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Willkommen bei der AG Sammlung Deutscher Drucke

In der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) kooperieren sechs Bibliotheken, um eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums vom Beginn des Buchdrucks bis in die Gegenwart aufzubauen, zu erschließen, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und für künftige Generationen zu bewahren.

Dadurch entsteht eine verteilte Nationalbibliothek, in der die beteiligten Bibliotheken für einzelne Zeitsegmente verantwortlich sind.

1450 - 1600 Bayerische Staatsbibliothek München (Notendrucke bis 1800) (Vorsitz)
1601 - 1700Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
1701 - 1800Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
1801 - 1870Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
1871 - 1912 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (Landkarten und Zeitungen: 1801 - 1912, Notendrucke: 1801 - 1945)
1913 ff.Deutsche Nationalbibliothek

Letzte Änderung: 01.09.2018

Buch des Monats September 2018:
Programmzettel des Wiener Hetzamphitheaters vom 30. April 1758 oder 1769.
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2018 D 2)

Programmzettel des Wiener Hetzamphitheaters vom 30. April 1758 oder 1769 Programmzettel des Wiener Hetzamphitheaters vom 30. April 1758 oder 1769. 
Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2018 D 2

"Dieses abscheuliche Schauspiel in Wien zu finden, und so großen Zulauf zu demselben zu finden, muß einen Fremden in Erstaunen setzen", urteilt Friedrich Nicolai (1733–1811) über die Wiener "Thierhetze" im vierten Band seiner "Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz, im Jahre 1781" (Berlin 1784, S. 630). Es sei "unbegreiflich, wie in Wien sogar Leute, die nicht zum Pöbel gehören, mit Wohlgefallen diese Grausamkeiten ansehen können […]. " (Ebd., S. 630–631.) "Diese Grausamkeiten" bezeichneten eine Veranstaltung im "k. k. privilegirten Hetzamphitheater", die Nicolai bei seinem Aufenthalt in Wien selbst besucht hatte und bei der verschiedene Tiere in einem Kampf auf Leben und Tod gegeneinander antreten mussten.

Der Franzose Carl Defraine (ca. 1727–1768) hatte 1755 die Erlaubnis zur Errichtung des hölzernen Amphitheaters erhalten, ebenso wie das Privileg, als einziger eine derartige Institution in Wien betreiben zu dürfen. Die Hetzen fanden von März bis November immer sonntags statt. Mit wöchentlichen Umzügen durch die Stadt, bei denen die Programmzettel verteilt wurden, wurde für die blutrünstige Veranstaltung geworben. Da das Geschäft mit den Tierkämpfen äußerst lukrativ war – die "Aufführungen" waren stets gut besucht –, wurde das Hetzamphitheater nach Defraines Tod unter die Verwaltung der "k. k. Obersten Hof-Theatral Direction" gestellt, die die Konzession für den Betrieb in den folgenden Jahren an verschiedene Pächter vergab. Am 3. September 1796 kam es nach 41-jährigem Bestehen des Hetzamphitheaters zu einem verheerenden Brand, nach dem das Theater nicht wieder aufgebaut wurde und die Wiener Hetzen damit ein Ende fanden.

Eine genaue zeitliche Verortung des vorliegenden Programmzettels ist nicht möglich: Zwar sind Monat, Tag und Wochentag angegeben, die Jahresangabe aber fehlt. Durch den Vergleich mit anderen erhaltenen Programmen wird ersichtlich, dass dieses Blatt vor 1775 gedruckt worden sein muss, weil spätestens ab diesem Zeitpunkt eine Vignette mit einem anderen Motiv genutzt wurde und sich das Hetzamphitheater nicht mehr nur als dasjenige "vor dem Stubenthore" bezeichnete, sondern sich den Zusatz "unter den Weißgärbern" (= in der Vorstadt Weißgerber) gab. Aus der Zeit vor 1775 sind bis auf dieses Exemplar keine weiteren Programmzettel bekannt; zwischen 1755 und 1775 gibt es damit jedoch immer noch zwei mögliche Jahre, nämlich 1758 und 1769, in denen der 30. April auf einen Sonntag fiel.

