Von Thomas De Aquino bis Willy Brandt

Jahresbericht 2002 der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke

Allgemeines

Die Bibliotheken der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) haben die Aufgabe, alle im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke zu sammeln sowie außerhalb dieses Gebiets alle Publikationen, die in deutscher Sprache verfasst sind. Diese retrospektive Bestandsergänzung soll die erheblichen Lücken an älterer Literatur im deutschen Bibliothekswesen kontinuierlich verkleinern und eines Tages vollständig schließen. Die Deutsche Bibliothek sammelt ab 1913 fortlaufend die Neuerscheinungen des o. a. Bereichs. Daneben ergänzt sie ihre Bestände retrospektiv, um Lücken zu schließen und ihre Sammlung Exilliteratur und das Deutsche Exilarchiv 1933 - 1945 zu vervollständigen. Nur auf diese retrospektiven Erwerbungen beziehen sich im Folgenden die Angaben für Die Deutsche Bibliothek.

In der AG SDD sind die folgenden Bibliotheken für das jeweils angegebene Zeitsegment zuständig:

1450 - 1600 Bayerische Staatsbibliothek München (BSB)
1601 - 1700 Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB)
1701 - 1800 Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB)
1801 - 1870 Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg
1871 - 1912 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (SBB)
1913 ff. Die Deutsche Bibliothek


Dieser gemeinsame Jahresbericht beruht auf den Jahresberichten der teilnehmenden Bibliotheken, aus denen auch die Zitate stammen. Er wurde an der BSB erstellt, die gegenwärtig den Vorsitz in der AG SDD führt.

Erwerbungen

Tabelle 1: Gesamtzugang

Bibliothek Originalausgaben, bibliographische
Einheiten
Originalausgaben,
physische
Einheiten
Sekundärformen
physische
Einheiten
2002 2001 2002 2001 2002 2001
BSB 288 253 214 198 1.100 0
HAB 637 650 428 602 3 18
SUB 505 535 552 594 2 74
StUB & SeB 763 465 858 502 239 0
SBB 1.426 2.123 1.426 2.123 13 67
Die Dt. Bibl. 2.761 1.867 2.761 1.867 0 0
Summe 6.380 5.893 6.239 5.886 1.357 159

Die Bibliotheken erwarben die Drucke auf dem deutschen und internationalen Antiquariats- und Auktionsmarkt, gelegentlich auch von Privatanbietern; von letzteren kauften nur Göttingen und Frankfurt in nennenswertem Umfang (5,7 % bzw. 23,6 %). Dafür wurden folgende Summen aufgewendet:

Tabelle 2: Gesamtausgaben Kauf

Bibliothek
2001 2002 + / -
BSB 281.187 255.559 +10,0%
HAB 201.106 243.829 -17,5%
SUB 149.860 156.285 -4,1%
StUB & SeB 123.407 131.017 -5,8%
SBB 96.620 122.038 -24,1%
Die Dt. Bibl. 76.709 41.127 +86,5%
Summe 924.889 949.855 -2,6%

Die Angaben enthalten die Kaufpreise für antiquarische Originale und für Sekundärformen, jedoch keine Einband- und Restaurierungskosten. Die Vergleichszahlen von 2001 wurden in Euro umgerechnet.

Die Zahl der erworbenen Drucke nahm zu, hauptsächlich durch die Steigerung in Der Deutschen Bibliothek, daneben konnten auch Frankfurt und München zulegen. Die Ausgaben stiegen nur bei BSB und Der Deutschen Bibliothek, insgesamt gingen sie zurück. Dass trotzdem mehr Einheiten als im Vorjahr erworben werden konnten, beruht auf einem Rückgang der Durchschnittspreise bei mehreren Bibliotheken. Dies ist jedoch nicht der allgemeinen Preissituation zu verdanken, sondern speziellen preiswerten Kaufgelegenheiten, die sich einigen Bibliotheken boten.

