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Willkommen bei der AG Sammlung Deutscher Drucke

In der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) kooperieren sechs Bibliotheken, um eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums vom Beginn des Buchdrucks bis in die Gegenwart aufzubauen, zu erschließen, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und für künftige Generationen zu bewahren.

Dadurch entsteht eine verteilte Nationalbibliothek, in der die beteiligten Bibliotheken für einzelne Zeitsegmente verantwortlich sind.

1450 - 1600 Bayerische Staatsbibliothek München (Notendrucke bis 1800) (Vorsitz)
1601 - 1700Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
1701 - 1800Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
1801 - 1870Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
1871 - 1912 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (Landkarten und Zeitungen: 1801 - 1912, Notendrucke: 1801 - 1945)
1913 ff.Deutsche Nationalbibliothek

Letzte Änderung: 1.9.2015

Buch des Monats September 2015:
ABC- und Lesebuch zur Aufklärung des Verstandes lieber Kinder mit Bemerkungen und 48. in Kupfer gestochenen Gegenständen aus der Naturgeschichte, von Fr. W. d. h. Pr. K., Nürnberg : Winterschmidt, 1788. – 8 Bl., [3] Taf.
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2014 A 65)

Abbildung aus dem Buch  "ABC- und Lesebuch zur Aufklärung des Verstandes lieber Kinder mit Bemerkungen und 48. in Kupfer gestochenen Gegenständen aus der Naturgeschichte" aus dem Jahre 1788 ABC- und Lesebuch zur Aufklärung des Verstandes lieber Kinder mit Bemerkungen und 48. in Kupfer gestochenen Gegenständen aus der Naturgeschichte, von Fr. W. d. h. Pr. K., Nürnberg : Winterschmidt, 1788. – 8 Bl., [3] Taf.
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2014 A 65)

Das kleine „ABC- und Lesebuch“ ist in zwei Teile untergliedert: Der erste Teil bietet neben dem großen und kleinen ABC in gebrochener Schrift („deutsches Alphabet“) und in Antiqua („lateinisches Alphabet“) auch Zusammenstellungen von leichten Wörtern und Silben mit ein bis drei Konsonanten am Wortanfang oder -ende. Den thematischen Rahmen dieses Teils bieten die im Titel erwähnten „Gegenstände aus der Naturgeschichte“, insbesondere Vogelarten. So werden „Die leichtesten Sylben von zween und drei einfachen Buchstaben“ mit Aussagen zu verschiedenen Vögeln illustriert, die dann auch auf den Kupferstichen am Ende des Buches abgebildet sind, zum Beispiel: „Der Ler-che Lied ist lieb-lich“. Zu den Buchstaben Q, X und Y fand der Autor jedoch keine Vogelart, so dass er Xerxes, „den Kö-nig in Per-si-en“ bemühen muss und „Y-psi-lon [als ein] frem-des i“ vorstellt. Beim Q hilft er sich mit einem möglichen Aufenthaltsort von Vögeln: „Die Quit-ten-bäu-me ha-ben ge-sun-des Obst.“ Im zweiten Teil des Büchleins finden sich dann gereimte Leseübungen, die zumeist christliche Werte und Normen vermitteln, wie zum Beispiel „Das Vaterunser in Versen“.
Das Werk war bislang bibliographisch nicht nachgewiesen, und es ist kaum zu ermitteln, welcher Verfasser sich hinter den Initialen „Fr. W.“ verbirgt. Vermutlich befand er sich zum Zeitpunkt der Drucklegung seines Werkes in der Ausbildung zum Pfarrer, da sich „d. h. Pr. K.“ zu „des heiligen Priesteramts Kandidat“ auflösen lässt. Ermittelt werden kann hingegen eine Vorbesitzerin des Werkes, die sich mit „Anna-Marie, Prinzessin von Ysenburg und Büdingen, 1894“ auf der Innenseite des Vorderdeckels verewigt hat: Anna-Marie (1874–1942) war die Tochter des Fürsten Gustav Alfred (1841–1922) und seiner Frau Luitgard (1843–1927 geb. Gräfin zu Castell-Rüdenhausen) von Isenburg-Büdingen in Büdingen. Sie trug ihren Namen in ihrem 20 Lebensjahr in das mit rotem Goldbrokatpapier bezogene Büchlein ein – zu einem Zeitpunkt, als das Werk selbst bereits über 100 Jahr alt war.