Treffender als der schon zitierte Zeit- und Augenzeuge Nicolai kann man die Wiener Hetzen im Übrigen kaum beurteilen: "Es wurde ein zahmes Schwein und mit ihm zwey hungrige Wölfe hervorgebracht, welche das Schwein in Gegenwart aller Zuschauer lebendig auffraßen. […] Dieser schändliche Auftritt war in dem Anschlagszettel folgendermaßen beschrieben: "Die Raubwölfe werden auf lächerliche Art ihren Raub nehmen." Man muß wahrhaftig eine Hetzmeisterseele haben, um nur einen solchen Auftritt zu erdenken, geschweige darüber witzeln zu wollen." (Ebd., S. 637–638.)

Buch des Monats August 2018:
Ballett, Welches von der Sämptlichen Braunschweig-Lüneburgischen Jungen Herrschafft Zu Ehren/ und in Gegenwart Des Durchleichtigsten Fürsten und Herren/ Herrn Julij Frantz, Hertzogen zu Sachsen/ Engern und Westphaln, wie auch deroselben Hoch-Fürstlichen Gemahlin […] Zu Wolffenbüttel/ Auff dem Fürstl. Residentz Hause gehalten worden. [Wolfenbüttel 1671?]. 14 ungezählte Seiten, 4° [Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 10622]

Titelblatt  "Ballet" Ballett, Welches von der Sämptlichen Braunschweig-Lüneburgischen Jungen Herrschafft Zu Ehren/ und in Gegenwart Des Durchleichtigsten Fürsten und Herren/ Herrn Julij Frantz, Hertzogen zu Sachsen/ Engern und Westphaln, wie auch deroselben Hoch-Fürstlichen Gemahlin […] Zu Wolffenbüttel/ Auff dem Fürstl. Residentz Hause gehalten worden. [Wolfenbüttel 1671?]. 14 ungezählte Seiten, 4° [Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 10622]

Beim Besuch von Herzog Julius Franz (1641-1689) und seiner Gemahlin Maria Hedwig Augusta von Sachsen-Lauenburg (1650-1681) in Wolfenbüttel führten am 8. Dezember 1671 "sämtliche junge Herrschaften zu Braunschweig-Lüneburg" ein Ballett zu Ehren der Gäste auf. Ein kleines Heftchen im Quartformat verzeichnet die 17 Entrées, Rollen und Namen der Tänzer. Das Druckwerk gilt aktuell als unikal überliefert und ist damit eine wichtige Quelle – nicht nur für die Tanzdarbietung dieses Tages in Wolfenbüttel, sondern darüber hinaus auch als Zeugnis der höfischen Tanzkultur insgesamt.
Diese entwickelte sich im Laufe des 17. Jahrhunderts auch im deutschen Sprachraum nach französischem Vorbild zu einem beliebten Medium der Repräsentation. Tatsächlich war es üblich, dass die Mitglieder der fürstlichen Familien in den Aufführungen selbst mittanzten und Tanzunterricht daher selbstverständlich zur Ausbildung der jungen Adeligen gehörte. Der Wolfenbütteler Hof verfügte im Besonderen über eine lange Tradition der Tanzdarbietungen, die zu Lebzeiten Anton Ulrichs (1633-1714) zur Blüte gelangte. Gleich mehrere Ballett-Dichtungen aus seiner Feder sind überliefert.
Die anonym publizierte Aufführung von 1671 vereint zeittypisch allegorische und mythologische Elemente: Als Götterbote leitet Merkur die Aufführung ein. Bauern und Bürger, Handwerker, Künstler und verschiedenen höfischen Gefolgsleuten machen dem Besucherpaar nach und nach ihre Aufwartung. Unter ihnen tritt auch der Erbprinz August Friedrich (1657-1676) in der Rolle des Sonnengottes Apoll im Tanz mit der Personifikation des Friedens auf, welcher so als conditio sine qua non für das Wohl der Künste figuriert. Die bislang nur in diesem Exemplar bekannte Schrift konnte aus einem US-amerikanischen Fachantiquariat für die Sammlung Deutscher Drucke 1601-1700 erworben werden.

