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Willkommen bei der AG Sammlung Deutscher Drucke

In der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) kooperieren sechs Bibliotheken, um eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums vom Beginn des Buchdrucks bis in die Gegenwart aufzubauen, zu erschließen, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und für künftige Generationen zu bewahren.

Dadurch entsteht eine verteilte Nationalbibliothek, in der die beteiligten Bibliotheken für einzelne Zeitsegmente verantwortlich sind.

1450 - 1600 Bayerische Staatsbibliothek München (Notendrucke bis 1800) (Vorsitz)
1601 - 1700Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
1701 - 1800Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
1801 - 1870Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
1871 - 1912 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (Landkarten und Zeitungen: 1801 - 1912, Notendrucke: 1801 - 1945)
1913 ff.Deutsche Nationalbibliothek

Letzte Änderung: 01.12.2015

Buch des Monats Februar 2016:
Plautz, Caspar: Extract und Augßzug [!] Der grossen un[d] wunderbarlichen Schifffarth/ Buelii Cataloni, eines Abbten/ deß heyligen Orden S. Benedicti, Welcher Anno 1423. mit Almirante Christophoro Columbo in Indiam Americam, oder Newe Welt/ uber das Attlandische Meer/ und Oceanum alldort die unglaubigen wilde Völcker/ und Blutdurstige hungerige Menschenfresser zu dem Christlichen Catholische[n] Glauben zubekehren geschiffet / [Caspar Plautz]. - Lintz : Blanck, 1624. - [37] Bl., 18 Ill. (Kupferst.), Ill. (Holzschn.)
(Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 4° 697)

Umschlag von Plautz, Extract und Augßzug Plautz, Caspar: Extract und Augßzug [!]  Der grossen un[d] wunderbarlichen Schifffarth/ Buelii Cataloni, eines Abbten/ deß heyligen Orden S. Benedicti, Welcher Anno 1423. mit Almirante Christophoro Columbo in Indiam Americam, oder Newe Welt/ uber das Attlandische Meer/ und Oceanum alldort die unglaubigen wilde Völcker/ und Blutdurstige hungerige Menschenfresser zu dem Christlichen Catholische[n] Glauben zubekehren geschiffet / [Caspar Plautz]. - Lintz : Blanck, 1624. - [37] Bl., 18 Ill. (Kupferst.), Ill. (Holzschn.)
(Erworben von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 4° 697)

Berichte über die neue Welt wurden in Europa seit dem Ende des 15. Jahrhunderts mit Neugierde und Staunen aufgenommen. Eine interessante Mischung aus Tatsachen und Fiktion liegt in dem seltenen Auszug von Caspar Plautzs "Nova Typis transacta navigatio" vor. Hier konnte eine unbekannte Druckvariante der deutschen Übersetzung von 1624 erworben werden. In der fabelhaften Darstellung der frühen Eroberungsgeschichte Amerikas begleiten Missionare der Benediktiner Columbus auf seiner Entdeckungsreise. Wolfgang Kilians phantastische Kupferserie illustriert die wundersamen Begegnungen sehr anschaulich: St. Brendans Predigt auf einem Wal, ein Festmahl der Kannibale, indianische Rituale und die Abbildung einer Kartoffel erlangte besondere Bekanntheit.

Buch des Monats Januar 2016:
Henrik Smith: Henrick Smids Lægebog indeholdendis I. Mange skøne oc vdualde Lægedoms stycker, for atskillige Siugdomme, offuer det gantske Legeme, fra Hoffuedet til Føderne. II. Lægedom for Quindefolcks oc Børns Siugdomme. III. Mange atskillige Lægedoms stycker for Barskære. Item, om Aareladelse, Bad oc Koppesaettelse. IIII. Præserinatiff, Foruaring oc Lægedom imod Pestilentze. V. Om Menniskens vand at besee, oc der om dømme. VI. Om Atskillige Vrter som her vdi Riget vaare, Huorledis de til Lægedom skulle brugis, vduaartis oc induaartis. Kopenhagen : Andreas Gutterwitz für Baltser Kaus, 1577. – [8], 177, [2], [2], 55, [1], [4], 36, [13], [10], 22, [6], 14, [4], 131, [5] Bl., Titelholzschnittbordüre
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/M.med. 1245 k)

