Rom. Diese Schrift, um 1471 erstmals erschienen, erlebte allein in der Inkunabelzeit 87 bekannte Ausgaben.

Alanus de Insulis: Doctrinale altum parabolarum, lateinisch und deutsch. (Leipzig, Konrad Kachelofen, um 1490).
Sehr seltene Ausgabe (die zweite mit zusätzlichem deutschen Text), dieser erstmals um 1485-90 in Paris erschienenen vorerasmischen Sprichwörtersammlung des französischen Theologen, Philosophen, Dichters und Historikers Alain de Lille (gest. 1202/03). Exemplar mit zahlreichen zeitgenössischen Marginalien.

16. Jahrhundert (BSB München)

Stieber, Thomas: Handbüchlein, Darin(n)en sehr schöne, nützliche und Christliche Gebetlein, dise letzte zeit betreffent, nach der ordnung deß heiligen Catechismi begriffen sind, widerumb ubersehen, und auffs newest zugericht. - Biblische Suma, Das ist: Kurtzer Inhalt und begriff, der gantzen heyligen Schrifft. - 2 Teile in einem Band. Mit 1 kolorierten Holzschnitt-Titelvignette, 26 kolor. Holzschnitten und 1 kolor. Holzschnitt-Druckermarke; ferner jede Seite mit kolor. Holzschnittbordüre und golggehöhtem Textdruck. Nürnberg, Joh. Koler ohne Jahr (1574).
Wunderschön ausgestattetes Gebetbüchlein und ein ausgesprochen seltener, bibliografisch nicht nachweisbarer Nürnberger Druck aus der Offizin von Joh. Ko(h)ler. Das VD16 (S 8997-9) sowie Stevenson (II, 33 und 838) verzeichnen jeweils dasselbe Exemplar einer undatierten Ausgabe bei Koler um 1570 und ein datiertes bei Knorr 1581, das VD16 führt noch ein Exemplar in Privatbesitz von 1572 (Frankfurt/O., Joh. Eichhorn). Die erste Ausgabe dieses reich verzierten und illustrierten Handbuches erschien wohl um 1570 und wurde von dem Pfarrer Th. Stieber (1535-1608) noch in Schwabach und nicht wie die vorliegende Ausgabe in Windsheim verfasst. Das Erbauungsbüchlein enthält u.a. die 10 Gebote, das Vaterunser sowie Gebete für die Sakramente, das Abendmahl, gegen die Türken und anderen Feinde der christlichen Kirche.

Fronsperger, Leonhardt: Kriegßbuch. 3 Bde. in einem Band. Mit 3 Titelholzschnitten, Holzschnittportrait, 3 doppelblattgroßen Holzschnitt-Tafeln, 340 Textholzschnitten von Jost Amman und 21doppelblattgroßen Radierungen von G. Keller nach Jost Amman. Titeldruck in Rot und Schwarz, Frankfurt/M., Feyerabends Erben, 1596.
Letzte Ausgabe dieser klassischen Enzyklopädie des Kriegswesens. "Dieses Werk, welches für die Geschichte der Kriegskunst des 16. Jahrhunderts, besonders des Landsknechtswesens, von hohem Interesse ist, hatte einen solchen Beifall gefunden, dass eine ganze Reihe von Ausgaben rasch aufeinander folgte" (Becker). "Fast alles, was in den Geschichten des Kriegswesens und dgl. Bücher, über die militärischen Verhältnisse des 16. Jh. gesagt wurde, war aus Fronsperger geschöpft" (Jähns, S. 556). Die kongenialen Illustrationen geben einen hervorragenden Einblick in die Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts, wobei die Kultur des Reformationsjahrhunderts weit über den Rahmen hinaus lebendig wird. Die Radierungen dieser Ausgabe sind Kopien von den wahrscheinlich unbrauchbar gewordenen Ammanschen Originalplatten. Aus der Tatsache, dass einige Tafeln nur Motivwiederholungen sind, resultiert wahrscheinlich die unterschiedliche Tafelanzahl verschiedener bekannter Exemplare. Exlibris einer Adelsbibliothek auf Innendeckel.