Buch des Monats Juli 2018:
Jörg Wickram: Der Goldfaden. Ein gantz lieblich und kurtzweilige History, von eines Armen Hirten Son, Lewfrid genant, welcher auß fleissigem Studieren, Dienstbarkeit und seinen Ritterlichen Thaten eines Graven Tochter uberkam […]. – Frankfurt am Main : Weigand Han, um 1560]. – [135] Bl., Titelholzschnitt, Textholzschnitte
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/P.o.germ. 2107 p)

Titelblatt Jörg Wickram: Der Goldfaden. Jörg Wickram: Der Goldfaden. Ein gantz lieblich und kurtzweilige History, von eines Armen Hirten Son, Lewfrid genant, welcher auß fleissigem Studieren, Dienstbarkeit und seinen Ritterlichen Thaten eines Graven Tochter uberkam […]. – Frankfurt am Main : Weigand Han, um 1560]. – [135] Bl., Titelholzschnitt, Textholzschnitte
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/P.o.germ. 2107 p)

"Der Goldfaden", einer der beliebtesten Prosaromane des 16. Jahrhunderts, schildert den sozialen Aufstieg des armen Hirtensohnes Lewfrid, der aufgrund seiner ritterlichen Tugenden und heldenhaften Taten geadelt wird, die Tochter eines Grafen ehelicht und als Herr über die Grafschaft ein gottgefälliges Leben führt.
Lewfrid, der seinen Namen einem bei der Herde seines Vaters auftauchenden zahmen Löwen verdankt, wird von dem Kaufmann Hermanus und dessen Frau aufgezogen. Als er sich in die Dienste eines Grafen begibt, macht dieser ihn aufgrund seines schönen Gesangs zum Diener seiner Tochter Angliana. Lewfrid verliebt sich in die Grafentochter, die ihm zur Prüfung seiner Liebe einen Goldfaden zur Aufbewahrung schenkt. Lewfrid näht sich diesen als Liebespfand in eine Wunde auf seiner Brust ein und gewinnt so die Liebe der Grafentochter. Aufgrund des Standesunterschieds bedarf es jedoch erst zahlreicher Bewährungsproben, anhand derer sich Lewfrid über alle Standesgrenzen hinweg als der gräflichen Familie ebenbürtig erweist, die Achtung und Zustimmung des Grafen gewinnt und schließlich die Hand Anglianas erlangt. Nach dem Dahinscheiden des Grafen wird Lewfrid Herr über die Grafschaft.

"Der Goldfaden" kennzeichnet die Entwicklung der höfischen Erzählweise hin zum deutschen bürgerlichen Prosaroman. In einer Aneinanderreihung einzelner Episoden, Elementen des höfisch-ritterlichen Romans sowie von Liedeinlagen im Stil des Meistersangs wird anhand des Werdegangs Lewfrids dargestellt, wie der Tugendadel an die Stelle des Adels von Geblüt tritt. Clemens Brentano, der das Werk als "kulturhistorisches Dokument" schätzte, veranlasste 1809 eine Neuausgabe.

"Der Goldfaden" ist das zweite größere Prosawerk des Colmarer Autors Jörg Wickram (um 1505-um 1562), der insbesondere als Verfasser der Schwanksammlung "Rollwagenbüchlein" (1555) bekannt wurde und in seinen späteren Lebensjahren als Stadtschreiber in Burkheim wirkte.