Primär erwerben die SDD-Bibliotheken Originalausgaben, um über die bloße Textüberlieferung hinaus Drucke zu erhalten, die z. B. durch Einband, Provenienz, Typographie oder Illustration zu kulturgeschichtlichen Dokumenten geworden sind. Sekundärformen, z. B. Mikrofiches oder Reprints, werden nur ersatzweise gekauft, was deren geringere Zahl erklärt; auch wurde dafür nur ein kleiner Teil der in Tabelle 2 aufgeführten Mittel ausgegeben. Der starke Anstieg bei der BSB beruht auf 1.100 Mikrofilmen von Drucken aus polnischen Bibliotheken, welche die BSB als Partnerbibliothek des deutsch-polnischen Gemeinschaftsprojekts Verbesserung der Zugänglichkeit und des Schutzes von Druckwerken im Schnittfeld polnischer und deutscher Kultur in polnischen Bibliotheken erhielt. Die StUB erwarb 239 Mikrofiches der Sammlung Deutsche Kulturzeitschriften des 19. Jahrhunderts. Auch im Jahr 2002 konnten wieder mehrere Geschenke die Käufe der SDD ergänzen.

Tabelle 3: Fächerstatistik der Zeitsegemente 1450 - 1912

Fach BSB
1450 - 1600
HAB
1601 - 1700
SUB
1701 - 1800
StUB & SeB
1801 - 1870
SBB
1871 - 1912
Allgemeines 2 2 20 4 36
Philosophie 6 17 10 9 29
Psychologie 1 0 1 1 4
Religion, Theologie 73 171 111 35 51
Erziehung, Bildung 5 4 7 9 19
Gesellschaft 9 4 17 1 4
Politik, Verwaltung, Militär 10 35 15 1 17
Wirtschaft, Arbeit 0 3 10 2 50
Recht 49 22 8 9 30
Naturwissenschaften allgemein 1 5 0 5 4
Mathematik, Informatik 1 5 13 16 3
Physik, Astronomie 4 4 3 11 0
Chemie 0 4 1 8 13
Geowissenschaften, Bergbau 0 3 2 4 2
Biologie 3 4 3 31 6
Medizin, Tiermedizin 3 39 55 59 35
Technik 0 1 12 11 130
Land-, Forst- , Hauswirtschaft 1 0 21 46 60
Bildende Kunst, Architektur 0 6 6 16 53
Musik, Noten, Theater 10 0 1 2 478
Sport, Spiele 0 0 2 0 12
Allgemeine Philologie 0 2 0 6 4
Englische Philologie 0 0 12 16 32
Deutsche Philologie 3 32 98 328 88
Romanische Philologie 0 5 24 14 23
Klassische Philologie 23 10 6 3 18
Philologie sonstiger Sprachen 0 0 7 9 12
Geschichte 9 17 69 183 58
Geographie, Karten 1 3 18 19 51
Gesamt 214 398 552 858 1.322

In Tabelle 3 wurden nur die erworbenen Originale ausgewertet, keine Sekundärformen. Aus statistischen Gründen konnte nicht bei allen Bibliotheken das gesamte Erwerbungsvolumen erfasst werden, sodass die Gesamtsummen nicht immer denen der ersten Tabelle entsprechen. Die Fächereinteilung folgt mit einigen Vereinfachungen der Deutschen Bibliotheksstatistik.

Die fortlaufende Zunahme der Gesamtzahlen entspricht der steigenden Literaturproduktion, deren Umfang bei den einzelnen Fächern aber wegen des unterschiedlichen Antiquariatsangebots nicht immer zum Ausdruck kommt. So verursacht bei der Literatur früherer Jahrhunderte der enge Markt häufig statistische Ausschläge, z. B. ist bei BSB und HAB Recht überproportional vertreten, weil die BSB eine Sammlung von 40 Einblattdrucken österreichischer Verordnungen kaufte und die HAB ein umfangreiches Konvolut juristischer Hochschulschriften. Von 1701 bis 1870 gehen die philosophischen Werke zurück, weil 2002 zu wenige brauchbare Titel angeboten wurden - nicht etwa weil die Publikation philosophischer Schriften ab 1701 nachgelassen hätte.