17. Jahrhundert (HAB Wolfenbüttel)

Bernhardus Redivivus: Das ist: Herrn Bernhardi Graffen von der Marck und Treviß. Wunderbarliche und Warhaffte Beschreibung allerley Philosphischen Geheimnüß … in Druck gegeben und verfertiget. Durch Joachimum Tancium. Leipzig 1619.
Bibliografisch nicht nachzuweisende deutsche Ausgabe der alchemistischen Texte, die seit dem 15. Jahrhundert unter dem Namen des italienischen Adeligen Bernhard Trevisanus (um 1378) kursierten. Die Übersetzung und Bearbeitung von dem deutschen Arzt Joachim Tank (1557-1609) ist nur in einer älteren Ausgabe bekannt.

Weise, Christian: Der grünen Jugend überflüssige Gedanken. Nürnberg 1677.
Liedersammlung des Zittauer Dichters und Pädagogen Christian Weise (1642-1708), der heute als einer der fruchtbarsten und vielseitigsten Autoren des deutschen Barock und einer der führenden Köpfe der deutschen Frühaufklärung gilt. Die mit Mitteln der Gesellschaft der Freunde der Herzog August Bibliothek aus einem Berliner Fachantiquariat erworbene Ausgabe von 1677 war bislang nicht in öffentlichem Besitz nachweisbar.

18. Jahrhundert (NSUB Göttingen)

National Bulletin. Gleichheit. Freiheit. Paris, Smits. Im dritten Jahr der Frankenrepublik (=1794). 15 Nummern mit ca. 170 Seiten.
Außerordentlich seltene deutschsprachige Zeitschrift, die die Sitzungen des Nationalkonvents zusammenfasst und übersetzt. Laut KVK in keiner weiteren deutschen Bibliothek vorhanden.

Koeler, Johann Tobias: Musicalischer Zeitvertreib, welchen man sich bey vergönten Stunden, auf dem beliebten Clavier, durch Singen und Spielen auserlesener Oden, vergnüglich machen kann. Frankfurt, Leipzig, 1750. 3 Teile in einem Band.
Herausgeber war der aus Altdorf stammende Numismatiker und Übersetzer und 1759 zum Professor der Philosophie ernannte Johann Tobias Köler. Die Texte spiegeln die anakreontische Mode der Zeit wider, die zwischen 1740 und 1770 dominant war. So komplett in drei Teilen im Original bisher in keiner deutschen Bibliothek vorhanden.

1801 - 1870 (UB Frankfurt am Main)

Schön, Bruno: Humoristische Pillen gegen üble Laune, Melancholie und dergleichen Grillen. 3 Bde. in einem Band. Wien, Prandl und Mayer 1856-58.
Der Titel enthält neben lustigen oder schaurigen Geschichten auch Beiträge ernster Natur, z. B. über Geisteskrankheiten von (prominenten) Personen oder die Zustände in der Wiener Irrenanstalt. Die Gewinne aus dem Verkauf der Bücher sollten "armen Irren" zugute kommen.

Riedel, Wilhelm: Die Grasmücken und Nachtigallen in Europa; oder vollständige Naturgeschichte dieser vorzüglichsten Singvögel, nebst Zaunkönig und Goldhähnchen. Mit besonderer Berücksichtigung auf Fang, Zähmung, Pflege, Wartung, Nutzen und Vergnügungen. Ein unentbehrliches Handbuch für die Liebhaber dieser Meistersänger. Nördlingen, Beck 1833.
Jagdgeschichtlich interessant sind vor allem die Ausführungen über den Fang der Singvögel. Auf sieben der acht Steindrucktafeln sind Fallen und Fangeinrichtungen abgebildet. Im illustrierten Originaleinband.

1871 - 1912 (SB Berlin, SPK)

Ehrenfeld, Nathan: Vier Abschnitte = Arbaparasyyot: Predigt; (Sabbath Hachodesch 5634) / von N. Ehrenfeld. - Brandenburg a.d.H. : Wiesike, 1874. - 14 S.
Früher Predigtdruck des Ende des 19. Jahrhunderts nach Prag wechselnden Oberrabbiners (1843-1912).

Nenadovics, L.: Die Herzkrankheiten. Ihre Ursachen und kurörtliche Behandlung. Franzensbad, Götz 1908.
Einzige nachgewiesene Publikation dieses Verfassers.