Buch des Monats Juni 2018:
Hector Berlioz: Symphonie fantastique : op.14 : Autograph Bibliothèque nationale de France / Hector Berlioz ; commentary by Hugh Macdonald. – Kassel : Bärenreiter, 2017. – 1 Partitur (292, 12 Seiten) ISBN 978-3-7618-1601-1 Halbleder
(Als Pflichtexemplar erworben im Deutschen Musikarchiv der Deutschen Nationalbibliothek; Signatur M 2018 CC 28, IDN 1155865391)

Cover des Buchs: Hector Berlioz: Symphonie fantastique Hector Berlioz: Symphonie fantastique : op.14 : Autograph Bibliothèque nationale de France  / Hector Berlioz ; commentary by Hugh Macdonald. – Kassel : Bärenreiter, 2017. – 1 Partitur (292, 12 Seiten) ISBN 978-3-7618-1601-1 Halbleder
(Als Pflichtexemplar erworben im Deutschen Musikarchiv der Deutschen Nationalbibliothek; Signatur M 2018 CC 28, IDN 1155865391)

Dieses hochwertige Faksimile der autographen Partitur von Berlioz` Symphonie fantastique ist als Pflichterwerbung in die Sammlung des Deutschen Musikarchivs der Deutschen Nationalbibliothek eingegangen.

"Liebe und Wahn, Zartes und Derbes bis hin zur Groteske – Hector Berlioz ließ kein Extrem aus, weder in seinem Leben noch in seinem Werk. Eine umschwärmte Frau durchzieht als musikalische "Idée fixe" die Symphonie fantastique: ein Werk, das dem Komponisten zum Durchbruch verhalf und bis heute ungebrochen populär ist.
Gleichzeitig wirkte die meisterliche Kompositionsweise, besonders die originelle Instrumentation, bis ins 20. Jahrhundert hinein. Bis zur endgültigen Fassung nahm Berlioz über mehrere Jahre Revisionen vor.
In die autographe Partitur, die auch bei Aufführungen benutzt wurde, fügte er viele dieser Änderungen dadurch ein, dass er die jeweiligen Takte oder Stimmen mit Papierstreifen überklebte.
Das Faksimile im hochwertigen Vierfarbdruck gibt die Handschrift so wieder, wie sie heute vorliegt: mit den Papierstreifen, die sich aufklappen lassen, sodass beide Versionen sichtbar sind.

Hugh Macdonald, General Editor Hder Neuen Berlioz-Ausgabe, erläutert die Entstehung des Werkes und stellt besondere Stellen jedes Satzes exemplarisch vor."
Quelle https://www.baerenreiter.com/shop/product/details/BVK1601/

Buch des Monats Mai 2018:
August Endell: Um die Schönheit. Eine Paraphrase über die Münchener Kunstausstellungen 1896. – 2. Auflage, 2. u. 3. Tausend. – München : Franke & Haushalter, 1896. – 29 Seiten.
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin, Sammlung Graham Dry)

Titelblatt: August Endell: Um die Schönheit. Eine Paraphrase über die Münchener Kunstausstellungen 1896 August Endell: Um die Schönheit. Eine Paraphrase über die Münchener Kunstausstellungen 1896. – 2. Auflage, 2. u. 3. Tausend. – München : Franke & Haushalter, 1896. – 29 Seiten.
 (Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin, Sammlung Graham Dry)

Der Berliner Architekt und Kunstkritiker August Endell (1871-1925) bespricht hier nicht nur die Münchener Kunstausstellungen, er hat auch den Umschlag der Broschur entworfen: Die starke Graphik wirkt unheimlich und erinnert an einen Kraken oder eine Spinne - weniger an die eigentlich dargestellte Orchideenblüte.

Dieses Heft ist ein frühes und sehr ungewöhnliches Beispiel für den deutschen Jugendstil in der Buchgestaltung. Es stammt aus der Sammlung Graham Dry, die die Staatsbibliothek zu Berlin kürzlich erworben hat: Über 11.000 Bände vor allem deutscher Verlagserzeugnisse des Jugendstils in Originaleinbänden, geordnet nach den Buch- und Einbandgestaltern.