Abbildung des Einbandes von Smith, Henrick Smids Lægebog indeholdendis I Henrik Smith: Henrick Smids Lægebog indeholdendis I. Mange skøne oc vdualde Lægedoms stycker, for atskillige Siugdomme, offuer det gantske Legeme, fra Hoffuedet til Føderne. II. Lægedom for Quindefolcks oc Børns Siugdomme. III. Mange atskillige Lægedoms stycker for Barskære. Item, om Aareladelse, Bad oc Koppesaettelse. IIII. Præserinatiff, Foruaring oc Lægedom imod Pestilentze. V. Om Menniskens vand at besee, oc der om dømme. VI. Om Atskillige Vrter som her vdi Riget vaare, Huorledis de til Lægedom skulle brugis, vduaartis oc induaartis. Kopenhagen : Andreas Gutterwitz für Baltser Kaus, 1577. – [8], 177, [2], [2], 55, [1], [4], 36, [13], [10], 22, [6], 14, [4], 131, [5] Bl., Titelholzschnittbordüre
(Signatur: Res/M.med. 1245 k)

Das „Lægebog“ enthält eine Sammlung von sechs medizinischen Schriften des Malmöer Arztes Henrik Smith (1495–1563). 14 Jahre nach dessen Tod wurde es im Auftrag des Verlegers Baltser Kaus in der Offizin von Andreas Gutterwitz gedruckt. Dieses Handbuch für Chirurgen enthält unter anderem eine Abhandlung über die Ursache der Pest, Präventivmaßnahmen und Methoden der Heilung sowie eine Schrift über Kräuter. Es galt als eines der bedeutendsten populärmedizinischen Handbücher des 16. Jahrhunderts in Skandinavien und stellt bis heute eine wichtige Quelle der Volksmedizin dar. Sein Verfasser, der Arzt und Humanist Henrik Smith, studierte 1514 bis 1515 in Rostock, Aufenthalte in Wittenberg und Leipzig folgten, wo er als Korrektor für den Buchdrucker Melchior Lotter tätig war. Nach seiner Rückkehr nach Malmö schloss er sich den Anhängern König Christians II. an, der 1523 wie auch seine Anhänger ins Exil gehen musste. Erst zehn Jahre später konnte Smith wieder nach Malmö zurückkehren, wo er schließlich als Grubenaufsichtsbeamter tätig war. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass auch Smith 1563 ein Opfer der großen Pestepidemie in Malmö wurde. Der Drucker Andreas Gutterwitz (gest. 1610) war ab 1571 zusammen mit Johann Stöckelmann in Rostock tätig, bis beide 1574 nach Kopenhagen gingen Dort übernahm Gutterwitz nach Stöckelmanns Tod 1575 dessen Amt als Universitätsdrucker, bis er 1582 als königlicher Buchdrucker nach Stockholm berufen wurde.

Buch des Monats Dezember 2015:
Jukebox, jewkbox! [Medienkombination] : ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack & Vinyl ; Jüdisches Museum Hohenems 19. Oktober 2014 - 8. März 2015, Jüdisches Museum München 24. März 2015 - 13. September 2015 / hrsg. von Hanno Loewy. Texte: Hanno Loewy. – Hohenems: Bucher, 2014. 312 S. : zahlr. Ill. ; 23 cm + 1 Schallpl. ; 18 cm
(Erworben von der Deutschen Nationalbibliothek; Signaturen: Sbd 358/juke und SH 14/292)