1913 ff. (Deutsche Nationalbibliothek)

Entwerter - Oder. Berlin, Volkmannsdorf, Leipzig 1982 ff. (nahezu vollständig ab Nr. 5, 1983, einschließlich der Sonderausgaben und Fotohefte).
Die vielleicht wichtigste Künstlerzeitschrift der DDR war seinerzeit nicht Gegenstand der Pflichtexemplar-Erwerbung der Deutschen Bücherei. Die seit 1982 von Uwe Warnke außerhalb des offiziellen DDR-Kulturbetriebes herausgegebene Zeitschrift stellt eine unverzichtbare Quelle für das Studium eines speziellen Kulturphänomens dar und lässt Rückschlüsse auf ein ganzes Netzwerk von in Ost-Berlin ansässigen Künstlern zu.

P.L.: Das selbst redende ABC: eine Fibel für gebildete Analphabeten. Im Selbstverlag des fünfzehnten und elften Buchstabens an deren 26sten Geburtstage, dem 60sten Dezember dieses Jahres. Paris, Selbstverl. 1936.
Seltene satirische Fibel mit Reimen für Erwachsene.

Musikalien und Karten

Zu erwähnen sind u.a. zwei von der BSB München erworbene Erstausgaben mit Arien im Klavierauszug zu Mozarts "Idomeneo" und zu "Il Re Pastore", beide erschienen 1795 in Braunschweig. Der erste Druck enthält die Arie "Non più tutto ascoltai". Sie wurde 1786 für eine Aufführung des "Idomeneo" nachkomponiert. Diese Ausgabe ist die früheste gedruckte Publikation aus "Idomeneo" (Uraufführung: München 1781). Sie gehört zu den seltensten Mozart-Drucken insgesamt und war bisher in keiner deutschen Bibliothek vorhanden. Dies gilt auch für die Arie "L'Amero saro Costante" aus "Il Re Pastore". Eine Ausgabe des vollständigen Werks erschien erst 1856.
Aus Berlin wird u.a. die Beschaffung der Erstausgabe von Ludwig Spohrs "Potpourri sur des thêmes de Winter pour la clarinette avec ... orchestre", op. 80, Berlin 1830, gemeldet. Darüber hinaus konnte dort die Beethoven-Sammlung um die Erstausgabe von "Der glorreiche Augenblick" in der Version mit neuem Text von Friedrich Rochlitz ergänzt werden (Beethoven, Ludwig van: Preis der Tonkunst. Cantante ... op. 136. Partitur. - Wien : Haslinger, [1837]).

Für die Kartensammlung sei beispielhaft genannt: Beer, Eduard: Kleiner Duodez-Atlas in 24 Blatt über alle Theile der Erde, vornehmlich zum Gebrauch bei Cannabichs Schulgeographie … gezeichnet von Eduard Beer. 2., verb. Aufl. Weimar, Voigt 1835.

4. Erschließung

Alle Partner der Arbeitsgemeinschaft legen Wert darauf, die neu erworbenen Bestandsergänzungen zügig in allgemein und frei zugänglichen Katalogen und ggf. auch Neuerwerbungslisten nachzuweisen. Neben den jeweiligen lokalen Bibliothekskatalogen bzw. den regionalen Katalogverbundsystemen können dies auch ggf. die nationalbibliografischen Nachweisinstrumente VD16 und VD17 für die Erwerbungen in München und Wolfenbüttel sein, die Datenbank IKAR für den Nachweis von Karten, der deutsche Inkunabelzensus bzw. der Sonderkatalog BSB-Ink (unter Nennung von exemplarspezifischen Angaben) und natürlich die ZDB für Zeitschriften und zeitschriftenartige Publikationen. Nachricht über interessante Bestandsergänzungen geben die Bibliotheken ferner in der Rubrik Neuerwerbungen der Zeitschrift Bibliothek und Wissenschaft.
Sofern ermittelbar und von Bedeutung werden in den Katalogbeschreibungen auch exemplarspezifische Besonderheiten (Vorbesitzer, Exlibris, Stempel, Einband etc.) vermerkt.