Zeitgenössische Buchproduktion und SDD-Erwerbungen können sich aber auch entsprechen, z. B. bei der Vorrangstellung der Theologie in den ersten drei Zeitsegmenten, der Zunahme der technischen Literatur bis zum Spitzenwert der SBB oder der beherrschenden Stellung der Klassischen Philologie im Zeitalter des Humanismus (BSB). Die im Fach Musik enthaltenen Notendrucke werden 1450 - 1800 von der BSB, 1801 - 1945 von der SBB gesammelt. Dies führt bei beiden Bibliotheken zu höheren Zahlen, die bei der BSB allerdings niedriger als sonst sind, weil der Kauf von zwei äußerst seltenen und entsprechend teueren Notendrucken nur wenig Spielraum für weitere Erwerbungen ließ. Die hohe Zahl der StUB bei der Deutschen Philologie beruht darauf, dass die Bibliothek hier einen fachlichen Schwerpunkt setzt, der ihrer Tradition und einem DFG-Sammelschwerpunkt entspricht wie überhaupt bei allen Bibliotheken die Titel der SDD oft eine ideale Rückergänzung zu den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sammelschwerpunkten sind.

Insgesamt zeigt diese Tabelle, wie die Bibliotheken die Möglichkeiten des Antiquariatsmarktes genutzt haben, um ein vielfältiges Erwerbungsspektrum zu gestalten, das alle im Berichtsjahr angebotenen Wissensgebiete umfasst.

Erwerbungsbeispiele

15. Jahrhundert (BSB München)

Thomas de Aquino: De arte et vero modo praedicandi. Urach um 1480/81.
CR 542. Gedruckt von Conrad Fyner, dem einzigen Inkunabeldrucker Urachs. Aus der Sammlung Estelle Doheny.

Culmacher, Philippus: Elixir vite philosophice ingeniatum. Leipzig um 1495.
GW 7844, nur noch ein weiteres Exemplar bekannt. Culmacher, ein Arzt aus Eger, preist hier ein gegen alle Krankheiten nützliches Elixier an. Der Verfasser wurde hauptsächlich durch sein "Regimen wider die Pestilenz" bekannt, das die BSB ebenfalls besitzt.

16. Jahrhundert (BSB München)

Geiler von Kaysersberg, Johannes: Der text des passions oder lydens christi. Straßburg 1509.
Mit 25 großen Holzschnitten von Urs Graf. Dessen eindrucksvolle Passionsfolge schließt ein Holzschnitt von Hans Wechtlin mit der Auferstehung ab. Wechtlin zeigt den Auferstandenen als Renaissance-Heros, während die Drucke Grafs noch am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance stehen. Mit dem Kauf wurde ein Kriegsverlust ersetzt.

Vogter, Bartholomaeus: Wie mann alle gepresten unnd kranckheyten des menschlichen leybs ...; vertreyben soll. Augsburg 1547.
Bedeutendes Werk über die Destillation und Herstellung von Pflanzenextrakten. Enthält auch Beiträge über Augenkrankheiten, z. B. den Grauen Star. Vogter war Augenarzt in Dillingen und Leibarzt des Bischofs von Augsburg.

Cocles, Bartolommeo della Rocca: Physiognomiae et Chiromantiae Compendium. Straßburg 1555.
15 Holzschnitte mit Physiognomien und 70 mit Handflächen illustrieren dieses Buch über Charakter- und Zukunftsdeutung. Sehr gute Ergänzung zu der 1990 erworbenen Physiognomonia Giovanni Battista della Portas.

17. Jahrhundert (HAB Wolfenbüttel)

Hofmann, Augustin: Speculum Poenitentiae, Das ist das Leben Mariae Magdalenae. Überlingen 1603.
Seltener Bußspiegel aus der Offizin Neukirch, der ersten Überlinger Druckerei. Eine erste Ausgabe erschien 1597. Unter dem 1600 zum Fürstabt gewählten Augustin Hofmann entstand dann diese 2. Ausgabe mit Illustrationen des Schweizer Kupferstechers Martini; sie gelten heute als dessen wichtigstes Werk.

Wickram, Jörg: Der Goldtfaden: Eine Schöne, Liebliche unnd kurtzweilige Historia, von eines Armen Hirten Sohn, Löwfried genandt. Straßburg 1626.
Nach dem Rollwagenbüchlein die populärste literarische Arbeit Wickrams. Das von Privat erworbene, sehr gut erhaltene Exemplar ist das einzig bekannte dieser Ausgabe.

