Ausgewählte Erwerbungen

Herzog August Bibliothek

Abbildung einer Ausgabe des Simplicissimus von Grimmelshausen aus dem Jahre 1669 Vollansicht

Hans Jakob Christoffel Grimmelshausen: Neueingerichter und vielverbesserter Abentheurlicher Simplicissimus.
Mompelgart [i.e. Frankfurt am Main]: Fillion [i.e. Müller] 1669. Signatur: Rara Xb 3855

Grimmelshausens (1622 - 1676) abenteuerliche Schilderung des unsteten und aufregenden Lebens seines Helden Simplicissimus in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wird heute als der bedeutendste Roman des deutschen Barock eingeschätzt. Verfasser und Werk verdienen ohne Frage besondere Aufmerksamkeit der Sammlung Deutscher Drucke 1601 - 1700. Die im historischen Altbestand der Herzog August Bibliothek vorhandene Erstausgabe von 1668 hatte unerwartet und unmittelbar großen Erfolg und kam bis 1684 noch siebenmal zum Druck. Die Wolfenbütteler Bibliothek besitzt von diesem Epochenroman der deutschen Literaturgeschichte drei zeitgenössische Ausgaben, von der Sammlung Deutscher Drucke erworben wurde der 1669 gedruckte heute sog. Schulmeister-Simplicissimus: eine nach den neuen Rechtschreibregeln der Gueintzschen Schriftreform orthographisch normierte vierte Ausgabe.

 

Abbildung einer Ausgabe von Wickram, Goldtfaden Vollansicht

Jörg Wickram: Der Goldtfaden. Eine Schöne/ Liebliche vnnd kurtzweilige Historia/ von eines Armen Hirten Sohn/ Löwfried genandt. Straßburg: Heyden 1626.
Signatur HAB: Xb 6939

Der Goldtfaden ist nach dem Rollwagenbüchlein die populärste literarische Arbeit des bedeutenden, aber biographisch wenig bekannten Colmarer Autors Jörg Wickram (ca. 1505-1562). Der Roman erzählt die Geschichte des Hirtensohns Lewfried, der entgegen aller ständischen Konventionen aufgrund seines vorbildlichen und ritterlichen Verhaltens geadelt wird. Wickram entwickelt einen Reigen unterschiedlicher Erzählstile vom Volksbuch bis zum höfischen Roman.

Nach der 1557 erschienenen Erstausgabe und zwei weiteren Auflagen im 16. Jahrhundert, sind für das 17. Jahrhundert sieben Auflagen zu ermitteln, die jedoch zum grössten Teil infolge von Kriegseinwirkungen verloren gegangen sind. Die von der Sammlung Deutscher Drucke aus Privatbesitz erworbene, sehr gut erhaltene Ausgabe von 1626 ist das einzige bislang bekannte Exemplar.

 

Abbildung von Crispin de Passe, Le Miroir des plus Belles Covrtisannes De Ce Temps Vollansicht

Crispin de Passe: Le Miroir des plus Belles Covrtisannes De Ce Temps. [...]
Spieghel der Allerschónsten Covrtisannen Diser Zeyt. [Amsterdam]: Autor 1631.
Signatur: Xb 6985

Dieses Werk über die "allerschönsten Kurtisanen dieser Zeit" stellt eine interessante Quelle zur Kulturgeschichte wie auch zur Sozialgeschichte der Frühen Neuzeit dar. Das nur in wenigen Sammlungen vorhandene Buch enthält vierzig Kupferstiche des niederländischen Zeichners und Kupferstechers Crispin de Passe (1595-1670) und Verse in deutscher, französischer und niederländischer Sprache.

 

Abbildung einer Ausgabe von Johann Yetzeler, Tobias Vollansicht

Johann Yetzeler: Tobias, Gespilt vnd gehalten von einer Jungen Burgerschafft zu Schaffhausen. Lindau: Fuchs; Wolffensberger 1605.
Signatur HAB: Xb 8112

Tobias ist ein geistliches Drama in deutscher Sprache, das in dieser Bearbeitung von der Schaffhausener Jugend 1605 öffentlich aufgeführt wurde. Im gleichen Jahr hatte es der Schweizer Theologe Johann Yetzeler in Lindau am Bodensee zum Druck gebracht. Das voropitzianische Schauspiel konnte bislang in keiner deutschen Bibliothek nachgewiesen werden, es stammt aus der vor einigen Jahren aufgelösten Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen. Ob es sich um eine szenische Bearbeitung des von Jörg Wickram 1551 zum Druck gebrachten Stückes Ein schön und nutzlichs biblischs Spil von dem Tobia handelt, bleibt nun der germanistischen Forschung überlassen.