Buch des Monats August 2015:
Beer, Johann: Der Deutsche Kleider-Affe / durch und durch Mit kurtzweiliger Einfalt und einfältiger Kurtzweil/ Allen Curieusen Liebhabern zur Delectation, Aus eigener Erfahrung auff die Schau-Bühne gestellet von Alamodo Pickelhering.
Leipzig: Gleditsch, Götze, 1685. - [8] Bl., 272 S., Frontispiz.
(Erworben von Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 12° 156)

Abbildung des Titelblatts von "Johann Beer" aus dem Jahre 1685 Beer, Johann: Der Deutsche Kleider-Affe / durch und durch Mit kurtzweiliger Einfalt und einfältiger Kurtzweil/ Allen Curieusen Liebhabern zur Delectation, Aus eigener Erfahrung auff die Schau-Bühne gestellet von Alamodo Pickelhering. Leipzig: Gleditsch, Götze, 1685. - [8] Bl., 272 S., Frontispiz

Auf dem Antiquariatsmarkt sind heute die Werke Johann Beers (1655-1700) besonders rar geworden. Diese Erstausgabe, in seltener Komplettheit mit dem Frontispiz stellt daher eine schöne Ergänzung des Wolfenbütteler Bestands dar.

Beer lebte seit den 1680er Jahren, zunächst als Konzertmeister, später auch als Bibliothekar am Hof Herzog August zu Sachsen-Weißenfels. Dieses Werk begann er während einer sieben-wöchigen Erkrankung, ein anonym gebliebener Freund brachte das unvollendete Manuskript dann zwei Jahre später zum Abschluss.

Die Satire macht sich über die französischen Modetorheiten lustig und der Protagonist, ein Schneiderlehrling, läuft am Ende fort von Stadt- und Hofleben und endet mit den Schlußworten:
„O du ruhiges Bauer-Leben! O du Unschuld-volles Land! Du kannst mehr Vergnügung geben/ als der falsche Bürger-Stand.
Wer nicht wacker kann stoltzieren, Muß in Städten Hunde führen“.

Buch des Monats Juli 2015:
Herman Weigere: En Ræffue Bog som kaldes paa Tyske Reinicke Foss […]. [Lübeck : Jürgen Richolff], 1555. – [8], CCXCI [i.e. 290], [17] Bl., Titelholzschnitt, Holzschnitt-Porträt, zahlr. Holzschnittillustrationen
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/P.o.germ. 2106 t)

Abbildung des Titelblatts von "Reinicke Voss" aus dem Jahre 1555 Herman Weigere: En Ræffue Bog som kaldes paa Tyske Reinicke Foss […]. [Lübeck : Jürgen Richolff], 1555. – [8], CCXCI [i.e. 290], [17] Bl., Titelholzschnitt, Holzschnitt-Porträt, zahlr. Holzschnittillustrationen

„Reineke Fuchs“, das berühmte niederdeutsche Tierepos des Mittelalters, erzählt in Versen und Prosakommentaren (Glossen) von den Übeltaten des gerissenen und genialen Fuchses Reineke. Dieser hat mit seinem Verhalten gegen die gesellschaftliche Ordnung verstoßen und sich verschiedenster schwerwiegender Verbrechen schuldig gemacht, für die er in zwei Gerichtsverfahren angeklagt wird. Er schafft es jedoch, sich raffiniert mithilfe von allerlei Listen und niederträchtigen Lügen aus dieser prekären Situation zu retten und schließlich auch noch als Sieger gegen seine geschädigten und betrogenen Widersacher durchzusetzen.

Während im Verstext in zwei Erzählungen das ganze Repertoire der Übeltaten aufgeführt wird, verweisen die Prosakommentare auf gültige Verhaltensregeln und christlich-moralisierende Lebensweisheiten, in denen in den älteren Fassungen Kritik an der Käuflichkeit und Schmeichelei bei Hofe geübt wird.