Bitterkraut, Johann Christoph: Wehmühtige Klag-Thränen Der Löblichen höchst-betrangten Arzney-Kunst. Nürnberg 1677.
Einzige Ausgabe dieses für die Medizin- und Kulturgeschichte des Barocks hochinteressanten Werkes, verfasst von dem Steyrischen Stadtarzt Bitterkraut, der sich in barocker Gelehrsamkeit, aber auch mit bildreichen Schimpfworten gegen die Kurpfuschereien seines Berufsstandes wendet.

18. Jahrhundert (SUB Göttingen)

Defoe, Daniel: Die wunderbare Lebensbeschreibung, und Erstaunliche Begebenheiten des berühmten Helden Robinson Crusoe, Welcher 28 Jahre auf einer Unbewohnten Insel wohnete, die er nachderhand Bevölkert hat. Philadelphia 1789.
Wichtiges Germanicum-Americanum, das bestens in die große Göttinger Sammlung passt. Zweite Auflage dieser wohl ersten in Amerika gedruckten Ausgabe des Klassikers.

Braun, Johann: Deutsche und Französische Vorschriften ...; Exemplaire de L'Ecriture Francoise et Allemande. Mulhouse 1793.
In Ergänzung des Sondersammelgebiets Buchwesen erworbenes seltenes Schreibmeisterbuch des Elsässers Jean Braun mit 14 Kupferstichen. Dargestellt werden u .a. die Kurrent-, Kanzlei- und Frakturschrift sowie ein Initial-Alphabet.

Schlez, Johann Ferdinand (Hrsg.): Fliegende Volksblätter schädlicher, oder doch geschmackloser Volkslesereyen. 3 Bde. Bayreuth 1797 1805.
Sammlung von 22 Volksschriften, die vom Verlag auch einzeln verkauft wurden. So vollständig in keiner anderen deutschen Bibliothek nachweisbar.

1801 - 1870 (StUB Frankfurt am Main & SeB)

Gottlieb, G. A.: Nachrichten und Erfahrungen über die vereinigten Staaten von America. Frankfurt a. M. 1812.
Erste Ausgabe. Gottlieb schildert die Überfahrt von Amsterdam und seine Ankunft in Philadelphia; er berichtet ausführlich über Land, Leute, Wirtschaft und deutsche Auswanderer.

Reinhart, Johann Christian: Italiänische Landschaften. Frankfurt a. M. ca. 1820.
Mit 17 Originalradierungen. Der bedeutende Hofer Landschaftsmaler und Radierer Reinhart verbrachte viele Jahre in Rom und wurde dort zum ersten deutschen Künstler des Landschaftsfachs.

Cuvier, George: Synoptischer Atlas der Zoologie. Weimar 1842.
Einteilung des Tierreiches nach den Vorstellungen Cuviers.

1871 - 1912 (SBB Berlin)

Crimmitschau. Zwickau um 1870.
Kolorierte Lithographie mit 41 Ansichten auf einem Blatt.

Anekdoten-Schatz: tausend und ein heitere Geschichten, Anekdoten, Scherze, Witzworte, Charakterzüge berühmter Personen, Abenteuer etc. etc.; ein humoristischer Hausschatz für Haus und Familie, für Jung und Alt. Milwaukee 1891.
In Deutschland bisher nicht nachweisbarer Druck deutschsprachiger Auswanderer nach Amerika.

Der praktische Maschinenbauer: ein Hand- und Lehrbuch für den modernen Maschinenbau sowie die Gewinnung und Verarbeitung der Metalle / Unter Mitw. Von Fr. Liebetanz und William Hessel hrsg. von G. Ripke. 4., verm. Aufl. Bd. 1 - 2 und Modellatlas. Leipzig 1908 - 1909.
Mit zahlreichen Illustrationen, graphischen Darstellungen und Modellen. Innerhalb weniger Jahre erlebte das seit 1902 erscheinende Werk die 4. Auflage, die gegenüber den früheren deutlich vermehrt ist.

1913 ff. (Die Deutsche Bibliothek, Leipzig, Frankfurt a. M., Berlin)

Musil, Robert: Vereinigungen: 2 Erzählungen. Wien 1936.
Exemplar der nach 1933 von der Wiener Musil-Gesellschaft erworbenen Restauflage der Erstausgabe (München, Leipzig 1911). Titelschild auf dem Vorderdeckel mit dem Wiener Impressum überklebt.

