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Willkommen bei der AG Sammlung Deutscher Drucke

In der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) kooperieren sechs Bibliotheken, um eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums vom Beginn des Buchdrucks bis in die Gegenwart aufzubauen, zu erschließen, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und für künftige Generationen zu bewahren.

Dadurch entsteht eine verteilte Nationalbibliothek, in der die beteiligten Bibliotheken für einzelne Zeitsegmente verantwortlich sind.

1450 - 1600 Bayerische Staatsbibliothek München (Notendrucke bis 1800) (Vorsitz)
1601 - 1700Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
1701 - 1800Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
1801 - 1870Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
1871 - 1912 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (Landkarten und Zeitungen: 1801 - 1912, Notendrucke: 1801 - 1945)
1913 ff.Deutsche Nationalbibliothek

Letzte Änderung: 29.1.2015

Buch des Monats Februar:
Bartholomaeus Krüger: Lustige Schwencke und Historien von Hans Clawerten. Gedruckt im Jahr 1673
(Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: HAB: Xb 10186)

Umschlag von Bartholomaeus Krüger, Lustige Schwencke und Historien von Hans Clawerten Bartholomaeus Krüger: Lustige Schwencke und Historien von Hans Clawerten. Gedruckt im Jahr 1673
Signatur: Xb 10186

Schwankbuch, das die Geschichte des aus Trebbin stammenden Viehhändlers Hans Clawert (um 1506-1566) erzählt, der durch viele Streiche und Schelmereien zur regionalen Legende wurde. Der Trebbiner Stadtschreiber Bartholomäus Krüger brachte das Volksbuch Hans Clawerts werckliche Historien 1587 in Berlin erstmalig zum Druck. Von dieser und den bislang identifizierten acht späteren Ausgaben sind heute nur noch wenige Exemplare erhalten. Das Schwankbuch über den seit dem 19. Jahrhundert auch als „märkischen Eulenspiegel“ bezeichneten Hans Clawert findet in der Literaturgeschichte besonders auch deshalb Beachtung, weil der Text seinen Protagonisten auf Reisen begleitet und nach Ungarn führt und damit zu den ganz seltenen deutschsprachigen literarischen Werken des 16. Jahrhunderts gehört, die ein zeitgenössisches Bild Ungarns vermitteln. Die von der Herzog August Bibliothek auf einer deutschen Auktion ersteigerte Ausgabe des späten 17. Jahrhunderts war bislang unbekannt.

Buch des Monats Januar 2015:
Zwo Newe zeytung, Und Warhafftiger Bericht von dem Erbärmlichen Blutbad unnd uberfallung von den Türcken in unser Christliches Feldläger vor der Vöstung Rab […]. Wien : Leonhard Nassinger, 1594. – [4] Blatt, Titelholzschnitt
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/Turc. 269 r)

Abbildung des Titelblatts von "Zwo Newe zeytung, Und Warhafftiger Bericht von dem Erbärmlichen Blutbad unnd uberfallung von den Türcken in unser Christliches Feldläger vor der Vöstung Rab" Zwo Newe zeytung, Und Warhafftiger Bericht von dem Erbärmlichen Blutbad unnd uberfallung von den Türcken in unser Christliches Feldläger vor der Vöstung Rab […]. Wien : Leonhard Nassinger, 1594. – [4] Blatt, Titelholzschnitt. - Signatur: Res/Turc. 269 r

