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Willkommen bei der AG Sammlung Deutscher Drucke

In der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) kooperieren sechs Bibliotheken, um eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums vom Beginn des Buchdrucks bis in die Gegenwart aufzubauen, zu erschließen, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und für künftige Generationen zu bewahren.

Dadurch entsteht eine verteilte Nationalbibliothek, in der die beteiligten Bibliotheken für einzelne Zeitsegmente verantwortlich sind.

1450 - 1600 Bayerische Staatsbibliothek München (Notendrucke bis 1800) (Vorsitz)
1601 - 1700Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
1701 - 1800Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
1801 - 1870Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
1871 - 1912 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (Landkarten und Zeitungen: 1801 - 1912, Notendrucke: 1801 - 1945)
1913 ff.Deutsche Nationalbibliothek

Letzte Änderung: 30.10.2014

Buch des Monats November 2014:
Katscher, Berta: Soldatenkinder : eine Erzählung für die reifere Jugend / von Bertha Katscher. Mit 3 feinen Farbdruckbildern von E. Klein. - Stuttgart : Süddeutsches Verlags-Inst., [1897].  - 112 S. : Ill.
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin, Signatur: 53 MA 506927)

Einband von Katscher, Soldatenkinder Katscher, Berta: Soldatenkinder : eine Erzählung für die reifere Jugend / von Bertha Katscher. Mit 3 feinen Farbdruckbildern von E. Klein
Stuttgart : Süddeutsches Verlags-Inst., [1897].  - 112 S. : Ill.
(Signatur: 53 MA 506927)

Im Deutschen Reich war in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Thema Militär in allen Bereichen der Kinder- und Jugendliteratur präsent. Einen zusätzlichen Anstoß zur Publikation von Kriegserzählungen gab der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Der Sieg über den „Erbfeind“ Frankreich stärkte das Nationalgefühl und führte zu einer Welle von Kriegserzählungen, in denen soldatische Tugenden verherrlicht wurden.

Obwohl der Titel „Soldatenkinder“ darauf hindeutet, dass es sich auch bei diesem Band um eine patriotische Jugenderzählung handelt, gehört Berta Katschers Buch zu den wenigen pazifistischen Publikationen dieser Zeit. Die aus Ungarn stammende Autorin, die nach ihrer Eheschließung mit dem Journalisten und Pazifisten Leopold Katscher in London, Berlin, Wien und Budapest lebte, schildert die Erlebnisse dreier junger Menschen in der Zeit des Russisch-Osmanischen Krieges. Der junge Leutnant Oskar, der aus einer Offiziersfamilie stammt und voller Begeisterung für das Militär ist, wird nach dem Berliner Kongress im Dienst der österreichischen Armee nach Sarajewo abkommandiert. Dort erlebt er in Auseinandersetzungen mit der türkischen Bevölkerung die verheerenden Folgen des Krieges und fällt selbst einem Attentat zum Opfer. Für seinen Grabstein wünscht sich Oskar, der aus eigener Anschauung die Sinnlosigkeit des Krieges erkannt hat, die Inschrift: „Frieden, Frieden sei der Menschheit Losungswort“.  Seine Schwester Dori und sein Freund Fritz, die bereits Kriegsgegner waren, widmen sich beim Roten Kreuz der Pflege der Verwundeten.  „Soldatenkinder“ steht in der Tradition von Bertha von Suttners pazifistischem Roman „Die Waffen nieder!“, von dem im gleichen Erscheinungsjahr eine Bearbeitung für die Jugend unter dem Titel „Martha’s Tagebuch“ erschien.  Das Jugendbuch „Soldatenkinder“  ist ein interessantes Zeitdokument und stellt eine sinnvolle Ergänzung des umfangreichen Bestandes an Kinder- und Jugenderzählungen der Jahrhundertwende in der Staatsbibliothek zu Berlin dar.