Für die Sammlungen der Exilliteratur wurden bisher kaum bekannte Schriften Willy Brandts erworben:
Brandt, Willy: Stormaktenes krigsmal og det nye Europa. Oslo, Kobenhavn 1940.
Diese Ausgabe von "Das Kriegsziel der Großmächte" wurde bei der deutschen Besetzung Norwegens makuliert; bisher sind nur vier Exemplare nachgewiesen.

Brandt, Willy: Norway does not yield. New York 1941.
Im Vorwort dieser anonym erschienenen Ausgabe von Norwegen unter dem Hakenkreuz" steht: The author, who is still rendering service to the active fight against Hitler from a vantage point in Scandinavia must, of necessity, remain nameless.

Antiquariatsmarkt und Preise

Der internationale Antiquariats- und Auktionsmarkt verfügte wieder über ein reichhaltiges Angebot. Mehrere Bibliotheken intensivierten ihre Beziehungen zu Antiquariaten, die ihnen gezielte Angebote unterbreiten und damit helfen, die Erwerbung zu rationalisieren. Diese Offerten beziehen sich entweder auf das jeweilige Zeitsegment oder auf einzelne Titel, die die Antiquare selbst in den gedruckten oder maschinenlesbaren Bibliothekskatalogen recherchiert haben.

Der Euro wurde nicht durchweg zum "Teuro", aber bei interessanten Titeln wurde die Umstellung "eins zu eins" vom Handel kühl kalkuliert und von den Käufern auch akzeptiert. Dies war besonders auf Auktionen zu beobachten, wo es die Teilnehmer in der Hand gehabt hätten, niedrigere Preise durch ihr Bietverhalten zu erzwingen. Allerdings wurde nicht jeder Preis bezahlt, insbesondere gab es bei den überteuerten Angeboten der Antiquariatsmessen, bei zu hoch angesetzten Auktionsaufrufen und bei nicht einwandfreien Exemplaren zahlreiche Rückgänge. Auch die SDD-Bibliotheken kauften in dieser Situation besonders preiskritisch.

Erschließung und Digitalisierung

Alle antiquarischen Neuerwerbungen werden seit Beginn des Projekts in den zuständigen Verbunddatenbanken nachgewiesen. Außerdem werden sie in den einschlägigen Spezialverzeichnissen erfaßt, z. B. im Incunabula Short Title Catalogue (ISTC), im Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des XVI. Jahrhunderts (VD 16), im Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des XVII. Jahrhunderts (VD 17) oder in der Zeitschriftendatenbank (ZDB).

Die SDD-Bibliotheken sind an mehreren Digitalisierungsprojekten beteiligt, in die auch die Neuerwerbungen aufgenommen werden, z. B.: Druckgraphische Buchillustrationen (BSB), Document Type Definitions zur Erschließung barocktypischer Gattungen im Internet (HAB), Itineraria und Nordamerikana (SUB), Digitalisierung Jiddischer Drucke (StUB), Musikdrucke (SBB), Exilpresse digital (Die Deutsche Bibliothek).

Benutzung, Bestandserhaltung und Öffentlichkeitsarbeit

Die neu erworbenen Drucke stießen in allen Bibliotheken auf reges Interesse der Benutzer. Besonders geschätzt waren die Bücher der SDD als Leihgaben für Ausstellungen. Die notwendigen Restaurierungs- und Bindearbeiten wurden durchgeführt, vom Säurefraß bedrohte Bestände des 19. und 20. Jahrhunderts entsäuert und bei Bedarf verfilmt.

Die Referentinnen und Referenten der beteiligten Bibliotheken informierten in Vorträgen und Aufsätzen über die Sammlung Deutscher Drucke. Die HAB zeigte die Ausstellung Auf den Spuren der Bücher. Provenienz- und Widmungsexemplare aus Erwerbungen der Sammlung Deutscher Drucke 1601 - 1700. Auch mehrere andere SDD-Bibliotheken bereicherten ihre Ausstellungen mit Exponaten der Sammlung Deutscher Drucke.

Obwohl die Erwerbungsmittel in vier Bibliotheken zurückgingen, bot das Jahr 2002 insgesamt Rahmenbedingungen, unter denen die Bibliotheken der AGSDD den Aufbau einer virtuellen Nationalbibliothek erfolgreich fortsetzen konnten.

 
E-Mail-IconDr. Thomas Stäcker