5. Zentrales Verzeichnis Digitalisierter Drucke (zvdd)

Seit April 2005 erarbeiten Mitarbeiter der Partnerbibliotheken der AG SDD gemeinsam mit den Bibliotheksverbundzentralen in Göttingen und Köln mit Förderung der DFG ein Konzept zum zentralen und vereinheitlichenden Nachweis von retrodigitalisierten Dokumenten über das Portal zvdd. Im Vordergrund stehen dabei zunächst solche Digitalisate, die im Rahmen von DFG-geförderten, sehr heterogenen Projekten während der letzten Jahre entstanden sind. Die AG SDD hat in diesem Projekt in enger Abstimmung mit den technischen Partnern die auf Inhalte bezogenen Aufgaben übernommen. Dazu gehören Sichtung und Evaluierung der Projekte und ihrer Struktur, Prüfung der verfügbaren Katalog- und Beschreibungsdaten, ggf. Anpassung und Filterung für die im Portal üblichen Präsentationsstandards, eventuell Ergänzungen auf der Ebene der bibliografischen Beschreibung bzw. Sammlungsbeschreibung, Entwicklung von Konzepten zur Abbildung von Erschließungsinformationen außerhalb rein bibliographischer Metadaten (Strukturdaten), um nur die wichtigsten zu nennen.
Darüber hinaus unternehmen die Bibliotheken selbst Anstrengungen, mit eigenen Digitalisierungsprojekten die Verfügbarkeit ihrer Bestände über das Internet zu erhöhen.

6. Öffentlichkeitsarbeit und Benutzung

Erfreulicherweise zieht die kontinuierliche Erwerbungstätigkeit ein stetiges Interesse der Öffentlichkeit an den Sammlungen nach sich. Dieses äußert sich nicht nur in der Benutzung von Beständen in den Bibliotheken vor Ort - die HAB Wolfenbüttel zählte 2005 weit mehr als 300 Ausleihen in die Lesesäle, an der SUB Göttingen waren es sogar mehr als 600 Benutzungsfälle - sondern auch durch Fernleih- und Reproduktionsaufträge von außerhalb. Regelmäßig werden Bestände der SDD-Bibliotheken für Ausstellungen erbeten: Mit Drucken aus der SB Berlin z.B. wurden die Ausstellungen "Mehr als Märchen - Leben und Werk von Hans Christian Andersen" in der LB Oldenburg und die Präsentation "Zauber des Orients. Kaiser Wilhelm II. im Osmanischen Reich" in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Berlin-Brandenburg, unterstützt. Die DNB hat in mehreren eigenen Ausstellungen interessante Ausschnitte ihrer Sammlungen präsentiert, etwa zur "Buchgestaltung im Exil 1933 - 1950" in Leipzig oder unter dem Titel "Ich reise durch die Welt - Die Zeichnerin und Publizistin Erna Pinner" in Frankfurt/Main.
Beworben und öffentlich bekannt gemacht wurde 2005 auch das Projekt zvdd, u.a. durch einen von der HAB Wolfenbüttel entworfenen und produzierten Flyer.

7. Bestandserhaltung

Erhebliche Anstrengungen zur Abwendung von Bestandsschäden durch saures Papier werden von der DNB unternommen. 2005 konnten 16 Tonnen Material - das entspricht der Menge von 60.000 Büchern - entsäuert werden. Diese Aktion wurde durch weitere bestandserhaltende Maßnahmen auch im Sinne der Schadensprävention flankiert. Reparaturen und Schritte zur Sicherung von Beständen werden selbstverständlich auch in den anderen Häusern gemacht (z.B. SUB Göttingen: 28 Reparaturen durch die hauseigene Buchbinderei).

8. Fazit

Nach wie vor bleibt die AG SDD den am Beginn der gemeinsamen Projektarbeit formulierten Zielvorstellungen verpflichtet. Priorität behalten demnach die Beschaffung von Originalausgaben und ihre Bereitstellung für die Benutzung. Mit jedem einzelnen Titel kann so eine kleine Lücke im kulturellen Gedächtnis geschlossen werden. Darüber hinaus wird sich die AG SDD als eine etablierte bibliothekarische, nationale Institution mit umfassender Zuständigkeit für den Gesamtbereich des gedruckten Buches von Gutenberg bis heute auch neuen Aufgaben stellen, die sich durch veränderte Rahmenbedingungen und neue technische Möglichkeiten ergeben: die redaktionelle Mitarbeit im Projekt zvdd weist in diese Richtung.



¹Gemäß den Erwerbungsrichtlinien der AG SDD sammelt die BSB München Musikalien des 15.-18. Jahrhunderts. Von den Musik-Erwerbungen des Jahres 2005 stammen die meisten aus dem 18. Jahrhundert.
 
E-Mail-IconAnnette Wehmeyer