Buch des Monats Oktober 2014:
Delkeskamp, Friedrich Wilhelm: Panorama of the Maine and the adjunct country from Mayence to Frankfort / drawn from nature by F. W. Delkeskamp, engraved by John Clark. – London : Leigh, 1830. – Leporello, 24 S. [Textbeil.]
(Erworben 2014 von der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg. Signatur: Ffm W 152)

Abbildung aus Delkeskamp, Friedrich Wilhelm: Panorama of the Maine and the adjunct country from Mayence to Frankfort Delkeskamp, Friedrich Wilhelm:
Panorama of the Maine and the adjunct country from Mayence to Frankfort / drawn from nature by F. W. Delkeskamp, engraved by John Clark. – London : Leigh, 1830. – Leporello, 24 S. [Textbeil.]
Erworben 2014 von der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg. Signatur: Ffm W 152

2014 wurde das SDD-Sammelprofil um so genannte Germanica erweitert; dabei handelt es sich um im Ausland veröffentlichte fremdsprachige Bücher über Deutschland und über Persönlichkeiten des deutschen Sprachgebiets. Einer der ersten Ankäufe war das vorliegende Main-Panorama nach Zeichnungen von Friedrich Wilhelm Delkeskamp (1794 – 1872), der bereits 1825 beim Frankfurter Verlag Friedrich Wilmans eine Rheinlaufkarte veröffentlichte, die mehrere Auflagen erlebte. 1829 erschien als Ergänzung die von C. A. Helmsauer gestochene Mainkarte von Mainz bis Frankfurt mit deutschem und französischem Text. 1830 veröffentlichte der Londoner Reisebuch-Verlag Samuel Leigh die vorliegende englische Ausgabe mit einer neuen Aquatinta-Karte von John Heaviside Clark (1771 – 1836), die in Verbindung mit dem schmalen Textbüchlein englischen Touristen auf ihrer Schiffsreise entlang des Mains ermöglichen sollte, Wissenswertes über Städte und Dörfer zu erfahren. In zeitgenössischen Rezensionen, z. B. in der „Literary Gazette“ (Vol. 14.1830, S. 227), wird ausdrücklich auf die Übersichtlichkeit der Vogelperspektive im Vergleich zu englischen Flusslaufkarten hingewiesen. Ein Verdienst des Zeichners und Stechers Delkeskamp, der sich 1822 in Frankfurt am Main niederließ und später in der Leipziger Straße in Bockenheim lebte, nur wenige Meter von der Universitätsbibliothek entfernt. Sein letztes bedeutendes Werk war der großformatige „Plan von Frankfurt am Main und seiner nächsten Umgebung“ (1859 – 1864). Delkeskamp starb 1872 und wurde auf dem Bockenheimer Friedhof beigesetzt.

Buch des Monats September 2014:
[Alexander von Podmaniczky,] Pflanzen des Botanischen Gartens zu Aszod. Nach dem Linaeischen System geordnet, o. O. 1795. – [8] Bl.
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2014 A 41)

Abbildung aus Podmaniczky, Pflanzen des Botanischen Gartens zu Aszod [Alexander von Podmaniczky,] Pflanzen des Botanischen Gartens zu Aszod. Nach dem Linaeischen System geordnet, o. O. 1795. – [8] Bl.
(Signatur: DD2014 A 41)

Der ungarische Adelige Alexander [Sándor] von Podmaniczky (1758–1830) war in den Jahren 1784 bis 1786 als Jurastudent an der Universität Göttingen eingeschrieben, nutzte seinen Aufenthalt jedoch vor allem für ausgedehnte Reisen, z. B. nach Dessau, Halle, Leipzig, Dresden, Jena, Weimar oder Gotha. 1787 verließ er Göttingen und reiste über Frankfurt, Mainz, Karlsruhe und Straßburg nach Paris, besuchte London und Dublin und begab sich dann über Kopenhagen, Prag und Wien zurück auf das Familienanwesen bei Aszod, einem Markflecken im ungarischen Komitat Pest, nordöstlich von Budapest gelegen.