Nach den ersten Türkenkriegen und der Unterzeichnung des Vertrags von Konstantinopel 1533 kam es aufgrund von Grenzverletzungen in Ungarn immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Habsburger und dem Osmanischen Reich, in denen es vorrangig um die strittige Hegemonie in Ungarn ging. 1592 kündigte der Habsburger Kaiser Rudolf II. (reg. 1572-1612) den Friedensvertrag und entsandte eine Streitmacht, die in der Schlacht bei Sissek am 22. Juni 1593 die Osmanischen Streitkräfte schlug. Als Folge dieser Niederlage erklärte der osmanische Sultan Murad III. (reg. 1574-1595) Kaiser Rudolf II. den Krieg. Dieser sogenannte „Lange Türkenkrieg“ dauerte von 1593 bis 1606 (Friede von Zsitvatorok) und wurde geprägt durch jahrelange Stellungskämpfe und wechselnde Besitzverhältnisse, wobei keiner der Gegner umfassendere Gebietsgewinne verzeichnen konnte.
Die äußerst seltene Flugschrift „Zwo Newe zeytung“ bezieht sich auf zwei historische Ereignisse im Verlauf des „Langen Türkenkriegs“: Berichtet wird über die Belagerung und den Angriff der Osmanischen Armee auf die kaiserlichen Truppen vor der ungarischen Festung Raab (Győr) am 28. August 1594 sowie über deren Einnahme am 29. September 1594. Die Festung Raab spielte eine bedeutende Rolle in der Abwehr der osmanischen Streitmächte und war ein wichtiger Bestandteil der Grenzburgenkette. Die verlustreichen Kämpfe auf Habsburger Seite wurden als Strafe Gottes angesehen „von wegen unsers Sündlichen lebens daß mir leyder täglich üben und treiben mit Hoffart Geitz Nachredt Neydt etc.“, gefolgt von dem mahnenden Stoßseufzer „mit mancherley leibs und der seelen Heyl zubedencken […] und mirs doch leyder nit zu Hertzen fassen können damit uns der liebe Gott zur besserung reytzet mir unns aber wenig dran kehren.“
Nach fünftägiger Belagerung erfolgte die kampflose Übergabe der Festung durch den kaiserlichen Feldoberst Graf Ferdinand von Hardegg (1549-1595), die zwar freien Abzug und freies Geleit gewährleistete, wie mehrfach lobend in der Flugschrift betont wird, wofür aber Graf Ferdinand von Hardegg der Prozess gemacht und er am 16. Juni 1595 hingerichtet wurde. 1598 gelang es Adolf von Schwarzenberg, die Festung zurückzuerobern.

Buch des Monats Dezember 2014:
Rotkäppchen / nach Jacob und Wilhelm Grimm. Ill. von Clémentine Sourdais. - Berlin: Kleine Gestalten, 2014. Leporello, [13] Bl., zahlr. Ill.
ISBN 978-3-89955-722-0
(Als Pflichtexemplare eingegangen in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig und Frankfurt am Main;
Signaturen: Museum/Studiensammlungen/KD : XI A 3375; 2014 A 63343 )

Faltbuch Rotkäppchen von Grimm mit Illustrationen von Sourdais. Rotkäppchen / nach Jacob und Wilhelm Grimm. Ill. von Clémentine Sourdais. - Berlin: Kleine Gestalten, 2014. Leporello, [13] Bl., zahlr. Ill.
ISBN 978-3-89955-722-0
(Als Pflichtexemplare eingegangen in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig und Frankfurt am Main;
Signaturen: Museum/Studiensammlungen/KD : XI A 3375; 2014 A 63343 )

„Nichts beflügelt und fördert die Vorstellungskraft von Kindern so wie ein Buch. Gut gemachte Kinderbücher helfen Kindern aufzuwachsen und die Welt zu begreifen. Durch sie lernen Kinder viel über das Leben und stellen sich vor, wie sie selbst handeln würden. Bücher machen schlau, tapfer, mitfühlend und neugierig. Aus dieser Überzeugung starten wir … ein Kinderbuchprogramm mit Büchern und anderen schönen Dingen für Kleine Gestalten.
Es gibt bereits wahrlich tolle Kinderbücher. Allerdings gibt es auch immer … junge, talentierte Illustratoren, Gestalter und Geschichtenerzähler, die uns zu den KLEINEN GESTALTEN angeregt haben.“
So kommentiert der Verlag KLEINE GESTALTEN die bei ihm erscheinenden Kinderbücher, deren gemeinsames Merkmal der besondere grafische Anspruch ist. In dem hier präsentierten Buch ist das Märchen vom Rotkäppchen (nach Jacob und Wilhelm Grimm) zauberhaft neu gestaltet von Clémentine Sourdais. Die Buchgestalterin wurde 1980 geboren, studierte an der Kunsthochschule in Marseille und an der Hochschule für Grafik in Lyon, wo sie auch heute lebt. Nach Art des Scherenschnitts hat sie das Märchen liebevoll umgesetzt, die Szenen lassen sich aufgrund der Gestaltung als Leporello abwechslungsreich als tanzendes Schattenspiel an einer Wand wiedergeben und regen so die Phantasie der Kinder an.