Hülle der Schallplatte Jukebox, jewkbox! ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack & Vinyl Jukebox, jewkbox! [Medienkombination] : ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack & Vinyl ; Jüdisches Museum Hohenems 19. Oktober 2014 - 8. März 2015, Jüdisches Museum München 24. März 2015 - 13. September 2015 / hrsg. von Hanno Loewy. Texte: Hanno Loewy. – Hohenems: Bucher, 2014.  312 S. : zahlr. Ill. ; 23 cm + 1 Schallpl. ; 18 cm
(Erworben von der Deutschen Nationalbibliothek; Signaturen: Sbd 358/juke und SH 14/292)

Die hier vorgestellte Medienkombination ist Teil der Sammlung des Deutschen Musikarchivs der Deutschen Nationalbibliothek. Sie enthält „Essays von Caspar Battegay, Alan Dein, Helene Maimann, Raymond Wolff. Beiträge von Timna Brauer, Vladimir Vertlib, Lizzie Doron, Ari Rath, Cilly Kugelmann, Marian Fuks, Barbara Kirshenblatt-Gimblett, Michael Asch und vielen anderen. Um 1900 veränderte der jüdische Emigrant Emil Berliner die Welt. Mit der Erfindung der Schallplatte war das erste Medium einer globalen Kultur geboren. Und das jüdische Jahrhundert hat auf Schellack und Vinyl seinen Ausdruck gefunden – von der Verwandlung synagogaler Musik in bürgerlichen Kunstgenuss bis zur Neuerfindung jüdischer Folkmusik, von der Karriere jiddischer Theaterlieder auf dem Broadway bis zur Rebellion des Punk. Die Geschichte der Schallplatte ist auch eine Geschichte jüdischer Erfinder, Musiker und Komponisten, Produzenten und Songwriter. Ihre Musik, der Sound des 20. Jahrhunderts, war nicht immer „jüdische“ Musik – aber ein Produkt jüdischer Erfahrung. Eine Entdeckungsreise durch unbekannte Welten der populären Kultur, begleitet von persönlichen Erzählungen über Schallplatten, die manches Leben verändert haben.“ (Quelle: http://www.jm-hohenems.at/publikationen/backlist/jukebox-jewkbox)

Buch des Monats November 2015:
Johann Sebastian Bach: Komische Cantaten. No. II für 1 Waldhorn, 1 Flöte Trav. 2 Violinen, Bratsche, Discant, Baß und Fundament [BWV 212] hrsg. [von] S.W[.] Dehn. - Berlin, Crantz (PN 138) [1837]. - 31 S., neuer bibliophiler Einband mit Titelschild.
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Sign.: 55 NB 17273-2 : MUS)

Notenblatt von Johann Sebastian Bach: Komische Cantaten. Johann Sebastian Bach: Komische Cantaten. No. II für 1 Waldhorn, 1 Flöte Trav. 2 Violinen, Bratsche, Discant, Baß und Fundament [BWV 212] hrsg. [von] S.W[.] Dehn. - Berlin, Crantz (PN 138) [1837]. - 31 S., neuer bibliophiler Einband mit Titelschild.
(Erworben von der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Sign.: 55 NB 17273-2 : MUS)

Die Staatsbibliothek zu Berlin konnte für ihre Musikabteilung die seltene Partitur-Erstausgabe der als „Bauernkantate“ bezeichneten weltlichen Bachkantate „Mer hahn en neue Oberkeet“ (BWV 212) antiquarisch erwerben. Das vom ersten Kustos der Berliner Musikabteilung Siegfried Wilhelm Dehn (1799–1858) herausgegebene Werk war bisher ein empfindlicher Kriegsverlust innerhalb des historischen Notenbestandes. Darüber hinaus ist der Wiedererwerb eine ideale Ergänzung zum Bachautograph, welches unter der Signatur Mus.ms. Bach P 167 im Nachlass von Carl Philipp Emanuel Bach verwahrt wird. Johann Sebastian Bach komponierte im Jahr 1742 diese in obersächsischer Mundart auf einen Text von Christian Friedrich Henrici (1700–1764, genannt Picander) gehaltene Kantate als Huldigung an den kurfürstlich-sächsischen Kammerherrn auf dem Rittergut Kleinzschocher, Carl Heinrich von Dieskau (1706–1746). Dieskau ist ein Vorfahr des bekannten Sängers Dietrich Fischer-Dieskau (1925–2012), dessen Nachlass vor kurzem in die Staatsbibliothek gekommen ist.