Das hier vorliegende alphabetische Pflanzenverzeichnis des Botanischen Gartens zu Aszod hatte Alexander von Podmaniczky zunächst nur für eigene Zwecke erstellt, doch der Prager Verleger und Kunstsammler Johann Nepomuk Ferdinand von Schönfeld (1750–1821), ein Freund der Familie Podmaniczky, überredete ihn dazu, es auch im Druck zu veröffentlichen. Das Werk führt insgesamt 175 Pflanzenarten auf – von „Aconitum lycoctonum“ („Wolfswurze“)  über „Hibiscus syriacus“ („Syrischer Eibisch“) bis hin zur „Zinnia pauciflora“ („Wenigblumige Zinnie“). Dass der Garten in Aszod mit seltenen Pflanzen vorzüglich ausgestattet gewesen sein muss, lässt schon die letztgenannte Pflanzenart erkennen: Die „Zinnia pauciflora“ ist eine ursprünglich aus Mexiko stammenden Pflanze, die erst Mitte des 18. Jahrhunderts nach Europa gelangte, vermutlich zunächst in den „Jardin des Plantes“ in Paris. Bereits 1757 konnte  ein Exemplar von dem Göttinger Mediziner und Botaniker Johann Gottfried Zinn (1727–1759) beschrieben werden. Zinn, der 1753 auf Empfehlung von Albrecht von Haller (1708–1777) zum Professor der Göttinger Universität ernannt worden war und nach Haller auch Leiter des dortigen Botanischen Gartens wurde, hatte die Pflanze in seinem Werk „Catalogus Plantarum Horti Academici et Agri Gottingensis“ jedoch als zur Gattungen der Rudbeckien gehörig verortet; Carl von Linné (1707–1778) erkannte später, dass die von Zinn beschriebene Pflanze einer eigenen Gattung angehört, und benannte sie ihm zu Ehren „Zinnia“. Möglicherweise hat Alexander von Podmaniczky den Zinnien-Samen von seinem Göttinger Studienaufenthalt mit nach Hause gebracht, so dass er 1795 von der Existenz der „Zinnia pauciflora“ im Botanischen Garten in Aszod berichten konnte.

Buch des Monats August 2014:
Riemer, Johannes: Der Verbesserte Und fast auff den Dritten Theil Vermehrte Lust-Redner. - Darinn Die Ernsthafften Regeln Der Neuesten Rede-Kunst / Mit Lächerlichen Exempeln erleutert sind ... - Merseburg: Forberger; Gottschick, 1689. - [1] gef. Bl., [9] Bl., 835 [i.e. 831] S
(Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 10008)

Abbildung aus Riemer, Johannes: Der Verbesserte Und fast auff den Dritten Theil Vermehrte Lust-Redner Riemer, Johannes:
Der Verbesserte Und fast auff den Dritten Theil Vermehrte Lust-Redner.
 Darinn Die Ernsthafften Regeln Der Neuesten Rede-Kunst/ Mit Lächerlichen
 Exempeln erleutert sind ...
Merseburg: Forberger; Gottschick, 1689
[1] gef. Bl., [9] Bl., 835 [i.e. 831] S
Signatur: Xb 10008

Kuriose Fazetiensammlung im Stil Christian Weises mit amüsanten Beispielen fehlerhafter Rhetorik zahlreicher Autoren. Der in Halle/ Saale geborene Autor Johann Riemer (1648-1714) war Amtsnachfolger Weises auf dem Lehrstuhl für Eloquenz und Poesie am Weißenfelser Gymnasium. Nachdem sich auf lange Sicht seine zeitkritischen satirischen Schriften für eine akademischen Laufbahn als hinderlich erwiesen hatten, wirkte Riemer nach 1687 als Pastor und Superintendent in Osterwieck, Hildesheim und Hamburg. Erworben wurde die dritte, erweiterte Ausgabe des Lust-Redners, die heute nur noch in wenigen Exemplaren überliefert ist. Sie enthält einen Doppelblatt großen Kupfertitel, der im Bild gezeigt wird.