Buch des Monats November 2014:
Katscher, Berta: Soldatenkinder : eine Erzählung für die reifere Jugend / von Bertha Katscher. Mit 3 feinen Farbdruckbildern von E. Klein. - Stuttgart : Süddeutsches Verlags-Inst., [1897].  - 112 S. : Ill.
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin, Signatur: 53 MA 506927)

Einband von Katscher, Soldatenkinder Katscher, Berta: Soldatenkinder : eine Erzählung für die reifere Jugend / von Bertha Katscher. Mit 3 feinen Farbdruckbildern von E. Klein
Stuttgart : Süddeutsches Verlags-Inst., [1897].  - 112 S. : Ill.
(Signatur: 53 MA 506927)

Im Deutschen Reich war in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Thema Militär in allen Bereichen der Kinder- und Jugendliteratur präsent. Einen zusätzlichen Anstoß zur Publikation von Kriegserzählungen gab der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Der Sieg über den „Erbfeind“ Frankreich stärkte das Nationalgefühl und führte zu einer Welle von Kriegserzählungen, in denen soldatische Tugenden verherrlicht wurden.

Obwohl der Titel „Soldatenkinder“ darauf hindeutet, dass es sich auch bei diesem Band um eine patriotische Jugenderzählung handelt, gehört Berta Katschers Buch zu den wenigen pazifistischen Publikationen dieser Zeit. Die aus Ungarn stammende Autorin, die nach ihrer Eheschließung mit dem Journalisten und Pazifisten Leopold Katscher in London, Berlin, Wien und Budapest lebte, schildert die Erlebnisse dreier junger Menschen in der Zeit des Russisch-Osmanischen Krieges. Der junge Leutnant Oskar, der aus einer Offiziersfamilie stammt und voller Begeisterung für das Militär ist, wird nach dem Berliner Kongress im Dienst der österreichischen Armee nach Sarajewo abkommandiert. Dort erlebt er in Auseinandersetzungen mit der türkischen Bevölkerung die verheerenden Folgen des Krieges und fällt selbst einem Attentat zum Opfer. Für seinen Grabstein wünscht sich Oskar, der aus eigener Anschauung die Sinnlosigkeit des Krieges erkannt hat, die Inschrift: „Frieden, Frieden sei der Menschheit Losungswort“.  Seine Schwester Dori und sein Freund Fritz, die bereits Kriegsgegner waren, widmen sich beim Roten Kreuz der Pflege der Verwundeten.  „Soldatenkinder“ steht in der Tradition von Bertha von Suttners pazifistischem Roman „Die Waffen nieder!“, von dem im gleichen Erscheinungsjahr eine Bearbeitung für die Jugend unter dem Titel „Martha’s Tagebuch“ erschien.  Das Jugendbuch „Soldatenkinder“  ist ein interessantes Zeitdokument und stellt eine sinnvolle Ergänzung des umfangreichen Bestandes an Kinder- und Jugenderzählungen der Jahrhundertwende in der Staatsbibliothek zu Berlin dar.

Buch des Monats Oktober 2014:
Delkeskamp, Friedrich Wilhelm: Panorama of the Maine and the adjunct country from Mayence to Frankfort / drawn from nature by F. W. Delkeskamp, engraved by John Clark. – London : Leigh, 1830. – Leporello, 24 S. [Textbeil.]
(Erworben 2014 von der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg. Signatur: Ffm W 152)

Abbildung aus Delkeskamp, Friedrich Wilhelm: Panorama of the Maine and the adjunct country from Mayence to Frankfort Delkeskamp, Friedrich Wilhelm:
Panorama of the Maine and the adjunct country from Mayence to Frankfort / drawn from nature by F. W. Delkeskamp, engraved by John Clark. – London : Leigh, 1830. – Leporello, 24 S. [Textbeil.]
Erworben 2014 von der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg. Signatur: Ffm W 152