Buch des Monats Oktober 2015:
Garnerin, André Jacques: Neue Experimente des Herrn Garnerin . mit gnädigster Erlaubniß ; den 15ten September auf der Pfingstweide um halb 7 Uhr = Nouvelles expériences de Mr. Garnerin. – [Frankfurt am Main], 1805. – [1] Bl.
(Erworben von der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Frankfurt am Main, Sign.: S 9/Abb. 131)

 Einblattdruck von Garnerin, André Jacques: Neue Experimente des Herrn Garnerin . mit gnädigster Erlaubniß ; den 15ten September auf der Pfingstweide um halb 7 Uhr = Nouvelles expériences de Mr. Garnerin Garnerin, André Jacques: Neue Experimente des Herrn Garnerin . mit gnädigster Erlaubniß ; den 15ten September auf der Pfingstweide um halb 7 Uhr = Nouvelles expériences de Mr. Garnerin. – [Frankfurt am Main], 1805. – [1] Bl. 
(Erworben von der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Frankfurt am Main, Sign.: S 9/Abb. 131)

Der Einblattdruck, der wahrscheinlich auch als Plakat Verwendung fand, lädt für den 15. und 16. September 1805 zur Vorführung einer Ballonfahrt des französischen Luftfahrtpioniers André Jacques Garnerin (1769-1823) auf die Frankfurter Pfingstweide ein. Garnerin unternahm bereits 1790 seine erste Luftreise mit einem selbst konstruierten Heißluftballon. Anfang des 19. Jahrhunderts überwand er bereits Strecken von mehr als 300 km. Die Demonstration anlässlich der Frankfurter Herbstmesse im September 1805 war sein 39. Aufstieg. Garnerin gilt als Erfinder des rahmenlosen Fallschirms, mit dem er erstmals am 22. Oktober 1797 in Paris über dem Parc Monceau absprang. Seine Ehefrau Jeanne-Geneviève Garnerin (1775-1847) sprang als erste Frau der Welt am 12. Oktober 1799 mit einem Fallschirm ab. Möglicherweise weist die im Text avisierte "Luftfahrt der Mme. Garnerin" und die Darstellung des Holzschnitts auf einen Fallschirmsprung hin, was sich aber bislang durch zeitgenössische Quellen nicht belegen lässt. Der Garnerin-Druck stellt eine willkommene Ergänzung der etwa 2.600 Bände umfassenden Luftfahrtsammlung der UB Frankfurt dar, die auf eine Schenkung des Kunsthistorikers und Mitbegründers der Frankfurter Bibliophilen-Gesellschaft Louis Liebmann aus dem Jahre 1929 zurückgeht.

Buch des Monats September 2015:
ABC- und Lesebuch zur Aufklärung des Verstandes lieber Kinder mit Bemerkungen und 48. in Kupfer gestochenen Gegenständen aus der Naturgeschichte, von Fr. W. d. h. Pr. K., Nürnberg : Winterschmidt, 1788. – 8 Bl., [3] Taf.
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2014 A 65)

Abbildung aus dem Buch  "ABC- und Lesebuch zur Aufklärung des Verstandes lieber Kinder mit Bemerkungen und 48. in Kupfer gestochenen Gegenständen aus der Naturgeschichte" aus dem Jahre 1788 ABC- und Lesebuch zur Aufklärung des Verstandes lieber Kinder mit Bemerkungen und 48. in Kupfer gestochenen Gegenständen aus der Naturgeschichte, von Fr. W. d. h. Pr. K., Nürnberg : Winterschmidt, 1788. – 8 Bl., [3] Taf.
(Erworben von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: DD2014 A 65)