Buch des Monats Juli 2014:
Jan Dubravius : Theriobulia Joannis Dubrauii Iurisconsulti & Equitis aurati de Regiis praeceptis. Nürnberg : Peypus, Friedrich, 12. März 1520. – [38] Blatt, Titelholzschnitt
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/A.lat.a. 2617 z)

Titel von Jan Dubravius, Theriobulia Joannis Dubrauii Jan Dubravius : Theriobulia Joannis Dubrauii Iurisconsulti & Equitis aurati de Regiis praeceptis. Nürnberg : Peypus, Friedrich, 12. März 1520. – [38] Blatt, Titelholzschnitt. - 
Signatur: Res/A.lat.a. 2617 z

Eines von nur zwei bekannten Exemplaren der ersten Ausgabe eines neulateinischen Fürstenspiegels in antiken Versmaßen, das in Form eines Fabelbuchs der Belehrung des jungen Königs Ludwig II. von Ungarn und Böhmen (1506-1526) diente. Es entstand vermutlich 1518 anlässlich der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch den von den Ständen in Ungarn und Böhmen als mündig anerkannten jungen Regenten. Als Vorlage diente dem Verfasser Jan Dubravius (1486–1553), böhmischer Humanist und späterer Bischof von Olmütz, die altböhmische Dichtung „Nová Rada“ seines Landsmannes Smil Flaška von Pardubitz (ca. 1349–1403). Im Gegensatz jedoch zu der mit ironischen Ratschlägen durchsetzten satirischen Tierdichtung, handelt es sich bei Dubravius‘ Version um einen typisch humanistischen Fürstenspiegel, der in einer persönlich gehaltenen Lehr- und Mahnschrift die moralische Intention deutlich stärker in den Vordergrund treten lässt. In Form einer lockeren Folge von Ermahnungen werden die vier Kardinaltugenden, prudentia, iustitia, temperantia und fortitudo (Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit) als Grundlage für eine kluge Staatsführung thematisiert.

Dubravius, der neben seinen diplomatischen Tätigkeiten, offenbar ausreichend Zeit fand für seine literarischen Bestrebungen, hinterließ ein vielfältiges literarisches Oeuvre, darunter ein umfassendes Werk zur Geschichte Böhmens sowie eine Anweisung zur Fischzucht und Fischteichtechnik, die er für die oberungarischen Unternehmungen von Franz Thurzo und Anton Fugger verfasste.

Buch des Monats Juni 2014:
Vogel, Walter: Pina. - Remscheid : Bergischer Verl., 2013. 133 S., zahlr. Ill.
ISBN 978-3-943886-20-7 Pp.
(Als Pflichtexemplare eingegangen in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig und Frankfurt am Main; Signaturen: 2014 B 1203; 2014 B 13164)

Buchcover: Vogel, Walter: Pina Vogel, Walter: Pina. - Remscheid : Bergischer Verl., 2013. 133 S., zahlr. Ill.
ISBN 978-3-943886-20-7 Pp.
(Als Pflichtexemplare eingegangen in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig und Frankfurt am Main; Signaturen: 2014 B 1203; 2014 B 13164)

Am 30. Juni dieses Jahres jährt sich der Todestag von Pina Bausch zum fünften Mal. Die am 27. Juli 1940 in Solingen geborene Tänzerin und Choreografin gehörte zu einer der weltweit Angesehensten ihres Faches. Als eine der Mitbegründerinnen des modernen Tanztheaters verstand sie es, musikalische Kompositionen ausdrucksvoll zu interpretieren und Tanz mit Gesang, Pantomime, Artistik und Schauspiel zu einer neuen Kunstgattung zu verbinden.
Im Bestand der Deutschen Nationalbibliothek befinden sich mehr als 100 deutsch- und fremdsprachige Medienwerke zu Pina Bausch. Die Abbildung zeigt ein Werk des 2012 für sein fotografisches Lebenswerk mit dem Kunstpreis der Düsseldorfer Künstler ausgezeichneten Fotografen Walter Vogel.

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