2014 wurde das SDD-Sammelprofil um so genannte Germanica erweitert; dabei handelt es sich um im Ausland veröffentlichte fremdsprachige Bücher über Deutschland und über Persönlichkeiten des deutschen Sprachgebiets. Einer der ersten Ankäufe war das vorliegende Main-Panorama nach Zeichnungen von Friedrich Wilhelm Delkeskamp (1794 – 1872), der bereits 1825 beim Frankfurter Verlag Friedrich Wilmans eine Rheinlaufkarte veröffentlichte, die mehrere Auflagen erlebte. 1829 erschien als Ergänzung die von C. A. Helmsauer gestochene Mainkarte von Mainz bis Frankfurt mit deutschem und französischem Text. 1830 veröffentlichte der Londoner Reisebuch-Verlag Samuel Leigh die vorliegende englische Ausgabe mit einer neuen Aquatinta-Karte von John Heaviside Clark (1771 – 1836), die in Verbindung mit dem schmalen Textbüchlein englischen Touristen auf ihrer Schiffsreise entlang des Mains ermöglichen sollte, Wissenswertes über Städte und Dörfer zu erfahren. In zeitgenössischen Rezensionen, z. B. in der „Literary Gazette“ (Vol. 14.1830, S. 227), wird ausdrücklich auf die Übersichtlichkeit der Vogelperspektive im Vergleich zu englischen Flusslaufkarten hingewiesen. Ein Verdienst des Zeichners und Stechers Delkeskamp, der sich 1822 in Frankfurt am Main niederließ und später in der Leipziger Straße in Bockenheim lebte, nur wenige Meter von der Universitätsbibliothek entfernt. Sein letztes bedeutendes Werk war der großformatige „Plan von Frankfurt am Main und seiner nächsten Umgebung“ (1859 – 1864). Delkeskamp starb 1872 und wurde auf dem Bockenheimer Friedhof beigesetzt.

Buch des Monats September 2014:
[Alexander von Podmaniczky,] Pflanzen des Botanischen Gartens zu Aszod. Nach dem Linaeischen System geordnet, o. O. 1795. – [8] Bl.
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2014 A 41)

Abbildung aus Podmaniczky, Pflanzen des Botanischen Gartens zu Aszod [Alexander von Podmaniczky,] Pflanzen des Botanischen Gartens zu Aszod. Nach dem Linaeischen System geordnet, o. O. 1795. – [8] Bl.
(Signatur: DD2014 A 41)

Der ungarische Adelige Alexander [Sándor] von Podmaniczky (1758–1830) war in den Jahren 1784 bis 1786 als Jurastudent an der Universität Göttingen eingeschrieben, nutzte seinen Aufenthalt jedoch vor allem für ausgedehnte Reisen, z. B. nach Dessau, Halle, Leipzig, Dresden, Jena, Weimar oder Gotha. 1787 verließ er Göttingen und reiste über Frankfurt, Mainz, Karlsruhe und Straßburg nach Paris, besuchte London und Dublin und begab sich dann über Kopenhagen, Prag und Wien zurück auf das Familienanwesen bei Aszod, einem Markflecken im ungarischen Komitat Pest, nordöstlich von Budapest gelegen.

Das hier vorliegende alphabetische Pflanzenverzeichnis des Botanischen Gartens zu Aszod hatte Alexander von Podmaniczky zunächst nur für eigene Zwecke erstellt, doch der Prager Verleger und Kunstsammler Johann Nepomuk Ferdinand von Schönfeld (1750–1821), ein Freund der Familie Podmaniczky, überredete ihn dazu, es auch im Druck zu veröffentlichen. Das Werk führt insgesamt 175 Pflanzenarten auf – von „Aconitum lycoctonum“ („Wolfswurze“)  über „Hibiscus syriacus“ („Syrischer Eibisch“) bis hin zur „Zinnia pauciflora“ („Wenigblumige Zinnie“). Dass der Garten in Aszod mit seltenen Pflanzen vorzüglich ausgestattet gewesen sein muss, lässt schon die letztgenannte Pflanzenart erkennen: Die „Zinnia pauciflora“ ist eine ursprünglich aus Mexiko stammenden Pflanze, die erst Mitte des 18. Jahrhunderts nach Europa gelangte, vermutlich zunächst in den „Jardin des Plantes“ in Paris. Bereits 1757 konnte  ein Exemplar von dem Göttinger Mediziner und Botaniker Johann Gottfried Zinn (1727–1759) beschrieben werden. Zinn, der 1753 auf Empfehlung von Albrecht von Haller (1708–1777) zum Professor der Göttinger Universität ernannt worden war und nach Haller auch Leiter des dortigen Botanischen Gartens wurde, hatte die Pflanze in seinem Werk „Catalogus Plantarum Horti Academici et Agri Gottingensis“ jedoch als zur Gattungen der Rudbeckien gehörig verortet; Carl von Linné (1707–1778) erkannte später, dass die von Zinn beschriebene Pflanze einer eigenen Gattung angehört, und benannte sie ihm zu Ehren „Zinnia“. Möglicherweise hat Alexander von Podmaniczky den Zinnien-Samen von seinem Göttinger Studienaufenthalt mit nach Hause gebracht, so dass er 1795 von der Existenz der „Zinnia pauciflora“ im Botanischen Garten in Aszod berichten konnte.

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