Das kleine „ABC- und Lesebuch“ ist in zwei Teile untergliedert: Der erste Teil bietet neben dem großen und kleinen ABC in gebrochener Schrift („deutsches Alphabet“) und in Antiqua („lateinisches Alphabet“) auch Zusammenstellungen von leichten Wörtern und Silben mit ein bis drei Konsonanten am Wortanfang oder -ende. Den thematischen Rahmen dieses Teils bieten die im Titel erwähnten „Gegenstände aus der Naturgeschichte“, insbesondere Vogelarten. So werden „Die leichtesten Sylben von zween und drei einfachen Buchstaben“ mit Aussagen zu verschiedenen Vögeln illustriert, die dann auch auf den Kupferstichen am Ende des Buches abgebildet sind, zum Beispiel: „Der Ler-che Lied ist lieb-lich“. Zu den Buchstaben Q, X und Y fand der Autor jedoch keine Vogelart, so dass er Xerxes, „den Kö-nig in Per-si-en“ bemühen muss und „Y-psi-lon [als ein] frem-des i“ vorstellt. Beim Q hilft er sich mit einem möglichen Aufenthaltsort von Vögeln: „Die Quit-ten-bäu-me ha-ben ge-sun-des Obst.“ Im zweiten Teil des Büchleins finden sich dann gereimte Leseübungen, die zumeist christliche Werte und Normen vermitteln, wie zum Beispiel „Das Vaterunser in Versen“.
Das Werk war bislang bibliographisch nicht nachgewiesen, und es ist kaum zu ermitteln, welcher Verfasser sich hinter den Initialen „Fr. W.“ verbirgt. Vermutlich befand er sich zum Zeitpunkt der Drucklegung seines Werkes in der Ausbildung zum Pfarrer, da sich „d. h. Pr. K.“ zu „des heiligen Priesteramts Kandidat“ auflösen lässt. Ermittelt werden kann hingegen eine Vorbesitzerin des Werkes, die sich mit „Anna-Marie, Prinzessin von Ysenburg und Büdingen, 1894“ auf der Innenseite des Vorderdeckels verewigt hat: Anna-Marie (1874–1942) war die Tochter des Fürsten Gustav Alfred (1841–1922) und seiner Frau Luitgard (1843–1927 geb. Gräfin zu Castell-Rüdenhausen) von Isenburg-Büdingen in Büdingen. Sie trug ihren Namen in ihrem 20 Lebensjahr in das mit rotem Goldbrokatpapier bezogene Büchlein ein – zu einem Zeitpunkt, als das Werk selbst bereits über 100 Jahr alt war.

Buch des Monats August 2015:
Beer, Johann: Der Deutsche Kleider-Affe / durch und durch Mit kurtzweiliger Einfalt und einfältiger Kurtzweil/ Allen Curieusen Liebhabern zur Delectation, Aus eigener Erfahrung auff die Schau-Bühne gestellet von Alamodo Pickelhering.
Leipzig: Gleditsch, Götze, 1685. - [8] Bl., 272 S., Frontispiz.
(Erworben von Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Signatur: Xb 12° 156)

Abbildung des Titelblatts von "Johann Beer" aus dem Jahre 1685 Beer, Johann: Der Deutsche Kleider-Affe / durch und durch Mit kurtzweiliger Einfalt und einfältiger Kurtzweil/ Allen Curieusen Liebhabern zur Delectation, Aus eigener Erfahrung auff die Schau-Bühne gestellet von Alamodo Pickelhering. Leipzig: Gleditsch, Götze, 1685. - [8] Bl., 272 S., Frontispiz

Auf dem Antiquariatsmarkt sind heute die Werke Johann Beers (1655-1700) besonders rar geworden. Diese Erstausgabe, in seltener Komplettheit mit dem Frontispiz stellt daher eine schöne Ergänzung des Wolfenbütteler Bestands dar.