Das Versepos erschien 1498 in Lübeck in gedruckter Form und wurde im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts mehrfach aufgelegt und überarbeitet. Ausgehend von den Rostocker Drucken von 1539/49, in denen der Prosakommentar in humanistisch-protestantischem Sinne umgestaltet und die katholische Kirche, gesellschaftliche Einrichtungen sowie zeitgenössische Persönlichkeiten scharf kritisiert wurden, verbreitete sich das Werk weiter. Die an die Rostocker Ausgaben anknüpfende dänische Übersetzung der niederdeutschen Fassung, von dem Kopenhagener Kaufmann Herman Weigere 1555 veröffentlicht, bildet wiederum den Anfang der skandinavischen Tradition. Weitere zahlreiche Nachdrucke bis weit in das 17. Jahrhundert bezeugen die Beliebtheit des „Reineke“, der sich im 18. Jahrhundert zum Volksbuch und nach Goethes und weiterer zahlreicher Bearbeitungen immer mehr zum unterhaltsamen und lehrreichen Kinderbuch entwickelte.

Buch des Monats Juni 2015:
Die Welt in Leipzig. 100 Jahre Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik – Bugra 1914; Hrsg.: Ernst Fischer, Stephanie Jacobs i. A. der Maximilian-Gesellschaft. – Stuttgart, 2014. - ISBN 978-3-921743-63-8
(Als Pflichtexemplare eingegangen in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig und Frankfurt am Main; Signaturen: 2014 A 47570; 2014 A 62796 )

Einband des Lesebuchs zur Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Bugra Die Welt in Leipzig. 100 Jahre Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik – Bugra 1914; Hrsg.: Ernst Fischer, Stephanie Jacobs i. A. der Maximilian-Gesellschaft. – Stuttgart, 2014. - ISBN 978-3-921743-63-8
(Als Pflichtexemplare eingegangen in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig und Frankfurt am Main; Signaturen: 2014 A 47570; 2014 A 62796 )

2014 jährte sich die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik (Bugra) in Leipzig zum 100. Mal. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek widmete dieser ersten und letzten Weltausstellung des Buches eine Schau, die den Besucher auf eine abwechslungsreiche historische Spurensuche mitnimmt und das „europäische Schicksalsjahr“ 1914 wie in einem Brennglas einmal ganz anders erzählt. 

Begleitend zur Ausstellung haben Ernst Fischer (Universität Mainz) und Stephanie Jacobs (Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek) für die Maximilian-Gesellschaft ein reich bebildertes Lesebuch herausgegeben, das die Leipziger Weltausstellung erstmals insgesamt in den Blick nimmt. Als Reiseführer über die Bugra konzipiert, greift die 800 Seiten umfassende Publikation im Format die Bücher des auch auf der Bugra vertretenen Baedeker-Verlages auf. Das Buch ist von der Stiftung Buchkunst als „Schönstes Buch 2014“ nominiert worden. In der Begründung der Stiftung Buchkunst heißt es:

„Ein kleines knallgelbes Buch, ein auffälliger Klotz, 800 Seiten dick. Man greift sofort zu. Der Inhalt beginnt wortlos mit einem Fotoessay über den heutigen Zustand des ehedem weitläufigen Ausstellungsgeländes. Dunkelgraues Vorsatz, dunkelgrauer Kopfschnitt lassen das ohnehin präsente Volumen noch plastischer erscheinen. So gelingt dieser Buchgestaltung ein Kunststück, nämlich ein heutiges Buch ohne Retro-Allüren in Form zu bringen und zugleich mit historischem Bewusstsein anzureichern – damit das große Unternehmen der Bugra seine gehörige Erinnerung erfährt.“
Nun steht das Buch auch auf der Nominierungsliste für den German Design Award 2016.

Buch des Monats Mai 2015:
Album der Proclamirung des deutschen Kaiserreiches im Schlosse zu Versailles, 18. Januar 1871. - Berlin : Schnaebeli, [1897]. - 4 S., [56] Taf. : überw. Ill.
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin, Signatur: gr. 2° Krieg 1870/71 Z 103<a> : R)

Albumwerk zur  Proclamirung des deutschen Kaiserreiches im Schlosse zu Versailles, 18. Januar 1871 Album der Proclamirung des deutschen Kaiserreiches im Schlosse zu Versailles, 18. Januar 1871. - Berlin : Schnaebeli, [1897]. - 4 S., [56] Taf. : überw. Ill. 