Wer mehr über diese Orchidee und die Sammlung erfahren möchte, sei auf die Titelgeschichte des Bibliotheksmagazins 2/18 verwiesen.

Buch des Monats April 2018:
Die Geschichte von Gustav, dem naschhaften Knaben, der gerne Kirschen haben wollte, und der getrieben von diesem Verlangen in Klausen’s Garten sich vergangen : wie er alsdann zur Einsicht gekommen und nie mehr fremdes Gut genommen : in 6 brillant colorirten Bildern. – Eßlingen : Verlag von J.F. Schreiber, [ca. 1865]. – 2 ungezählte Seiten, 4 ungezählte Blätter, 2 ungezählte Seiten, 6 ungezählte Blätter Tafeln. – (Schreiber’s Kinderbücher ; 1)
(Erworben von der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg, Frankfurt am Main, Sign.: Sq 5/W 86)

Titelblatt: Schreibers Kinderbücher Nr.1 "Die Geschichte von Gustav dem naschhaften Knaben Die Geschichte von Gustav, dem naschhaften Knaben, der gerne Kirschen haben wollte, und der getrieben von diesem Verlangen in Klausen’s Garten sich vergangen : wie er alsdann zur Einsicht gekommen und nie mehr fremdes Gut genommen : in 6 brillant colorirten Bildern. – Eßlingen : Verlag von J.F. Schreiber, [ca. 1865]. – 2 ungezählte Seiten, 4 ungezählte Blätter, 2 ungezählte Seiten, 6 ungezählte Blätter Tafeln. – (Schreiber’s Kinderbücher ; 1)
(Erworben von der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main. Signatur: Sq 5/W 86)

Die anonym erschienene moralisierende Geschichte in Reimen von "Gustav dem naschhaften Knaben", der des Nachbarn Kirschen stiehlt und auf der Flucht in eine Fuchsfalle tappt, ist der erste Band der Schriftenreihe "Schreiber’s Kinderbücher". Der Erfolg der Reihe fußte im Wesentlichen auf jeweils sechs in leuchtenden Farben gedruckten Chromolithografien, die teilweise von Hand nachkoloriert wurden. Die grelle Farbigkeit als Kontrast zu dem mattschwarzen Hintergrund der Konturplatte verleiht der Darstellung eine bis dahin in der Kinderbuchillustration nicht gekannte Tiefe und Brillanz. Im Prinzip wurde jeweils eine Farbe von einem Stein gedruckt, die einzelnen Farbabzüge ergaben im passgenauen Druck das fertige Bild. Text und Illustrationen sind getrennt voneinander auf verschiedene Papierstärken gedruckt, da es sich um unterschiedliche grafische Techniken handelt, der Letterndruck als Hochdruck- und die Lithografie als Flachdruckverfahren.

Der Zeichenlehrer und Lithograf Jakob Ferdinand Schreiber (1809-1867) gründete 1831 in Esslingen mit einem Grundstock von 44 Lithografiesteinen den "Verlag und Lithographische Anstalt J.F. Schreiber", der rasch expandierte und insbesondere ab 1840 mit großem Erfolg illustrierte Kinderbücher, Malbücher und naturkundliche Sachbücher veröffentlichte, an dem Schreibers Teilhaber und Autor Karl Thienemann wesentlichen Anteil hatte, ehe dieser 1849 in Stuttgart seinen eigenen Kinder- und Jugendbuchverlag gründete. Nach dem Tod J.F. Schreibers führte sein Sohn Ferdinand den Verlag weiter, wobei Bilderbücher immer im Zentrum des Verlagsprogramms standen. Bekannt ist der Verlag J.F. Schreiber auch für Plakat- und Reklamedrucke und für seine Wandlehrtafeln für Schulen. Das von der UB Frankfurt erworbene Buch trägt im Übrigen die Buchhändlermarke von Friedrich Klincksieck, der bekannten Pariser Buchhandlung, die im 19. Jahrhundert vorrangig deutschsprachige Literatur führte.

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