 

Abbildung einer Ausgabe von Johann Theodor de Bry, Proscenium vitæ humanæ siue Emblematvm Secvlarivm Vollansicht

Johann Theodor de Bry: Proscenium vitæ humanæ siue Emblematvm Secvlarivm, [...] Weltliche lustige newe Kunststück. Frankfurt a. M.: Fitzer 1627.
Signatur HAB: Xb 6550

Emblembücher zählen zu den besonders interessanten und begehrten Schriftengruppen des 17. Jahrhunderts. Neben weiteren zeittypischen Gattungen finden sie im Rahmen der Erwerbung der Sammlung Deutscher Drucke besondere Aufmerksamkeit. Das vorliegende - erstaunlich gut erhaltene - Emblembuch von dem Frankfurter Kupferstecher Theodor de Bry (1561 - 1632) ist heute in der dritten Ausgabe besonders selten in öffentlichen Sammlungen vertreten, nur ein weiteres Exemplar ist bekannt. Pfeil mehr Info

 

Abbildung einer Ausgabe von Johann van der Groen, Le Jardinier Hollandois Vollansicht

Johann van der Groen: Le Jardinier Hollandois, [...]  Der Niederländische Gärtner/ Das ist/ Eine Beschreibung allerhand Fürstlicher/ Herren Höfen/ und Lust-gärten/ und wie man dieselben mit vielen trefflichen Bäumen/ Blumen und Kräutern kan [...] zierlich anrichten. - Amsterdam: Doornick 1669/ 1670.
Signatur HAB: Xb 6544

Dieses reich illustrierte barocke Gartenbuch wurde in Amsterdam als französisch-deutsche Parallelausgabe gedruckt und ist nur noch in zwei anderen deutschen Bibliotheken nachweisbar. Die "Beschreibung allerhand Fürstlicher, Herren Höfen, und Lustgärten", die Johann von Groen, Gärtner des Prinzen von Oranien, vorlegt, enthält Ratschläge für den praktischen Gartenbau sowie Beispiele der Gestaltung von höfischen Gartenanlagen nach französischer und holländischer Art. Die zahlreichen enthaltenen Illustrationen stellen Pflanzen, Gartenanlagen, Brunnen, Sonnenuhren und anderes mehr im Bild dar.

 

Abbildung einer Ausgabe von Constantin Christian Dedekind, Aelbianische Musen-Lust Vollansicht

Constantin Christian Dedekind: Aelbianische Musen-Lust. Dresden: Seyfert [1657]
Signatur HAB: Xb 1693.1

Der Musiker und Dichter Constantin Christian Dedekind (1628-1715) lieferte mit dieser meisterhaften Lyriksammlung ein Spitzenstück der barocken Hofkultur Dresdens. Pfeil mehr Info

 

Abbildung einer Ausgabe von Francis Goodwin, Der fliegende Wandersmann nach dem Mond Vollansicht

Francis Goodwin: Der fliegende Wandersmann nach dem Mond. [Nürnberg?:] 1660
Signatur HAB: Xb 449 (1)

Der Weltraum und die Planeten, besonders der Mond, stellten immer schon Ziele von Entdeckungseifer und Neugier der Menschen dar. Ließen sich diese Welten noch lange nicht im Realen erreichen, versuchten die Literaten doch solche Reisesehnsucht im utopischen Roman zu stillen: Einen der ersten Raumfahrtromane verfasste der anglikanische Bischof Francis Godwin (1562-1633). Er beschreibt den abenteuerlichen Flug des Spaniers Domingo Gonsales von der Insel Teneriffa zum Mond - mittels eines beachtlichen  von Gänsen gezogenen Fluggeräts.

Die englische Erstausgabe von 1638 wurde später in andere europäische Sprachen übersetzt und - vermutlich am Wolfenbütteler Hof - aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt. Zu einer der ersten herausragenden Neuerwerbungen der Sammlung Deutscher Drucke 1601-1700 zählt die vorliegende 1660 wohl in Nürnberg gedruckte deutsche Ausgabe, die nur in wenigen Exemplaren überliefert ist.