Beer lebte seit den 1680er Jahren, zunächst als Konzertmeister, später auch als Bibliothekar am Hof Herzog August zu Sachsen-Weißenfels. Dieses Werk begann er während einer sieben-wöchigen Erkrankung, ein anonym gebliebener Freund brachte das unvollendete Manuskript dann zwei Jahre später zum Abschluss.

Die Satire macht sich über die französischen Modetorheiten lustig und der Protagonist, ein Schneiderlehrling, läuft am Ende fort von Stadt- und Hofleben und endet mit den Schlußworten:
„O du ruhiges Bauer-Leben! O du Unschuld-volles Land! Du kannst mehr Vergnügung geben/ als der falsche Bürger-Stand.
Wer nicht wacker kann stoltzieren, Muß in Städten Hunde führen“.

Buch des Monats Juli 2015:
Herman Weigere: En Ræffue Bog som kaldes paa Tyske Reinicke Foss […]. [Lübeck : Jürgen Richolff], 1555. – [8], CCXCI [i.e. 290], [17] Bl., Titelholzschnitt, Holzschnitt-Porträt, zahlr. Holzschnittillustrationen
(Erworben von der Bayerischen Staatsbibliothek München, Signatur: Res/P.o.germ. 2106 t)

Abbildung des Titelblatts von "Reinicke Voss" aus dem Jahre 1555 Herman Weigere: En Ræffue Bog som kaldes paa Tyske Reinicke Foss […]. [Lübeck : Jürgen Richolff], 1555. – [8], CCXCI [i.e. 290], [17] Bl., Titelholzschnitt, Holzschnitt-Porträt, zahlr. Holzschnittillustrationen

„Reineke Fuchs“, das berühmte niederdeutsche Tierepos des Mittelalters, erzählt in Versen und Prosakommentaren (Glossen) von den Übeltaten des gerissenen und genialen Fuchses Reineke. Dieser hat mit seinem Verhalten gegen die gesellschaftliche Ordnung verstoßen und sich verschiedenster schwerwiegender Verbrechen schuldig gemacht, für die er in zwei Gerichtsverfahren angeklagt wird. Er schafft es jedoch, sich raffiniert mithilfe von allerlei Listen und niederträchtigen Lügen aus dieser prekären Situation zu retten und schließlich auch noch als Sieger gegen seine geschädigten und betrogenen Widersacher durchzusetzen.

Während im Verstext in zwei Erzählungen das ganze Repertoire der Übeltaten aufgeführt wird, verweisen die Prosakommentare auf gültige Verhaltensregeln und christlich-moralisierende Lebensweisheiten, in denen in den älteren Fassungen Kritik an der Käuflichkeit und Schmeichelei bei Hofe geübt wird.

Das Versepos erschien 1498 in Lübeck in gedruckter Form und wurde im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts mehrfach aufgelegt und überarbeitet. Ausgehend von den Rostocker Drucken von 1539/49, in denen der Prosakommentar in humanistisch-protestantischem Sinne umgestaltet und die katholische Kirche, gesellschaftliche Einrichtungen sowie zeitgenössische Persönlichkeiten scharf kritisiert wurden, verbreitete sich das Werk weiter. Die an die Rostocker Ausgaben anknüpfende dänische Übersetzung der niederdeutschen Fassung, von dem Kopenhagener Kaufmann Herman Weigere 1555 veröffentlicht, bildet wiederum den Anfang der skandinavischen Tradition. Weitere zahlreiche Nachdrucke bis weit in das 17. Jahrhundert bezeugen die Beliebtheit des „Reineke“, der sich im 18. Jahrhundert zum Volksbuch und nach Goethes und weiterer zahlreicher Bearbeitungen immer mehr zum unterhaltsamen und lehrreichen Kinderbuch entwickelte.

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