(Signatur: gr. 2° Krieg 1870/71 Z 103<a> : R)

Aus Privatbesitz wurde der Staatsbibliothek zu Berlin dieses Albumwerk geschenkt, das eine kriegsbedingte Lücke im Bestand schließt. Es besteht aus einer prächtigen Schatulle aus Karton und Holz, in der die Tafeln mit Originalphotographien aufbewahrt werden. Das Album der Proclamirung des deutschen Kaiserreiches im Schlosse zu Versailles, 18. Januar 1871 zeigt auf seinen 56 Tafeln alle Mitglieder der deutschen Delegation.

Schnaebeli war ein Berliner Verlag, der sich auf Fotomappen spezialisiert hatte, insbesondere auf die Darstellung von Pferde- und Rinderrassen. Er gehörte zum Fotostudio Schnaebeli, das Unter den Linden seinen Sitz hatte.

Der deutsch-französische Krieg 1870/71 nimmt im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin eine Sonderstellung ein. Wilhelm I., König von Preußen, beauftragte den K. Pr. Geheimen Hofrat und Vorleser, Louis Schneider, mit der Sammlung aller Veröffentlichungen zu diesem Krieg. Versehen mit dem königlichen Auftrag gelingt es ihm mit Unterstützung von Buchhändlern, Diplomaten und zahlreichen Agenten, die kaum etwas über den Hintergrund ihrer Sammeltätigkeit erfahren haben, innerhalb von zwei Jahren etwa 2.500 Bücher, Broschüren, Flugblätter, Zeitungen, Depeschen oder Gedichte aus Deutschland und dem Ausland über den deutsch-französischen Krieg und die damit zusammenhängenden Zeitereignisse zusammenzutragen. Die Sammlung wird im Sommer 1873 per Kabinettsorder an die Königliche Bibliothek übergeben. Dort wird die Kriegssammlung gesondert aufgestellt, erschlossen und für die Benutzung bereitgehalten genauso wie später die Sammlungen „Krieg 1914“ und „Krieg 1939“.

(gekürzt aus Hamann, O.: Die Sammlung „Krieg 1914“)

Buch des Monats April 2015:
Tietz, Friedrich von:
Des Engels Scheiden : Canzonen. – Danzig : Gerhard, 1844. – 25 S.
Handschriftliche Widmung von Friedrich von Tietz an Herzog Max in Bayern
(Erworben 2015 von der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Signatur: 18/28161)

Titelblatt von Tietz, Friedrich von: Des Engels Scheiden : Canzonen. Tietz, Friedrich von:
Des Engels Scheiden : Canzonen. – Danzig : Gerhard, 1844. – 25 S.
Handschriftliche Widmung von Friedrich von Tietz an Herzog Max in Bayern
(Signatur: 18/28161)

Der preußische Schriftsteller Friedrich [von] Tietz (1803-1879), der u.a. als Theaterdirektor in Königsberg, Reval und Helsinki tätig war, widmete das schmale Liederbändchen dem populären Förderer der Literatur und der schönen Künste Herzog Max (eigentlich Maximilian Joseph) in Bayern (1808-1888) mit den Worten:

„Dem fürstlichen Dichter, / dem kräftigen Gebirgsmanne: / Herzog Max von Bayern, / von Seinem recht aufrichtigen / Verehrer / Tietz“

Tietz veröffentlichte eine Reihe von Lustspielen, die bereits an ihren Titeln als Schwänke und Possen erkennbar sind: „Berliner im Olymp oder die Götter in der Hasenheide“ (1862) oder „Nur nicht ängstlich“ (1865). Er war Herzog Max in Bayern freundschaftlich verbunden, der als „fürstlicher Dichter“ unter dem Pseudonym „Phantasus“ ähnliche Skizzen und „Brettl-Lieder“ schrieb. Ganz anders geartet indessen sind Tietz‘ höchst elegische „Canzonen“, die um das Dahinscheiden von Großfürstin Alexandra Nikolajewna (1825-1844) kreisen, der Lieblingstochter des Zaren Nikolaus I. von Russland, die 19jährig im Kindbett starb: „Der Dichter hört’s, und legt die Trauerleyer / Am Kaiserlichen Grabeshügel nieder; / Noch einen Blick auf die gebrochne Bluethe / Und schweigen sollen seine düstern Lieder.“

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